Wenn die Tarpenbek überläuft...

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EU-Richtlinie für sechs neue Schutzgebiete in Hamburg. Was Gartenbesitzer beachten müssen

Hamburg. Uwe Schröder darf in seinem Garten nicht mehr bauen, keine Gegenstände lagern, die fortgeschwemmt werden könnten, und keine Baum- und Strauchpflanzungen anlegen, die das natürliche Abflussverhalten ändern. Uwe Schröders Garten liegt an der Tarpenbek und die Uferbereiche dieses Flüsschens werden demnächst laut EU-Richtlinie zum Überschwemmungsgebiet erklärt.

Der Bund hat die Länder dazu per Gesetz verpflichtet. Die Uferbereiche der Tarpenbek sind eins von elf neuen Überschwemmungsgebieten in Hamburg. Sechs gibt es bereits seit den 1960er Jahren. Die verheerenden Hochwasser der letzten Jahre in vielen Teilen Europas haben die EU dazu veranlasst, Vorkehrungen gegen die Wasserfluten gesetzlich festzulegen. An den Ufern der Tarpenbek musste zwar bisher noch niemand wegen Hochwasser Haus und Hof aufgeben, doch laut EU-Definition sind die Uferbereiche des kleinen Flusses ein Überschwemmungsgebiet, eine Fläche, die bei einem schweren Hochwasser überschwemmt würde.
Dieses Unglück ereignet sich statistisch allerdings nur einmal in 100 Jahren. Die Anrainer der Tarpenbek können also relativ gut schlafen.

Ausnahmen möglich

Aber die neue Festlegung hat Konsequenzen für ihre Gärten. Sie dürfen auf ihrem Grundeigentum in Flussnähe keine Werte mehr schaffen, die durch Überflutungen gefährdet sind. Sie dürfen keine „baulichen Anlagen“ errichten oder erweitern und keine Mauern, Wälle oder ähnliche Anlagen errichten, „die bei Überschwemmungen quer zur Fließrichtung des Wassers liegen würden“. Außerdem darf die Erdoberfläche nicht erhöht und nicht vertieft werden. Grünland darf nicht in Ackerland und Auwald nicht in eine andere Nutzungsart umgewandelt werden. Alles, was den zügigen Wasserabfluss nach einer Überschwemmung behindert, muss vermieden werden. Schließlich dürfen keine wassergefährdenden Stoffe auf dem Boden gelagert werden. Immerhin: bestehende Nutzungen, Gebäude zum Beispiel oder Pflanzungen, genießen Bestandsschutz. Außerdem: keine Regel ohne Ausnahme. Die Bezirksämter, die die Funktionen der Wasserbehörden wahrnehmen, können Ausnahmen genehmigen.

„Grundstückswert sinkt“

Uwe Schröder will in seinem Garten nicht bauen und keine Mauern und Wälle ziehen. Er sieht seinem Eigentum als Überschwemmungsgebiet gelassen entgegen. Doch eines sieht er mit Sorge: „Dieses Gesetz senkt den Grundstückswert.“
Bis zum 31. Juli können die neuen Bestimmungen in den Bezirksämtern eingesehen werden, so auch im Bezirksamt Hamburg-Nord, Kümmellstraße 7. Im Internet sind ebenfalls alle Informationen einsehbar: unter www.hamburg.de/ueberschwemmungsgebiete. Bis zum 14. August kann sich die Öffentlichkeit zu den neuen Bestimmungen äußern. Die Stellungnahmen sollen in die Festsetzung der Überschwemmungsgebiete mit einfließen, die der Senat dann per Rechtsverordnungen festsetzt. Verhindern kann das neue Gesetz allerdings niemand mehr. (ch)
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