Wildnis gerodet

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Die Silberweiden am Feuchtgebiet wurden wegen „Pflegemaßnahmen“ gerodet Foto: Haas

Bezirksamt: Gelände an der Deelböge wird nicht bebaut

Alsterdorf/Eppendorf Eine Art Niemandsland, umgeben von einem Zaun, erstreckt sich von der Deelböge bis ans Ende des Salomon-Heine-Wegs. Seit über 15 Jahren konnte sich die Natur auf dem Brachgelände ungestört entwickeln. Botaniker Dr. Hans-Helmut Poppendieck zählt diese Brache zu Hamburgs selten werdenden „städtischen Wildnissen“, auf dem im Lauf der Jahre ein kleines Feuchtgebiet um einen Teich entstanden war (das Wochenblatt berichtete). Allerdings nur bis vor kurzem: Denn im November wurde auch der Bewuchs auf der Fläche vollständig gerodet. „Es gilt dort der Bebauungsplan Alsterdorf 1 von 1968. Aktuelle Vorhaben sind nicht bekannt. Von uns sind dort auch aktuell keine konkreten Projekte geplant“, informiert Katja Glahn, Sprecherin des Bezirksamtes Nord. „Alle drei Jahre nehmen wir Pflegemaßnahmen vor“, sagt Holger Römer von der Zechbau-Gruppe Bremen. Sie dienen der „Grundstücksinstandhaltung“. Schon 2003 sollte hier ein Bürokomplex namens „Eppendorfer Tor“ entstehen, doch das Bauprojekt auf der 14.500 Quadratmeter großen Brache westlich der Jet-Tankstelle scheiterte, weil sich keine Mietinteressenten fanden.
Anfangs entwickelten sich hier junge Fahlweiden, beobachtete Dr. Poppendieck im Lauf der Jahre. In der feuchten Senke fand er „einen Reinbestand der Silberweide Salix alba“, so der Vorsitzende des Botanischen Vereins zu Hamburg. „Auf den noch offenen Flächen dominierte der Sommerflieder Buddleia davidii.“ Bei seiner Kartierung im Sommer 2013 habe er hier 112 Pflanzenarten und 23 Gehölzarten gefunden. Das einzigartige Gebiet hätte sich „wunderbar geeignet als Spiel- und Streifraum für abenteuerlustige Kinder, auch zum Pflücken wilder Blumensträuße und zum Sammeln von Wildgemüse“, so Poppendieck, der sich für Begegnungen mit der Natur stark macht. Noch im Frühjahr empfahl er diese kleine Wildnis „zum genussvollen Eintauchen in die städtische Artenvielfalt“: Hier könnten Eingeweihte seltene Erdflechten oder auch Libellen studieren – am schönsten im Spätsommer. „Die städtischen Wildnisse sind vielfältig und spannend. Es geht darum, sie wahrzunehmen und ihren Wert zu erkennen.“ so schreibt er in seinem 25 Seiten zählenden Papier „Wildnis in Hamburg“. Wie es mit der Fläche weitergeht, bleibt abzuwarten. Bis dahin wird sie weiter „gepflegt“. (wh)
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