Wenn Alkohol die Liebe zerstört

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Al-Anon-Meetings helfen Angehörigen von Alkoholkranken wie MariaFoto: Hanke

Neue Al-Anon-Gruppe für Angehörige suchtkranker Menschen in St. Nikolai

Eppendorf/Harvestehude. Sie haben ein wahres Martyrium hinter sich: Maria und Wiebke (Namen von der Redaktion geändert). Marias Sohn begann zu trinken, konnte nicht mehr studieren und arbeiten. Die Mutter glaubte ihn zu unterstützen, indem sie ihm alles abnahm. Doch damit förderte sie nur seine Sucht. Wiebke und ihr Freund galten lange als Traumpaar. Niemand wusste, dass Wiebkes Freund trank. Wiebke tat alles, um ihm zu helfen. Sie hielt ihn für die Liebe ihres Lebens. Doch er belog sie äußerst geschickt, redete ihr ein, sie hätte Schuld an seiner Trunksucht.
Maria und Wiebke, zwei Frauen mit ähnlichem Schicksal, fanden Hilfe bei einer Al-Anon-Gruppe, in der sich Angehörige von Alkoholkranken treffen, die nicht mehr weiter wussten, erkannten, dass sie selbst krank wurden, indem sie sich zu intensiv um ihre alkoholkranken Angehörigen kümmerten. Maria aus Eppendorf hat sogar eine neue Al-Anon-Gruppe gegründet, die 27. in Hamburg und die erste, die um die Mittagszeit zusammenkommt.
Bis zu sieben Angehörige von Alkoholkranken treffen sich immer mittwochs von 12 bis 13 Uhr im Gemeindehaus St. Nikolai, Harvestehuder Weg 118. Oberstes Gebot ist Anonymität. Die Mitglieder der Gruppe kennen sich nur mit Vornamen, wissen sonst nichts voneinander. Sie sprechen über ihre Situation und geben sich dadurch Kraft für ein wieder an ihren Bedürfnissen orientiertem Leben. „Ich habe in der Al-Anon-Gruppe gelernt, meinen Sohn nicht zu unterstützen. Die Alkoholkranken müssen selbst mit ihrer Sucht zurecht kommen. Mein Sohn hat sich jetzt so im Griff, dass er wieder zur Schule gehen kann“, erzählt Maria. Auch Wiebke kann wieder lachen, seit sie die Al-Anon-Gruppe besucht. Erst war sie in einer größeren. Dann schloss sie sich der neuen, überschaubaren an, die Maria gegründet hatte. Sie hat sich von ihrem Freund getrennt, nachdem sie regelmäßig eine Al-Anongruppe besuchte. „Seitdem denke ich: wie kann ich Lebensfreude mit in die Woche nehmen?“, sagt Wiebke, die inzwischen neu liiert ist und ein Kind bekommen hat. Auch Maria geht es gut, seitdem sie die Al-Anon-Meetings besucht. Wiebke kommt immer noch, obwohl die schreckliche Lebensphase mit ihrem alkoholkranken Freuend schon Jahre zurückliegt. „Es wird viel verdrängt und vertuscht“, berichtet Wiebke aus dieser Zeit.
Angehörige verschweigen oft die Sucht ihrer Freunde und Verwandten, gestehen sich nicht ein, dass sie in ihrer Aufopferung selbst krank werden. „Ich hielt mich nicht für gut genug, um ihm zu helfen“, erzählt Wiebke aus ihrer dunklen Zeit. Jetzt wissen Maria und Wiebke, dass das Gespräch mit Leidensgenossen weiterhilft. „Al-Anon-Meetings sind wie eine Akku-Aufladestation. Nach einer Sitzung fühle ich mich immer besser“, berichtet Maria. Wer dazukommen möchte, ist am Mittwochmittag bei St. Nikolai herzlich willkommen. Die Gruppe nutzt übrigens nur die Kirchenräume. Sie ist an keine Religion oder politische Richtung gebunden. Wer sich ganz allgemein über Al-Anon informieren möchte, kann ein Info-Telefon unter Tel.: 271 33 54 erreichen. (ch)
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