Wohnungsbau Hamburg: Rundes Eck kommt weg

Anzeige
Bis 31. Januar 2014 müssen alle Mieter aus dem Flachbau raus

Ladenzeile muss Neubau weichen. „Viertel verliert seine Seele“

Von Klaus Schlichtmann
Winterhude. Sie wusste, dass dieser Brief vom Vermieter kommen würde, früher oder später. Er kam später als erwartet, und doch schlug es Inken Rohr (54) aufs Gemüt, als ihr in dem Schreiben mitgeteilt wurde, dass sie ihr 70 Quadratmeter großes Atelier an der Gertigstraße 63 nun endgültig bis zum 31. Januar räumen muss. Dann kommen die Abrissbagger ...
Aus für das sogenannte „Runde Eck“ an der Gertigstraße/Ecke.
Barmbeker Straße in Winterhude. Sieben Ladenbetreiber – neben der Malerin Inken Rohr trifft es die Inhaber einer Cocktail-Bar, eines Antiquitätengeschäfts, einer Spielhalle, einer Baby- und Kinder-Boutique, eines Event-Lokals sowie eines Croque-Imbiß - müssen das Feld bis Ende Januar räumen, denn der halbrunde Flachdach-Pavillion aus der Nachkriegszeit muß einem Neubau weichen.
„Sicher, ich wusste schon lange, dass ich mein Atelier in dieser schönen und zentralen Lage nur auf Zeit und mit monatlicher Kündigungsfrist betreiben konnte“, sagt die Künstlerin. Das klingt wehmütig, wohl auch wegen der niedrigen Miete von gerade mal 500 Euro monatlich. Inken Rohr: Im Erdgeschoss des Neubaues werden zwar auch Geschäftsräume entstehen, aber das werde ich mir nicht leisten können.“ Von Gentrifizierung spricht die Malerin in diesem Zusammenhang, „alles wird schick und teuer gemacht, aber die Seele dieses Viertels geht verloren!“
Tatsächlich ist in diesem Quartier in letzter Zeit einiges passiert. Nur einen Steinwurf entfernt, im Bereich Knickweg/Geibelstraße, entstehen gerade 120 hochwertige Wohnungen und 20 großzügige Stadthäuser auf engsten Raum - einige sind bereits bezogen. Den Plan, auf dem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück einen Neubau zu errichten, gibt es schon seit Jahren. Im Januar nun soll das Baugenehmigungs-Verfahren für diese sogenannte „Blockrandbebauung“ abgeschlossen sein.
Die Bauarbeiten für den fünf- bis sechssgeschossigen Neubau mit 38 komfortablen Wohnungen, Geschäften und einer doppelstöckigen Tiefgarage könnten dann zügig beginnen, die Fertigstellung ist für Mitte 2015 vorgesehen. Der bestehende, rückwärtige Spielplatz ist in die Planung eingeschlossen und bleibt erhalten. Die Zeit drängt, denn Inken Rohr hat für ihr „Bildwerk“-Atelier im Gegensatz zum benachbarten Croque-Wirtspaar Baiba (35) und Yasha (48) - sie ziehen in die nahegelegene Weidestraße - noch keinen Ersatz gefunden. „Ich würde ja gerne in Winterhude bleiben, aber hier werde ich wohl keinen erschwinglichen Laden finden.“ Am liebsten wäre ihr zunächst eine kleine Lösung, „eine kleine Verkaufs- und Präsentationsfläche als Shop im Shop, das würde mir schon reichen“.
Den Großteil ihrer Bilder, überwiegend maritime Hamburg-Motive in Acryl, wird sie wohl erst einmal einlagern. Oder besser noch, wie sie sagt: in den kommenden Wochen bis Ende Januar mit erheblichen Preisnachlässen verkaufen. (ks)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige