Verfall einer feinen Villa

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Holztreppe, und Schüttrohr als Zeugen von Bauarbeiten – doch die ruhen Foto: Haas

Denkmalgeschütztes Haus an der Willistraße nur ein Abschreibungsobjekt?

Von Waltraut Haas
Winterhude
Es ist eine der feineren Hamburger Adressen. Nach seinem Sohn hatte der gelernte Goldschmied Adolph Sierich (1826-1889) die Straße einst benannt. Von der „Revitalisierung der denkmalgeschützten Villa Willistraße 21“ kündet seit langem eine großformatige Info-Tafel. Doch seit Jahren geschieht wenig bis nichts an dem 1904 erbauten Haus. Nachdem die vormalige Eigentümerin starb, war die Villa vor fünf Jahren verkauft worden. Seitdem steht sie leer, gammelt vor sich hin, der Garten verwildert. Bislang sichtbare Baumaßnahmen: Pflastersteine harren auf einer Schubkarre. Ein Schüttrohr ragt aus dem Obergeschoss. Auf der Frontseite dient eine provisorische Holztreppe als Zutritt. Ein Treppenaufgang und Vorbauten an der rechten Hausseite wurden abgerissen. „Gut möglich, dass die so Platz für eine große Garage schaffen wollten“, vermutet ein Nachbar, als er vorbeigeht. Aber die zum Leinpfad hin liegenden Häuser mit den ungeraden Hausnummern 1 bis 31 gehören alle zum denkmalgeschützten Ensemble der Willistraße. Jedes Detail einer Baumaßnahme bedürfte enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Niemand dürfe hier aus freien Stücken modernisieren, auch keine neuen Garagen bauen.

Verwahrlosung


Als Vertreter des Bauherren firmiert auf der Tafel eine Finanzierungs- und Beteiligungsgesellschaft. Ob die etwa auf den Verfall spekuliert, das Haus nur als Abschreibungsobjekt führt? „Ein jahrelanges Drama, das tut richtig weh, wenn man das täglich mitansehen muss“, klagt eine Nachbarin, die das einst so schmucke Haus noch von innen kennt. Früher war sie hier zu Festen eingeladen und konnte beim Tanzen das üppig ausgestattete Interieur bewundern. „Es war wirklich alles vom Feinsten“, versichert sie. Die auf der Info-Tafel genannten Unternehmen sind nicht erreichbar. „Ob es sich um Briefkastenfirmen handelt“, fragt sich ein Ehepaar aus der Nachbarschaft, das sich jetzt auch an Dr. Jan Freitag (SPD) wenden will, den Vorsitzenden des Regionalausschusses der Bezirksversammlung Nord. Denn das Bezirksamt unternehme offenbar bislang nichts, um die Maßnahmen zu begleiten oder den Bauherren zu drängen, dass er sie zügig abschließen solle. „Grundstück und Haus sind vollkommen verwahrlost und ungesichert“, so die Nachbarin. Hier sind spielende Kinder gefährdet. „In der Angelegenheit muss endlich etwas geschehen. Es kann nicht sein, dass die Behörden tatenlos zusehen, wie das Haus verfällt“, erklärte Christoph Ploß, der Vorsitzende der CDU Winterhude. Er will in der Sache weiter Druck machen und den Abschluss der Maßnahme herbeiführen.
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