David gegen Goliath

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Joachim Lau kämpft für eine bessere Bürgerbeteiligung und Transparenz in Hamburg Foto: Krause
 
Über dies Plakat der Piratenpartei schmunzelt Kandidat Lau - unterstützt aber weder die Piraten noch ihre Forderung Foto: Krause

Langenhorner Joachim Lau kandidiert als Einzelbewerber im Wahlkreis 10 für die Bürgerschaft

Langenhorn Wenn Joachim Lau frühmorgens auf dem Ring 3 seinem Arbeitsplatz, dem Gymnasium Hummelsbüttel, zustrebt, erfährt er mehrfach unverhoffte Ermutigung. „HVV für Lau“ steht auf dem Plakat einer Partei, mit der der 1957 in Hamburg geborene Lehrer absolut nichts zu tun hat. Lau gehört zu einer ganz seltenen Spezies von Kandidaten bei dieser Bürgerschaftswahl – er ist einer von den vier Einzelbewerbern in ganz Hamburg und kandidiert im Wahlkreis 10 (Alsterdorf, Fuhlsbüttel, Langenhorn). Seine Gegner aus den etablierten Parteien sind zum Beispiel Gulfam Malik (SPD), Richard Seelmaecker (CDU) und Katharina Fegebank. Das Wochenblatt sprach mit Joachim Lau über die Gründe seiner Kandidatur und seine Ziele, sollte er gewählt werden.

Wochenblatt: Ihre Kandidatur stellen Sie unter die Überschrift „Bürger-
beteiligung endlich ernst nehmen“. Spielen Sie damit auf die Evokation nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren gegen den Bebauungsplan Langenhorn 73 an? Sie waren damals einer der Spreche der Bürgerbewegung.
Joachim Lau: Ja, aber neben Langenhorn 73 gibt es allein im Wahlkreis 10 und seinem direkten Einzugsgebiet mit dem Bebauungsplan Groß Borstel 25, dem Schwimmbad Ohlsdorf, dem Neubau Autohaus Wichert und der geplanten erneuten Nutzung der Hummelsbüttler Müllberge als Deponie vier weitere Brennpunkte, bei denen die Bürger von den Politikern nicht ernst genommen werden.

WB: Woran machen Sie das fest?
Lau: Tun sich Bürger gegen Pläne von Politik und Verwaltung zusammen, wird ihnen sofort unterstellt, sie würden nicht das Allgemeinwohl, sondern Partikularinteressen vertreten. Die Frage, welche Interessen Investoren vertreten, wird von Politik und Verwaltung nicht gestellt.

WB: Dennoch beschwören Politiker die enge Bindung an die Bürger – bei Anhörungen oder beim Langenhorner Bürgerforum zum Beispiel.
Lau: Das sind oft Rituale wie früher „bei Hofe“. Der Bürger darf etwas sagen, selbst wenn das dem Regenten nicht gefällt. Damit erschöpft sich die Bürgerbeteiligung. Anhören ist eben nicht zuhören und schon gar nicht verstehen wollen.

WB: Was sagen Ihre Nachbarn, Kollegen und Schüler zu Ihrer Kandidatur?
Lau: Ich habe von allen Seiten positive Resonanz. So war es auch kein Problem, weit mehr als die erforderlichen 100 Unterstützerstimmen für die Kandidatur zu bekommen.

WB: Sie unterrichten Physik und Mathematik. Welche Wahlchancen rechnen Sie sich aus?
Lau: Auch wenn es Olaf Scholz gern wieder ändern möchte – das Hamburger Wahlrecht bietet Kandidaten enorme Chancen, in einer Partei gegen den Strom zu schwimmen oder, wie in meinem Fall, parteilos zu kandidieren. Ich benötige ca. 12,5 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Wer also möchte, dass zukünftig der Bürgerwille mehr berücksichtigt wird, gibt mir auf dem rosa Stimmzettel für den Wahlkreis 10 auf der Seite 8 alle fünf Stimmen. Auf dem gelben Stimmzettel für die Landesliste gibt er seiner favorisierten Partei oder einem oder mehreren Kandidaten seiner Wahl weitere fünf Stimmen. Hier wird über den Anteil der Parteien an den 121 Sitzen in der Bürgerschaft entschieden. Gewählte Einzelkandidaten kommen zu diesen 121 Abgeordneten noch hinzu.

WB: Und was, wenn Sie gewählt werden?
Lau: Als Abgeordneter der Grünen in der Bezirksversammlung Wandsbek habe ich vor meinem Umzug nach Langenhorn vor 14 Jahren parlamentarische Erfahrungen gesammelt. Ich würde meine Rechte als Abgeordneter nutzen, Desinformation der Bürger zu verhindern. Als meine Pflicht würde ich es ansehen, Bürgerinitiativen in der Bürgerschaft Gehör zu geben.

WB: Was läuft aus Ihrer Sicht ganz schlecht in Hamburg?
Lau: Ganz klar die Wohnungspolitik. Hier wird am Bedarf vorbeigebaut. Wir haben rund 55 Prozent Einpersonenhaushalte, die Wohnungen um etwa 50 m2 benötigen. Der Anteil der Neubauten in diesem Segment ist völlig unzureichend. Denkbar wäre auch die Förderung von Wohngemeinschaften sowie Anreize, auf freiwilliger Basis von großen Wohnungen in kleinere Wohnungen umzuziehen. Immer nur Bauen löst auf Dauer das Problem nicht.

WB: Herr Lau, Sie sind Lehrer. Walter Scheuerl, der Einzelbewerber im Wahlkreis 4, hat besonders die Schulpolitik im Auge. Wie ist Ihre Meinung als Insider?
Lau: Aus meiner Sicht haben sowohl Gymnasien als auch Stadtteilschulen ihre Berechtigung. Beim Thema Inklusion sollte der Einzelfall bewertet werden, um Schüler optimal fördern zu können. Das Gießkannenprinzip ist in diesem sensiblen Bereich nicht hilfreich. Was fehlt, sind zusätzliche qualifizierte Kräfte. Dafür muss aber Geld vorhanden sein, soll Inklusion für jeden Schüler gelingen. (fjk)

Joachim Lau im Internet: www.joachimlau42.de
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