„Wie war das im Bunker?“

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„Krasses Erinnerungsvermögen“: Im Projekt „Leben am seidenen Faden“ tauschten sich Zeitzeugen der Kriegsgeneration mit Jugendlichen von heute aus Foto: Goldbekhaus/cb

Vom Leben und Überleben: Kinder interviewen Zeitzeugen zum Zweiten Weltkrieg

Von Christina Busse
Winterhude
„Schockmomente“ und „Herzklopfen“ hätten sie erlebt, erzählen Natascha (12) und Nils (13), aber vor allem das „krasse Erinnerungsvermögen“ ihrer Gesprächspartner hat die beiden Siebtklässler beeindruckt. Gemeinsam mit 18 Mitschülern haben sie zwei Wochen lang Stadtteilgeschichte erforscht. Ausgangspunkt war der Bunker unter dem Schinkelplatz, in dem während des zweiten Weltkriegs die Anwohner Schutz vor Bomben suchten. Die Schülerinnen und Schüler der Ilse-Löwenstein-Schule haben dazu Gespräche mit etwa zwanzig Menschen geführt, die besondere Erinnerungen an den Ort oder an die Zeit haben: Bewohner des Stadtteils, Familienangehörige, Zeitzeugen. In kleinen Gruppen haben sie alte Menschen zuhause besucht, sie waren im Seniorencafé, im Altenheim und sie haben Leute auf der Parkbank angesprochen, die spontan von ihren Erlebnissen von vor über 60 Jahren berichteten. „Es waren sehr viele traurige, schlimme Geschichten“, sagt Natascha. „Und trotzdem sagen fast alle, dass sie eine schöne Kindheit hatten.“ Parallelen zu sich selbst sehen die Schüler trotz der sehr verschiedenen Umstände auch. „Heute sammeln wir Fußballkarten so wie die Kinder damals Granatsplitter“, gibt Jimmy (13) ein Beispiel. Auch das in Vergessenheit geratene Kinderspiel Kippel-Kappel haben sie im Zuge ihrer Interviews kennengelernt. Die Idee zum Projekt „Leben am seidenen Faden“ stammt von Astrid Jawara, die den Gedanken daran schon einige Jahre mit sich herumtrug. „Der Bunker hat mich fasziniert. Ich habe mich gefragt, wie das wohl früher so war“, erläutert Jawara, die im Stadtteilkulturzentrum Goldbekhaus tätig ist und selbst in unmittelbarer Nähe zum Bunker am Schinkelplatz wohnt. Dass das Projekt, das Generationen miteinander ins Gespräch bringt, jetzt mit finanzieller Unterstützung durch die BürgerStiftung Hamburg zusammen mit der Barmbeker Stadtteilschule realisiert werden konnte, freut sie besonders. Die ehemalige Schule Humboldtstraße wurde erst im letzten Jahr bezugnehmend auf Kriegsereignisse in Ilse-Löwenstein-Schule umbenannt – nach einer jungen Barmbekerin, die 1941 als 17-Jährige von den Nationalsozialisten inhaftiert wurde und seither als verschollen gilt. „Wir interessieren uns sehr für die Geschichte, sie ist etwas ganz Besonderes“, betont Jimmy. Ihr gesammeltes Material haben die Jugendlichen in Begleitung von Kulturexperten diskutiert und künstlerisch bearbeitet. Dabei herausgekommen ist eine Collage aus Theater, Hörspiel, Film und Ausstellung, die gleichzeitig spannend zusammenfasst, was die Schüler von der Kriegsgeneration erfahren haben. Das beeindruckende Ergebnis stellen sie am Sonnabend, 11. Juni, 13 und 15 Uhr, im Röhrenbunker unter dem Schinkelplatz vor. Karten gibt es im Vorverkauf im Goldbekhaus, Moorfuhrtweg 9, zu 6,50 Euro, ermäßigt für Kinder zu 3,50 Euro. Restkarten vor Ort zu 7,50/4,50 Euro.
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