Mordprozess wieder aufgerollt

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In diesem Haus an der Erikastraße erschlug und erstach Fritz H.-B. vor zwei Jahren seinen Mieter Foto: Arning/wb

Eppendorfer Hausbesitzer schlug und stach auf Mieter ein

Von Martin Jenssen
Neustadt/Eppendorf
Seit vier Jahren lagen sich Hausbesitzer Fritz H.-B. (66) und sein Mieter Jürgen W. (71) wegen einer Mieterhöhung in den Haaren. Es war schließlich das Wort „Wurzelzwerg“, das am Morgen des 12. Februar 2014 bei Fritz H.-B. einen wahnsinnigen Wutanfall auslöste. „Wurzelzwerg“, soll Jürgen W. gesagt haben, als er gegen 7.20 Uhr im Hausflur der blauen Jugendstilvilla in der Erikastraße auf den Hausbesitzer traf. Der Hausbesitzer versetzte dem Mieter einen Schlag ins Gesicht. Jürgen W. stürzte und lag mit schmerzverzerrtem Gesicht im Hausflur. Fritz H.-B. deutete den Gesichtsausdruck als „freches Grinsen“. Das ließ ihn völlig durchdrehen. Er holte aus seiner Wohnung einen Zimmermannshammer und ein Brotmesser. Mit dem Hammer zertrümmerte er das Gesicht seines Mieters, dann versetzte er ihm Stiche mit dem Brotmesser in Hals und Herz. Jürgen W. starb im Hausflur. Im Dezember 2014 war Fritz H.-B. für diese Tat von einer großen Strafkammer des Hamburger Landgerichts wegen Totschlags zu acht Jahren
Gefängnis und zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verurteilt worden. Da Staatsanwaltschaft und ein Nebenkläger mit Erfolg Revision gegen das Urteil einlegten, muss der Fall nun erneut vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts verhandelt werden. Es geht um die Schuldfähigkeit des Angeklagten und die Frage: War es Totschlag oder Mord?

Lebenslange Haft möglich


In dem Urteil im Dezember war das Hamburger Landgericht davon ausgegangen, dass Mieter Jürgen W. vor seinem Vermieter gewarnt war. Der hatte ihn schon einmal krankenhausreif geschlagen und mit einer Axt bedroht. Seitdem hatte Jürgen W. ständig ein Notfallhandy und Pfefferspray dabei. Trotz dieser Gegenmittel, so befand das Oberlandesgericht, war eine Arglosigkeit beim Opfer nicht ausgeschlossen. Sollte in der Revisionsverhandlung außerdem festgestellt werden, dass der Angeklagte trotz seiner „wahnhaften Gedankengebilde“ während der Tat schuldfähig war, ist eine Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen Mordes nicht ausgeschlossen. Nach der Tat hatte der Hausbesitzer bei den anderen Mietern des Hauses geklingelt und sie gebeten, das Haus vorerst nicht zu verlassen. Zu einer Mieterin soll er, so hatte sie es verstanden, gesagt haben: „Es ist ist etwas Schönes passiert!“ Die Polizei, von den Mietern gerufen, fragte Fritz H.-B. an der Haustür nach Jürgen W.. „Weiß nicht, wo der ist“, soll er zunächst geantwortet haben. Als eine Polizistin in einem Erker das mit einem grauen Tuch bedeckte Opfer entdeckte, sagte er: „Ach, da ist er ja.“ Der Prozess wird fortgesetzt.
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