Aus für die „Palette“

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Peter Gurschler vor der Palette in der Erikastraße. Fast 34 Jahre hat er die Kneipe betrieben. Foto: Hanke

Traditionswirt Peter Gurschler muss nach über 30 Jahren aufgeben

Von Christian Hanke
Eppendorf. Peter Gurschler räumt „seine“ Palette aus. Alles kommt raus. Alle, die vorbeikommen, dürfen zugreifen. „Hört ihr auf?“, fragt eine Passantin ganz konsterniert. „Das ist ja schade“, findet ihre Begleiterin. Nicht nur sie sind traurig, dass die letzte „urige“ Eppendorfer Kneipe aus den 1970er Jahren, die Palette in der Erikastraße, kürzlich schließen musste. Peter Gurschler, der die Palette 1978 zusammen mit einem Kompagnon eröffnete, hat Insolvenz angemeldet.
Nicht, weil ihm die Gäste weggelaufen sind. Viele kamen sehr regelmäßig, manche seit Jahrzehnten. Ein neuer Mietvertrag brach Gurschler das Genick. „Ich bin letztes Jahr in Rente gegangen, wollte aber noch ein bis zwei Jahre weitermachen. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand die Palette übernimmt, am liebsten wären mir junge Leute gewesen, die sie so wie bisher geführt hätten“, erzählt Peter Gurschler. Doch neue Interessenten wurden durch horrende Forderungen der Hausverwaltung, einer Erbengemeinschaft, abgeschreckt.
Nicht nur die Kaltmiete wäre auf 30 Euro pro Quadratmeter erheblich erhöht worden. Die Hausbesitzer verlangten die Hälfte der Summe, die neue Pächter der Palette investieren wollten, und noch eine Maklercourtage in Höhe von 12.000 Euro. Als Gurschler wegen Mietkürzungen, die er vorgenommen hatte, weil unter anderem die Heizung nicht mehr orentlich funktionierte, von der Hausverwaltung verklagt wurde, meldete er Insolvenz an.
Mit dem Ende der Palette geht eine Ära in Eppendorf zuende. In Anlehnung an die Palette in der ABC-Straße, einer legendären Kneipe in den 1950er- und 1960er-Jahren, die Schriftsteller Hubert Fichte in einem Roman verewigte, wählten Gurschler und sein Partner 1978 den Namen Palette für ihre neue Kneipe. Studenten und Eppendorfer jeden Alters tranken hier regelmäßig Bier, Wein und Korn. Viele wurden Stammgäste. Bei wichtigen Fußballübertragungen wurde es richtig eng. Mit dem Ende der Palette wird´noch ein bßchen trostloser im einst sehr lebendigern Abschnitt der Erikastraße zwischen Geschwister-Scholl- und Martinistraße. Einige alte Läden haben aufgegeben, wie auch das Café und Hotel Schaub an der Ecke Martinistraße. „Die Kundschaft ist weggezogen.
Viele konnten sich die Mieten nicht mehr leisten“, erzählt Peter Gurschler. Nun steht das Inventar der Palette auf der Straße. Morgen gibt Peter Gurschler den Schlüssel ab. Ein Stück Eppendorf ist gestorben. (ch)
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