Wende-Irrsinn am Grindel in Hamburg

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Wendemanöver, wie dieses im Grindelberg, können schwere Unfälle mit Verletzten verursachen Fotos: Hanke
 

Autofahrer drehen trotz Verbot. Polizei nach schweren Unfällen alarmiert

Von Christian Hanke
Hamburg. Und es passiert schon wieder... Riskante Wendemanöver auf dem Straßenzug Grindelallee, Grindelberg, Hoheluftchaussee forderten in den vergangenen Wochen zwei Leicht- und zwei Schwerverletzte.
Auf der Hoheluftchaussee wendete kürzlich ein Pkw-Fahrer an der Einmündung Troplowitzstraße auf der Fahrbahn, übersah einen Linienbus, der nicht mehr bremsen konnte – es krachte. Der Unfallverursacher wird schwer und zwei Busfahrgäste werden leicht verletzt.
Einige Wochen zuvor wurde ein Motorradfahrer von einem PKW am südlichen Ende der Grindelallee angefahren und lebensgefährlich verletzt. Der Pkw-Fahrer hatte auf der Fahrbahn gewendet und das Motorrad übersehen, da ihm die Bushaltestelle Staatsbibliothek die Sicht versperrte. Er wendete, obwohl hier eine Schwelle in der Mitte der Straße das Umkehren eigentlich verhindert. „Er muss ein Stück auf der Busspur gefahren sein, um zu wenden“, berichtet Ralf Schlüter, im Polizeikommissariat 17 (Sedanstraße) zuständig für Verkehrsangelegenheiten.

Wenden trotz Hindernis

Der erste Polizeihauptkommissar kann es kaum fassen, mit welcher Dreistigkeit Autofahrer immer wieder Mittel und Wege finden, um so schnell wie möglich dorthin zu kommen, wo sie hinwollen. Das Wenden, mitten auf der Fahrbahn, gehörte in der Grindelallee, im Grindelberg und in der Hoheluftchaussee bis vor rund zehn Jahren zu den häufigsten Unfallursachen. Deshalb wurden in der Grindelallee und in der Hoheluftchaussee kleine Kunststoffwälle in die Mitte der Straße gesetzt. Seitdem nahmen die Unfälle ab. Nur im Grindelberg wird weiter gewendet, denn hier stehen keine Wälle. Aber die Autofahrer nutzen auch die kleinen Unterbrechungen der Hindernisse an Fußgängerüberwegen und Kreuzungen, um zu drehen, wenn sie im Stau stehen oder auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen freien Parkplatz erspäht haben.
In der Hoheluftchaussee konnten auf einem kurzen Abschnitt, in dem keine Schwelle die Fahrbahnen trennt, innerhalb von einer Viertelstunde drei Wendemanöver beobachtet werden. Der Wille zum Wenden, das ist die betrübliche Erkenntnis, wurde durch die Hindernisse in der Straßenmitte nicht unterbunden. Wo es noch geht, wird gewendet. Polizist Ralf Schlüter: „Ich bin sprachlos über die Häufung von Ignoranz so vieler Verkehrsteilnehmer. Sie sehen nur ihr eigenes Ziel.“

Neue Baumaßnahmen?

Nach dem Unfall in der Grindelallee und dem ungebrochenen Wenden am Grindelberg werden sich Polizeivertreter und der Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer zusammensetzen, um über bauliche Maßnahmen auch im Grindelberg nachzudenken. Vorher wird die Polizei allerdings die Situation vor Ort noch regelmäßig beobachten, um Daten über die Wendemanöver zu sammeln. „Wir beobachten nur punktuell, wie zum Beispiel jetzt nach dem Unfall in der Grindelallee“, sagt Ralf Schlüter. Ergebnis: Bisher war dieser Unfall ein Einzelfall. Ebenso wie der schwere Unfall in der Hoheluftchaussee.
Ralf Schlüters Kollege Ralph Poluda vom PK 23 (Troplowitzstraße) kann glücklicherweise von keinen weiteren Unfällen in seinem Abschnitt berichten. Warum aber hat der Pkw-Fahrer in der Hoheluftchaussee überhaupt gewendet? „Ich verstehe es nicht“, wundert sich Ralph Poluda, „nur wenige Meter weiter hätte er ganz legal wenden können.“ Die Polizisten sind sich einig: Das illegale Wenden muss unterbunden werden, um weitere Unfälle zu verhindern.
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