Ein richtige Floh-Kino

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In dem kleinen Gebäude, in dem in den 1930er Jahren die Wäscherei Dunkelmann ihr Geschäft hatte, wurde 1911 das Union-Kino eröffnet. Foto: Film- und Fernsehmuseum Hamburg

Das Union: Eppendorfs erstes Kino

Eppendorf. Wenig ist bekannt über Eppendorfs erstes Kino. In der Eppendorfer Landstraße 26, dort wo sich heute ein nüchtern-modernes Gebäude mit Ladengeschäft im Erdgeschoss befindet, wurde es 1911 in einem kleinen Gebäude, eingeklemmt zwischen zwei für die Landstraße typischen großen Etagenhäusern eröffnet. Spätestens seit 1913 hieß es Union-Kino und gehörte damit vermutlich zum Kinoimperium des ostpreußischen Kaufmannssohn Paul Davidson, der in Deutschland 56 Lichtspielhäuser betrieb und einer der Wegbereiter der UfA war.
Klein und eng wars im Union-Kino, einem richtigen Floh-Kino, das am 31. Dezember 1910 für 146 Zuchauer zugelassen wurde. Der Saal war 6.50 Meter breit und 15,50 Meter lang. Der Projektionsraum maß gar nur 2,90 mal 3 Meter. „Gleich neben der Pendel-Eimngangstür befand sich die Kasse, direkt daneben die Leinwand und nur 1,39 Meter weiter die erste von insgesamt 18 Stuhlreihen“, schreiben Hamburgs erste Kinohistoriker Volker Reissmann und Heiner Ross über Eppendorfs erstes Kino (Hamburg Flimmern, Heft 12, 2005).
Eröffnen wollte das Kino der in der Kremper Straße wohnhafte Zahntechniker Julius Karl Wilhelm Abel. Er stellte am 24. Februar 1910 einen Antrag auf Einrichtung eines Lokals „zur Vorführung kinematographischer Bilder“. Vorgeschrieben wurden „unverrückbar mit dem Fußboden verbundene Klappsitzplätze, die je mindestens 50 cm Sitzbreite und 80 cm Abstand von Lehne zu Lehne“ haben mussten. Doch noch vor der Eröffnung seines Kinos starb Abel im September desselben Jahres. Seine Witwe Amanda führte das Werk ihres Mannes fort und beantragte 1912, Kindervorstellungen zeigen zu dürfen. Sehr viel mehr ist über Eppendorfs erster Kino nicht bekannt. 1916 existierte es noch. 1927 wird im Hamburger Adressbuch in der Eppendorfer Landstraße 26 bereits eine Tischlerei verzeichnet und ein Foto aus den 1930er Jahren zeigt hier die Wäscherei Dunkelmann. Im Zweiten Weltkrieg verschwand auch das Gebäude. Es wurde in den Bombennächten zerstört.
Für die Kinohistoriker Reissmann und Ross war das Union-Kino ein für die damalige Zeit typisches Ladenkino, „exemplarisch für die ersten ortsfesten Kinos in den 1900er und 1910er Jahren“.
Auch wenn das Union-Kino längst verschwunden ist, einige Filme, die dort gezeigt wurden, sind erhalten geblieben. Heiner Ross entdeckte sie zufällig bei dem Enkel des Kinogründers, der auch in Eppendorf wohnte. (ch)
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