Italienisch für Hinhörer in Hamburg

Anzeige
Geige, Hackbrett, Flöte, Gitarre, Laute: Angelo Branduardi beherrscht zahlreiche Instrumente. Am Paganini-Konservatorium in Genua erwarb er das Violindiplom Fotos:wb

Angelo Branduardi im WochenBlatt-Interview über Musik, Hobbys und den Papst

Hamburg. Wie bleibt man sich als Musiker treu und erfindet sich trotzdem immer wieder neu? Der Italiener Angelo Branduardi, 63, beantwortet diese Frage seit vier Jahrzehnten zur Begeisterung seiner Fans. Balladen, Irish Folk oder Spirituelles: Branduardi („Cogli la prima mela“) ist ein Virtuose des Bodenständigen. Am 21. Januar 2014 gibt der Mann mit den – inzwischen ergrauten – Locken und der Al-Dente-Stimme in der St. Petri-Kirche ein Konzert (Karten für 39.90 Euro unter www.
tourneen.de und Tel. 01806/999 000 200/ 20 Ct./Anruf aus dem Festnetz). Das Wochenblatt sprach mit ihm über den Papst, Kirchen und „dolce far niente“.

Wochenblatt: Stimmt es, dass Sie ein bisschen Deutsch sprechen?
Angelo Branduardi: Ja, aber nur etwas Gastarbeiter-Deutsch, ein kleines bisschen... (ab hier wurde das Interview auf Englisch weitergeführt, Anm. der Red.)

WB: Aber vermutlich sprechen Sie mehr Deutsch als viele Menschen Italienisch, die Ihre Lieder hören. Ist das ein Problem?
Branduardi: Wenn es ein Problem ist, betrifft das am ehesten Aufnahmen wie CD’s. Im Konzert ist das Publikum ganz nah, es erlebt meine Musik: Fühlen ist mehr als Verstehen, Gefühle sind größer als Argumente.

WB: Ihre Tournee führt Sie durch Kirchen in großen deutschen Städten. Wie kamen Sie darauf?
Branduardi: Die Idee ist schon zehn Jahre alt. Mit dem Album über den Heiligen Franziskus, La Lauda di Francesco, habe ich in großen Kirchen Europas gespielt, zum Beispiel im Mailänder Dom oder auch im Vatikan. Es war wundervoll! Die Atmosphäre ist unglaublich.

WB: Die Hamburger Kirchen sind protestantisch, die meisten eher streng, nicht opulent wie die katholischen...
Branduardi: Nicht der Prunk ist wichtig, es geht um den Ort des Glaubens. Die Präsenz des Göttlichen ist das Besondere, egal ob in Moschee oder Kirche.

WB: Was halten Sie von Papst Franziskus?
Branduardi: Er macht einen sehr guten Job, in sehr kraftvoller Weise. Was er macht? Aufräumen! In der Vatikan-Bank und anderswo. Franziskus ist ein Jesuit. Jesuiten reden nicht viel, aber sie sind die Kämpfer.

WB: Worum geht es in Ihrem neuen Album „Il rovo e la Rosa“?
Branduardi: Um den Zusammenhang von Liebe und Tod. Es ist ein Thema, das schon die Griechen der Antike beschäftigt hat, Eros und Thanatos.

WB: Sie sind zuletzt 2009 in Hamburg aufgetreten. Welche Erinnerungen verbinden Sie damit?
Branduardi: Oh, ja, das war ein Konzert in der Musikhalle! Sehr schön war das! Mir gefällt Hamburg, und die Menschen hier mögen meine Musik sehr.

WB: Sie sind sehr produktiv. Pflegen Sie nie das „dolce far niente“, das süße Nichtstun?
Branduardi: Oh, doch, sehr gerne, mit meinen Hunden oder ich fahre mit meinem Segelboot raus. Ich wohne ja direkt am Lago Maggiore, genieße den See und den Blick auf die Berge. (sta)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige