Hamburg: „Ich lobe viel“

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Denis Scheck (49) Foto: wb

Kritiker Denis Scheck beim Harbourfront Festival

Hamburg. Wenn am 10. September das Literaturfestival Harbourfront startet, werden 54 Autoren der Hansestadt bis 7. Oktober die Ehre geben. Einer, der besonders pointiert und sachkundig die Literaturszene beobachtet, ist Kritiker Denis Scheck (49). Der Literaturwissenschaftler und Übersetzer, bekannt aus der ARD-Sendung „Druckfrisch“, wird am 21. September eine Matinee mit Martin Walser anlässlich der Verleihung des Kühne-Preises für den besten Literatur-Debütanten moderieren.

Zum Wochenblatt sagte Scheck ...

- ...über seine Sendung „Druckfrisch“: „Das elaborierteste Heimvideo der Republik. Ich lese alle Bücher, die ich rezensiere, das sind etwa drei bis vier Exemplare pro Woche. Ich lobe viel mehr als ich verreiße. Wer einen anderen Eindruck gewinnt, erliegt dem Phänomen, dass der Verriss stärker im Gedächtnis haftet.“
- über aktuelle Fernsehserien:
„Sopranos und Game of Thrones sind sehenswert.“
- über Martin Walser: „Ich habe ihn schon öfter getroffen. Noch trägt das Eis. Ob ich auf Altersmilde seinerseits hoffe? Nein, eher umgekehrt.“
- über Nachwuchs im Literaturbetrieb: „Eher gibt es einen grassierenden Altersrassismus, der versucht auszugrenzen.
Wer sagt, man habe nun genug über Christa Wolff, Grass oder andere gesprochen, der hat Literatur nicht verstanden. Dabei gibt es auch zahlreiche junge Autoren, die beachtlich sind. Ich habe kürzlich Olga Grjasnowa gesprochen. Sie ist 29 und hat jetzt ihren zweiten Roman vorgelegt. Herausragend ist auch Thomas Hettches „Pfaueninsel“. Oder der Wenderoman „Kruso“ von Lutz Seiler bei Suhrkamp.“
-über Literaturfestivals wie das Harbourfront: „Als der Trend zu Festivals und Lesungen sich stark entwickelte, gab es die Befürchtung, dass durch viele öffentliche Auftritte das ,Heilige’ der Literatur beschädigt werden würde. Ich glaube das nicht. Eher wird ihr die Ehre erwiesen, dass sie einen Platz in der Welt hat.
- Literatur, Lyrik ist wichtig für unser Seelenheil. Insofern hat ein Festival wie das Harbourfront Hinweischarakter, es kann und soll ja das Lesen nicht ersetzen. Gelesen wird dann zuhause.“
- über seiner Begeisterung für Donald-Duck-Comics von Carl Barks, die er schon als Kind in der Übersetzung der legendären Erika Fuchs gelesen hat: „Ich bin kein Donaldist, aber es macht mich schon stolz, dass mich Erika Fuchs, die offensichtlich an meinen Übersetzungen Gefallen gefunden hatte, in ihren Geschichten zwei Mal verewigt hat. So geht Donald Duck in einer Geschichte in den Spielwarenhandel Scheck und fragt, was der gute Scheck auf Lager hat.“ www.harbourfront-hamburg.com (sta)
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