Sechs Kantaten auf einen Streich in Hamburg

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Verkündigung mit den Mitteln der Musik. Julia Götting, die Kantorin der Ansgarkirche, lässt am 3. Adventssonntag Johann Sebastian Bach „musikalisch predigen“ Foto: Krause

Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium in der Ansgarkirche - mit Imbiss zum Durchhalten...

Hamburg. Einst warnte Albert Schweitzer davor, das ganze Bach’sche Weihnachts-Oratorium an einem Abend aufzuführen, da ansonsten „der ermüdete Hörer die Schönheiten des zweiten Teils nicht mehr zu fassen vermag“. Der Urwaldarzt, Bachkenner und Friedensnobelpreisträger hat bei seiner Empfehlung nicht mit der Findigkeit von Julia Götting, der jungen Kirchenmusikerin der Ansgarkirche, gerechnet. „Nachdem ich mehrere Male Bachs Weihnachtsoratorium ‚gemacht‘ habe“, so Götting, „aber immer die Kantaten 1-3 oder einmal auch 1, 3, 6, war ich nun der Ansicht, man könnte – wie im Michel – alle Kantaten an einem Abend erklingen lassen. Das dauert auch nicht länger als die Matthäus-Passion und es ist für den Chor eine Herausforderung. Gegen die mögliche Ermüdung der Zuhörer gibt es eine Pause. Wer im Vorverkauf einen Verzehrgutschein erworben hat, kann bei einem Imbiss neue Kraft tanken!“ So stehen nun an einem Abend alle sechs Kantaten des wohl bekanntesten Werks Bachs auf dem Programm. Im letzten Teil „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“, das die königliche Würde des göttlichen Kindes in den Mittelpunkt stellt, setzt Bach mit drei Trompeten und Pauken zum Abschluss nochmals die Instrumente ein, die Herrschern – zumal dem Höchsten zustehen. Das Weihnachtsoratorium ist eine klingende Predigt die anrührt und mitreißt.
Bach führte sein Oratorium am 25., 26., 27. Dezember und am 1. Januar, am ersten Sonntag im neuen Jahr und am Fest Epiphanie, am 6. Januar 1734 / 1735 auf.
„Es stört mich zwar, das Stück vor Weihnachten anzubieten“, räumt Julia Götting ein, „aber ich habe einmal ein Weihnachtsoratorium nach Weihnachten aufgeführt. Die Folge war, dass mir die Zuhörer weg blieben. Der ursprüngliche Gedanke, die Feste von den Festen weg zu feiern und nicht auf die Feste hin, ist ja auch in der Kirche bei solchen Dingen immer schwerer zu halten.“ (fjk)

Sonntag, 15. Dezember, 17 Uhr und 19:30 Uhr, ev.-luth. Ansgar-Kirche J. S. Bach: Weihnachtsoratorium, Teile I-III und IV-VI. Eintritt: 15,- / 13,- € (Teile I-III oder IV-VI), 25,- / 23,- € (Teile I-VI) Beim Kauf der Karten für beide Konzerte kann für die Pause zwischen beiden Konzerten ein Verzehrgutschein im Wert von 5,- € im Vorverkauf dazu erworben werden.
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