Auf gute Nachbarschaft! - Wiesendamm und Goldbekweg feiern ihren Hausmeister

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Dank und Glückwünsche: Bewohner beim Sektfrühstück für Hausmeister Jürgen Ridder. Foto: Haas
 
Anke und Jürgen Ridder wohnen gerne am Arbeitsplatz des Hausmeisters. Fotos: Haas
Winterhude. Der launische April konnte ihrer Stimmung nichts anhaben. Am vergangenen Sonntag kamen 40 Nachbarn zum Sektfrühstück mit Jürgen Ridder in den grünen Innenhof. Denn seit 25 Jahren ist er ihr Hausmeister, wohnt auch hier mit Frau Anke und zwei Kindern. Man kennt sich; viele sind per Du, klönen miteinander im Treppenhaus oder treffen sich öfter auf eine Tasse Kaffee. Sie feiern gemeinsam Geburtstage, Advent oder Silvester. Und mehr noch: Unter den Anwohnern des Gebäude-Ensembles zwischen Wiesendamm 128-148 und Goldbekweg herscht ein herzliches Miteinander – und zwar seit Jahrzehnten. Gut sichtbar am Sektfrühstück für den Hausmeister Ridder zum Dienst-Jubiläum. Oder als sie vor knapp zwei Jahren spontan eine Abschiedsfeier organisierten: Ein Dank für Briefträger Bernd Harmann, weil er ihnen über fast vier Jahrzehnte nicht nur die Post brachte, sondern ganz Ohr war für Sorgen und Nöte und aushalf, wo er konnte.
„Wer hier wohnt, bleibt meistens gerne.“ weiß der beliebte Hausmeister, der jederzeit erreichbar ist. Die Mieten sind bezahlbar, keine Selbstverständlichkeit in Winterhude, wo frühere Arbeiterquartiere immer mehr zu „Luxusquartieren“ oder Eigentumswohnungen veredelt werden. So zog Manuela Moritz mit ihrem Mann schon vor 31 Jahren hier ein und blieb, auch wegen der netten Nachbarn. Und Übersetzerin Vera Carius wohnt gerne hier, seit 28 Jahren. Sie hat zwar nicht zu allen engen Kontakt. „Aber wenn die Hütte brennt, ist auf sie Verlass.“ Nach der Renovierung ihrer Wohnung lud sie Mitbewohner auf ein Gläschen ein. Der freundschaftliche Kontakt blieb. Das gute Gefühl bestätigt Agata Weindock, erst seit einem Jahr hier ansässig. Doch sie fühlte sich gleich angenommen von ihren Nachbarn. „Diese lebendige Gemeinschaft ist vielleicht der Gegentrend – zum Klischee vom anonymen Wohnen vieler Singles in der Großstadt.“ schwärmt die 45-Jährige.
Wohl am längsten wohnt hier Monika Möller (66). Mit Eltern und Geschwistern zog sie 1954 ein. Nach der Hochzeit übernahm sie mit ihrem Mann die elterliche Wohnung am Wiesendamm. „Viele der Älteren sind inzwischen gestorben.“ sagt Monika Möller nachdenklich, aber auch mit neuen Anwohnern versteht sie sich gut. Nachbarn aus Vietnam, Polen oder Uganda sind seit Jahren mit von der Partie. „Bei uns werden auch Nicht-Hamburger gut integriert.“ stellt Fritz Schult zufrieden fest. Das hat auch Dieter Garling erfahren, der vor fünf Jahren auch einzog. Zuvor war der ambulante Altenpfleger hier 22 Jahre lang berufstätig.Ebenso fühlen sich Norbert Schüßler und seine Frau Ingeborg wohl in diesem Quartier. Die erwachsene Tochter wohnt inzwischen gleich um die Ecke. „Selbst wenn ich im Lotto gewinnen würde und in eine Villa ziehen könnte: Das ginge nicht – ohne meine Nachbarn.“ meint der Opernsänger und Gesangslehrer. Unter den Konzertgästen seines Ensembles „Viererlei“ im Epiphanias-Gemeindesaal kürzlich: zahlreiche Nachbarn. Zwar herrsche nicht immer einträchtige Idylle, vor allem nachts, weil die Wohnungen etwas hellhörig seien. Aber wer sich gut kennt, könne auch Konflikte leichter und friedfertiger bewältigen, sagen alle. Selbst der „Flurfunk“ hat seine guten Seiten. Man weiß, wer krank ist, wo Hilfe gebraucht wird und organisiert dann Botengänge oder auch Fahrdienste zum Arzt. Und mit aufmerksamen Nachbarn lässt sich auch Schlimmeres verhindern: Den Zimmerbrand etwa, als ein älteres Paar den Gulaschtopf auf der angeschalteten Herdplatte vergaß. Oder den Schwelbrand im ausgetrockneten Blumenkasten, entzündet durch eine glimmende Zigarettenkippe.
Was ist das Rezept der Nachbarn für ein harmonisches Miteinander? „Offen auf die Menschen zugehen.“ empfiehlt Monika Möller. „Am besten stellt man sich gleich beim Einzug seinen Mitbewohnern vor.“ ergänzt Manuela Moritz. „Es liegt auch an einem selber, ob man gute Nachbarn hat.“ sinniert Dieter Garling. „Denn wer sich zugänglich zeigt, lernt seine Mitbewohner richtig kennen.“ (wh)
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