Aufregung um kleinen Park

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Der neu gestaltete Park am Beginn der Tangstedter Landstraße wird bereits gut angenommen. Nun wird er nach dem Mann benannt, der seinerzeit den Anstroß zur Anlage gegeben hatte: Franz Röttel. Foto: Biehl

Benennung nach Franz Röttel erst nach bizarrer Debatte

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Mit der Mehrheit der SPD/FDP-Koalition hat die Bezirksversammlung Nord (BV) am vergangenen Donnerstag beschlossen, den kleinen Park am Dorfteich am Beginn der Tangstedter Landstraße nach seinem „Erfinder“, dem früheren SPD-Kommunalpolitiker Franz Röttel (1921-2004), zu benennen. Den Antrag hatte die SPD gestellt, weil „wir von vielen Langenhornern darauf angesprochen worden sind“, so der Abgeordnete Gulfam Malik. Zu Lebzeiten hatte sich Röttel in vielfältiger Weise für die Menschen im Stadtteil eingesetzt, war Träger des Bundesverdienstkreuzes und langjähriger Bezirksabgeordneter (wir berichteten).
Dem Beschluss vorausgegangen war ein parteipolitisches Ränkespiel. Der SPD-Antrag war zunächst im Regionalausschuss eingebracht und von dessen Arbeitsgruppe Namensgebung – hier hat die Opposition die Mehrheit – verworfen worden. Mit ihrer Mehrheit überwies die Koalition den Antrag dennoch in die BV. Dort gab es eine bizarre Debatte, in deren Verlauf die BV-Vorsitzende Dagmar Wiedemann fast zur Ordnungs-Glocke gegriffen hätte. Denn etliche Äußerungen hatten mit parlamentarischem Anstand nur wenig gemein. GAL und Linke bestanden auch noch, als ginge es um das Thema Atomausstieg und nicht um eine Grünfläche, auf namentlicher Abstimmung. „Provinz-
theater“, kodderte Ralf Lindenberg (FDP).
Rachid Messaoudi (Linke) meinte, es gebe wichtigere Probleme in Langenhorn als „die Umbenennung eines Teiches nach irgendeinem Franz Röttel.“ Den kenne in Langenhorn eh „keiner unter 40 Jahren mehr“, glaubt der 37-jährige Ex-Frankfurter, der jetzt in Ohlsdorf lebt. Eine frühere Viehtränke nach dem Bundesverdienstkreuzträger zu benennen, das sei eine Verhöhnung, steigert sich Messaoudi, es sei unglaublich, „dass jemand noch im Grab beleidigt wird.“ Versammlungsleiterin Wiedemann rüffelte Messaoudi: „Das war hart am Rande des Zulässigen.“
GAL-Fraktionschef Michael Werner-Boelz hatte sich sogar eine 22 Jahre alte Legende angelesen, um die Person Röttel madig zu machen. Es ging um ein Grünen-Trauma aus dem Jahr 1990. Damals hatte es in der BV Nord die Hamburg-weit erste zarte Anbahnung einer politischen Zusammenarbeit geben sollen. Anlass: Die SPD hatte ihre damalige Kreisvorsitzende Helgrit Fischer-Menzel als Kandidatin für das Amt der Bezirksamtsleiterin aufgestellt. Für eine Mehrheit brauchte sie allerdings die Stimmen der GAL. Doch Fischer-Menzel fiel bei der Wahl durch. Belegt ist, dass vor der Wahl der SPD-Bezirksabgeordnete Franz Röttel – aber auch mindestens zwei seiner Kollegen – öffentlich erklärt hatten, die schon damals umstrittene Parteilinke Fischer-Menzel nicht wählen zu wollen. Ironischerweise hatte ausgerechnet Bürgermeister Henning Voscherau – als SPD-Rechter ein Gegner der Grünen - die Dissidenten ins Gebet nehmen müssen.
Belegt ist allerdings auch: Nach dem Wahldebakel hatten Röttel und andere „in der Fraktion gelobt, für die eigene Kandidatin gestimmt zu haben“, berichtete zumindest das Hamburger Abendblatt. Dies Detail fehlte 22 Jahre später in den Ausführungen von GAL-Chef Werner-Boelz. Die Wahl der Bezirksamtsleitung war seinerzeit geheim verlaufen. „Ich weiß nicht, wie Franz Röttel abgestimmt hat – und Sie auch nicht“, zürnte SPD-Fraktionschef Thomas Domres folgerichtig in Werner-Boelz‘ Richtung. Es sei „unanständig“, wie hier ein Toter verleumdet werde.“
Die CDU stimmte gegen den Antrag, weil das Votum der Benennungs-AG übergangen worden sei. Der Antrag wurde schließlich mit 27 gegen 24 Stimmen beschlossen.
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