Angeklagte hofft auf ein Wiedersehen nach Heilung

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Kranke Mutter stößt Sohn vor die U-Bahn. Reue im Gerichtssaal

Hamburg-Hoheluft Sie hörte Stimmen, die ihr diese Tat befahlen. So passierte es an der Haltestelle Hoheluft. Am Sonntag, 18. Oktober des vergangenen Jahres, stieß Jana L. um 14.33 Uhr ihren Sohn Leon vor die U-Bahn. Der Elfjährige wurde zwischen zwei Waggons eingeklemmt, verlor seinen linken Fuß. Mehrere Menschen, die den Vorfall beobachteten, erlitten einen Schock. Jetzt muss sich die 31-jährige Täterin, die an paranoider Schizophrenie leidet, vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Versuchter Mord, Misshandlung eines Schutzbefohlenen und schwere Körperverletzung, so lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die kleine blonde Frau. Ins Gefängnis muss die Angeklagte vermutlich nicht. Bei der Verhandlung vor der Großen Strafkammer 1a handelt es sich um ein Unterbringungsverfahren. Jana L. muss mit der Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus rechnen, aus dem sie erst entlassen wird, wenn sie vollständig von ihrer Krankheit geheilt ist. Wie konnte so eine Tat geschehen? In einer Erklärung der Anwältin von Jana L. heißt es dazu: „Frau L. leidet seit ihrer Jugend an einer paranoiden Schizophrenie mit Wahnvorstellungen und Stimmenhören. In diesem Krankheitszustand, in dem sie befehlende Stimmen gehört hat, ist es zu dem tragischen Unglück gekommen. Zuvor hatte sie ihre Medikamente weggelassen. Sie hat gedacht, dass sie es ohne die Medikation schafft. Sie wird sich das niemals verzeihen!“

Komplizierte Bergung


Jana L. stammt aus dem Landkreis Wesermarsch (Niedersachsen) bei Bremerhaven. Ihr Sohn, der jetzt eine Beinprothese tragen muss, lebt dort bei seinen Großeltern. Während er seine Mutter in Hamburg besuchte, passierte der schreckliche Vorfall. Nach der Tat blieb die Strecke der Linie U3 bis zum frühen Abend gesperrt. Die Bergungsarbeiten waren schwierig. Um zu dem Kind zu gelangen, mussten Einsatzkräfte der Feuerwehr die Waggons auseinander schieben. Die Mutter erklärte zu Prozessbeginn: „Ich würde Leon gerne sehen, ihn um Verzeihung bitten und das Geschehene mit ihm aufarbeiten. Ob ich die Chance hierzu bekomme, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob er das will. Wenn er es will, wäre ich unendlich dankbar. Ich kann durch nichts ausdrücken, wie fürchterlich ich das Geschehen finde. “

Urteil am 30. Mai


Der Prozess findet bis zur Urteilsverkündung (voraussichtlich am 30. Mai) unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. (je)
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