Was wird aus Tarpenbek Greens?

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Umzug: Kay Mordhorst (re.) mit Team verlässt den Kellerbleek. Fotos: wh

Erste Mieter wandern ab - Bebauungsplan weiter heiß diskutiert

Groß Borstel. In der vergangenen Woche herrschte Betriebsamkeit am alten Güterbahnhof: Die Firma Mordhorst zog um, seit dem 1. August hat der baubiologische Fachhandel eine neue Adresse an der Papenreye.
Vor 18 Jahren gründete das seit 1919 bestehende Hamburger Familienunternehmen die Filiale an der Kellerbleek und eroberte gleich eine Nische. Denn mit dem wachsenden Bewusstsein für Ökologie wuchs auch das Interesse an neuen Baustoffen in Bio-Qualität – und damit ein neuer Kundenstamm, der in der Fachhandlung am Kellerbleek fündig wurde: von Lehmputz über Naturdämmstoffe, Holz- und Korkfußböden zu Naturfarben. „Diese Nische eignet sich kaum für Großunternehmen.“ meint Kay Mordhorst (54), der die Geschäftsidee seiner findigen Mitarbeitern seit 1994 umsetzt. Das siebenköpfige Team legt unterdessen letzte Hand an, verstaut Holzplatten im Lastwagen. Ob der Umzug mit dem Bauprojekt zusammenhängt? Vom auslaufenden Mietvertrag ist zwar die Rede, auch davon, dass eine Bautrasse geplant sei, die über das Firmengelände führe. „Aber wir ziehen um auf eigene Faust, nachdem wir an der Papenreye eine passende Adresse gefunden haben.
Dort passieren täglich 40.000 Autos, hier sind es vielleicht 150.“ rechnet Mordhorst vor. Sein Blick schweift zum Abschied über das Gelände: „Schon so lange müsste hier was passieren, aber bis jetzt sind alle Initiativen an der Bürokratie gescheitert.“
Die neuen Termine zu Heimwerker-Seminaren und Kreativ-Workshops zur Wandgestaltung stehen schon fest, sie finden ab September in der Papenreye statt.

Was ist los am
Kellerbleek?

Der Bebauungsplan-Entwurf „Groß Borstel 25“ wurde im vergangenen September in der Carl-Götze-Schule öffentlich vorgestellt und heiß diskutiert. Bis zu 750 neue Wohnungen sieht der Entwurf zum Wohnquartier „Tarpenbek Greens“ vor, das ein irischer Investor, die McGarrell Reilly Group, hier bauen will. Im Mai 2012 hatte die Bezirksversammlung Hamburg Nord beschlossen, dass für das Bauprojekt eine zweite Verkehrsanbindung nach Goß Borstel geprüft werden soll: mit einer Brücke über die Tarpenbek auch für den Autoverkehr. Lösungen zur besseren Erschließung des Geländes sollen im September vorgestellt und diskutiert werden.
Noch herrscht auf dem ehemaligen Bahngelände Ruhe und Beschaulichkeit, nur unterbrochen vom Lärm der regelmäßig passierenden Hochgeschindigkeitszüge. Pflanzen sprießen zwischen den Pflastersteinen, als wollten sie diese fast in Vergessenheit geratene Brache mit den alten Lagerhallen zurückerobern: begrenzt von der Tarpenbek und der Güterumgehungsbahntrasse. Etliche Gewerbebetriebe sind hier noch ansässig, auch „Le Marakech“. Die direkte Zufahrt zum orientalischen Möbelhaus mit Restaurant ist allerdings seit kurzem gesperrt, wird über die Nebenstraße geleitet.

Kleingärtner und
„Tarpenbek Greens“

Am Ende der Brachflächen dann eine grüne Oase: die 75 Parzellen des Kleingartenvereins 150 „Bahn-Landwirtschaft“. Die Schrebergärtner begrüßen durchaus einen „sozialen Wohnungsbau“ auf dem alten Bahngelände, allerdings sollen ihre Kleingärten erhalten bleiben. „Sie sind als Dauergärten im Bebauungsplan festzuschreiben.“ so die Forderung auf www.großstadtpflanzen.de. Seit kurzem werden die Gartenfreunde unterstützt von einem eingetragenen Verein „Tarpenbek Greens“.
Die Namensgleichheit mit der Projektbezeichnung von „Groß Borstel 25“ ist kein Zufall. „Zwar frech, aber durchaus legal!“ erklärt Gartenfreund Michael Bogatzki. Denn dieser Name gebühre eher dem Verein: „Auch wir sind für (sozialen!) Wohnungsbau – aber mit Augenmaß: 350 Wohnungen sind genug. Dann gibt es keine Probleme mit dem Verkehr in Groß Borstel, unsere Gärten werden erhalten und an der Tarpenbek bleibt es grün.“ www.tarpenbek-greens.de
Was auf sie zukommt? Niemand weiß Genaues. In der Einschätzung sind sich Gartenfreunde wie Gewerbetreibende am Kellerbleek vorläufig einig: „Bis zu einer endgültigen Entscheidung wird wohl noch viel Wasser die Tarpenbek abwärts fließen.“ (wh)
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