Asylpläne heiß diskutiert

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Eigentlich eine ruhige Ecke, wenn Flughafen und B 433 nicht wären. Jetzt sollen im Jugendpark 220 Asylsuchende untergebracht werden Foto Krause
 
Michael Elsner (51)
 
Silke Harders (52)

Jugendpark-Anlieger: Infos nur durch eigene Nachforschung erhalten

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn. Hamburgs Behörden planen, wie berichtet, den Jugendpark für Asylsuchende zu nutzen. Anlieger bemängeln, dass nicht vorab mit ihnen Gespräche geführt wurden, sondern sie erst auf Gerüchte hin eigene Nachforschungen anstellen mussten, um Aufklärung zu erhalten. Das WochenBlatt gibt den Überblick zum Stand in Langenhorn:

Die Anwohner

Durch Gerüchte aufmerksam geworden, suchten Anwohner den Kontakt zum SPD-Bezirksabgeordneten Gulfam Malik. Durch seine Vermittlung kam es sehr kurzfristig zu zwei Gesprächsrunden mit Bezirksamtsleiter Harald Rösler. Das den Gerüchten zugrunde liegende Szenario wurde in weiten Teilen bestätigt. Was Anwohner bemängeln: „Wir wurden – wie schon bei der seinerzeitigen Nutzungsumwidmung des ‚Rosenhofs‘– nicht im Vorhinein über die Pläne von Verwaltung und Politik informiert, geschweige denn konsultiert.“ Hier zwei beispielhafte Kritiken:
Silke Harders (52)
„Wenn ich nicht Gerüchte aufgegriffen und letztlich mit Gulfam Malik Kontakt aufgenommen hätte, dann wüssten wir wohl heute noch nichts über die Pläne. So ist man mit uns Anwohnern schon bei der Umwidmung des ‚Rosenhofs‘ verfahren. Auch wenn man Proteste befürchtet – so darf man mit Bürgern nicht umgehen. Mit den Gästen des Jugendparks, die hier nur geschlafen haben und ansonsten in die Innenstadt wollten, war das Quartier kaum belastet. Die von der Behörde geplanten neuen Nutzer, die vermutlich ständig wechseln werden, bringen eine ganz andere Belastung für das Wohnumfeld.“


Michael Elsner (51)
„Ich bin Vorstandsmitglied des ‚Vereins für Deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Hamburg – rechtes Alsterufer‘ und Anwohner. Unsere 180 Mitglieder nutzen hier rund 5.000 m2, um ihre Hunde auszubilden – Rettungshunde und Suchhunde werden hier geschult. In unserer Geschichte mussten wir schon öfter umziehen. Wir fragen uns, ob unser Pachtgelände in die behördlichen Planungen mit einbezogen ist. Die Stadt belegt uns, da am Naturschutzgebiet, mit etlichen Auflagen. Und nun plötzlich 220 Dauerbewohner im gleichen Umfeld? Wir brauchen Sicherheit – für unsere Planung und für unsere Mitglieder.“

Der Verein

Mit dem heute überwiegend von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens getragenen Verein Hamburger Jugendpark Langenhorn fand sich ein Träger, der den Jugendpark zu einer mit Jugendherbergen vergleichbaren Begegnungsstätte entwickelte. In Spitzenzeiten bot man 250 Betten an und zählte bis zu 40.000 Übernachtungen im Jahr. Allerdings stellte sich die dezentrale Lage zunehmend als Problem heraus. Der Verein mit seinen zehn Mitarbeitern geriet im 2. Halbjahr 2012 in wirtschaftliche Schieflage. Die Beherbergung von ca. 100 Sinti und Roma im Winter 2012 /2013 half – wie in diesem Jahr der Evangelische Kirchentag auch – kurzfristig aus der wirtschaftlichen Schieflage und sicherte die Arbeitsplätze. Eine Perspektive für den Betrieb des Jugendparks gibt es nicht.

Der Beschluss

Unter dem Vorsitz von Günter Schwarz, dem früherer Ortsamtsleiter Fuhlsbüttel, hat der Vorstand beschlossen, den Verein Jugendpark zum 31. Oktober 2013 aufzulösen und die Geschäftstätigkeit einzustellen. Auf der Internetseite des Vereins findet sich nun der Hinweis: „Leider werden wir zum Ende des Jahres schließen. Reservierungen nehmen wir nicht mehr entgegen.“ Vorhergegangen waren intensive behördenübergreifende Gespräche mit dem Ziel, für die Mitarbeiter die Arbeitsplätze zu sichern und Gelände und Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen.

Das Problem

Bedingt durch die weltweiten politischen Verwerfungen verlassen immer mehr Menschen ihr Heimatland. Besonders in den Staaten der Europäischen Gemeinschaft hoffen sie auf Schutz und Sicherheit. Auch in Deutschland. Nicht nur aus Gründen der Humanität, sondern auch aufgrund verbindlicher internationaler Vereinbarungen haben Flüchtlinge ein Recht auf Unterbringung in Deutschland. Die Verteilung über die Bundesländer ist verbindlich geregelt

Hamburg und
der Bezirk Nord

Nachdem um 1990 für die damals dramatisch angestiegene Zahl von Asylbewerbern Wohnübergangslösungen geschaffen worden waren, erfolgte im Laufe der Jahre ein kontinuierlicher Rückbau dieser temporären Wohnangebote. Gleichzeitig stieg durch Zuzug die Nachfrage nach ‚bezahlbarem Wohnraum‘ in der Stadt. Die nun wieder stark gestiegene Zahl der Asylsuchenden trifft auf diese Konstellation. Nach Aussagen von Harald Rösler ist der Bezirk Nord zurzeit führend in der Beherbergung von Asylsuchenden. An der Sportallee, der Zentralen Erstaufnahme für Asylsuchende ganz Hamburgs, wird versucht, mit der Aufstellung von Zelten kurzfristige Unterkunft zu schaffen. Besonders für die Unterbringung von Familien mit Kindern scheint – nach gewissen baulichen Veränderungen – der Standort Jugendpark geeignet zu sein.

Das Areal

Heute umschlossen von Krohnstieg, Zeppelinstraße / B 433 und Westerrode / Wrangelkoppel, liegen das Naturschutzgebiet Rothsteinsmoor und das Gelände des Jugendparks am Rande des Flughafens. Seit 1914 wurde hier – besonders durch Berufsschulen – „Jugendpflege“ betrieben. Nach Nutzung durch SA, HJ und „Schulschutz“ in der NS-Zeit, suchte die Stadt als Eignerin von Land und Gebäuden nach einem neuen Nutzungskonzept.

Die Süderschule

Früher bereits als Unterkunft für Asylbewerber genutzt, war sie zuletzt als möglicher Standort eines privaten Gymnasiums im Gespräch. Nach eingehender Untersuchung durch vom Trägerverein der Schule beauftragte Baufachleute ist eine schulische Nutzung ohne einen zweistelligen, zeitintensiven Bauaufwand ausgeschlossen. Das gilt sinngemäß auch für andere Nutzungen. Als Asylunterkunft scheidet die Süderschule definitiv aus.

Der Plan

Da Areal und Bauten des Jugendparks ohnehin der Stadt gehören, liegt es nahe, sie einerseits vor Verfall zu schützen und andererseits im öffentlichen Interesse zu nutzen. „Fördern und Wohnen“, in Hamburg auch für die Unterbringung von Asylsuchenden zuständig, übernimmt die Einrichtung und bringt dort maximal 220 Menschen unter, die bereits zirka drei Monate in Deutschland leben. Vorrangig Familien mit Kindern. Zu diesem Zweck werden familiengerechte Umbauten vorgenommen bzw. bauliche Ergänzungen geschaffen. Die entsprechende Nutzung soll auf fünf Jahre mit einer Verlängerungsoption von weiteren fünf Jahren erfolgen. In einem Anhörverfahren – vermutlich im September – wird sich die Bezirksversammlung Nord mit dem Plan beschäftigen. Alle Bürger sollen bei einer Info-Veranstaltung ins Bild gesetzt werden.

Die Fachbehörden

Neben etlichen Fachbehörden sind es die Polizei und die Schulbehörde, die den Plan in seiner möglichen Auswirkung bewertet haben. Die monatelange Unterbringung von Sinti und Roma im Winter 2012 / 2013 habe, so Gerald Schmiedeberg, der Leiter von PK 34, keine polizeirelevanten Veränderungen im Wohnumfeld erbracht. Gleiches gelte für die schon länger praktizierte Unterbringung von zirka 30 minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen im angrenzenden ‚Rosenhof‘. Daher wird bei Umsetzung des Plans grundsätzlich keine Umkehr der Sicherheitslage erwartet. Die Grundschule am Krohnstieg ist in ihrer Existenz von einer ausreichenden Schülerzahl abhängig. Sollte der Plan zu einem vermehrten Schüleraufkommen mit überproportionalem Förderbedarf führen, will die Schulbehörde dem in der Personalausstattung der Schule Rechnung tragen.
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