Wieder eine Grünfläche in Hamburg weg?

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Hier standen einmal zwölf Bäume. An der Grenze zur ehemaligen Wäscherei soll ein vierstöckiges Haus entstehen, das die Wohnungen von Norbert Meyer und Gerd Finsterbusch verschatten wird – so befürchten beide Foto: Flüß
 
In der parkähnlichen Idylle zwischen Jahnring und Henry-Budge-Straße sollen drei Häuser entstehenFoto: Flüß

Bau-Ideen zwischen Jahnring und Henry-Budge-Straße beunruhigen Nachbarn

Von Miriam Flüß
Hamburg. Vor den Häusern am Jahnring 18 und 19 braust Tag und Nacht der Verkehr. „Die Balkone sind nicht nutzbar, da es viel zu laut ist“, sagt Wohnungseigentümer Norbert Meyer. Zum Glück für die Bewohner und ihre Nachbarn gegenüber aus der Henry-Budge-Straße 20 /22 haben sie zum Entspannen eine große Grünfläche zwischen den Häusern. Doch diese Idylle scheint jetzt in Gefahr. Alte Rotbuchen, Birken und Weiden sollen nach Plänen eines Investors voraussichtlich Platz für drei Punkthäuser machen. Zwölf alte Bäume wurden auf dem Grundstück bereits vor drei Jahren gefällt. Ohne Genehmigung, wie eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke jetzt ergab. Kurioserweise will es jedoch niemand gewesen sein. Die Hannoveraner Meravis Wohnungsbau- und Immobilien GmbH ist Eigentümerin der Wohnhäuser in der Henry-Budge-Straße 16 - 28. Nach dem Tod der Besitzerin der ehemaligen Wäscherei am Jahnring 17 zeigt Meravis Interesse an dem Grundstück, das direkt an die grüne Hinterhof-Oase angrenzt und plant eine Neubebauung. Es sollen nach Plänen, die den Anwohnern vorliegen, Längsbauten und eine Tiefgarage entstehen, im Block-Inneren drei Mehrfamilienhäuser. „Der Durchführungsplan aus dem Jahr 1957 weist aber keine bebaubaren Flächen aus. Falls die Häuser entstehen, müsste es bauplanungsrechtliche Befreiungen geben“, sagt Norbert Meyer. „Der Kauf ist noch ungewiss“, stellt Meravis-Geschäftsführer Matthias Herter klar. „Wir haben mal ein paar Schächtelchen geplant. Teile aus dem Innenbereich sind interessant, aber alte Bäume wollen wir nicht fällen. Wir können uns auch nicht vorstellen, dass die Stadt Hamburg das erlaubt.“
Die verbliebenen Bäume wollen die Anwohner um jeden Preis schützen: „Habichte und Bussarde hatten hier ihre Ruheplätze, außerdem leben Buntspechte, Singvögel und Eichhörnchen hier“, so Gerd Finsterbusch aus dem Jahnring 19. Zusammen mit anderen Eigentümern will er nun gegen die illegale Abholzung von zwölf alten Bäumen im Jahr 2010 auf dem Grundstück von Meravis klagen. „Wir haben keine Bäume gefällt“, sagt Matthias Herter, dessen Unternehmen sich auf seiner Website mit dem Schutz von Bäumen und der Aufforstung eines niedersächsischen Waldstückes rühmt, zu den Vorwürfen. „Und ich frage mich, warum die Anwohner das erst Jahre später beklagen.“ Gerd Finsterbusch hatte sich an seine Verwaltung gewandt, als im Innenblock abgeholzt wurde. „Aber die ist nicht tätig geworden. Dass ich selber klagen kann, wusste ich damals nicht.“ Finsterbusch befürchtet, dass die Fäll-Aktion ein erster Schritt zur Bebauung der Fläche war. „Eine Ahndung würde möglicherweise nicht mehr in Betracht kommen wegen der Verfolgungsverjährung von drei Jahren“, heißt es aus dem Bezirksamt Nord zu den Aussichten auf eine Klage. Laut Hamburger Bußgeldkatalog kann je nach Bedeutung und Alter des Baumes eine Strafe von 50 bis 50.000 Euro bei illegaler Fällung verhängt werden. Weiter lässt das Bezirksamt wissen, dass es „wahrscheinlich einen Teil öffentlich geförderter Wohneinheiten festschreiben würde“, wenn ein neues Bauplanungsrecht erforderlich werden sollte.
Die Bezirksfraktion Die Linke hat einen Antrag gegen die geplante Bebauung des Innenhofs gestellt. „Es kann nicht sein, dass der Eigentümer illegal Bäume fällt, um das Grundstück bebaubar zu machen“, ärgert sich Karin Haas von der Linken. Den Bewohnern würde durch die geplante Bebauung eine Erholungsmöglichkeit genommen. Und Ekkehart Wersich von der CDU stellt nach seinem Besuch im Jahnring klar: „Da wo es Bebauungspläne gibt, sind sie zu respektieren. Gravierende Abweichungen bedürfen einem ordentlichem Verfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit und der Bezirksversammlung. Die CDU setzt sich für den Erhalt der Grünflächen und der Baumbestände im Innenhof ein.“ (flü)
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