Der Bildhauer vom Wilden Moor in Hamburg

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Holz ist sein Metier. Sören Engel (36) in seinem Atelier in der Hummelsbüttler FeldmarkFoto: Krause

Sören Engel fertigt Skulpturen aus Holz – auch für Gräber

Hamburg. „Die Hummelsbüttler Feldmark selbst hat noch eine gesunde landwirtschaftliche Struktur. Von ca. 300 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche werden 120 Hektar als Dauergrünland und 180 Hektar als Ackerland genutzt.“ So beschreibt ein amtliches Dokument im Jahr 1997 den Raum, der heute im Zusammenhang mit neuerlichen Deponieplänen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. In dieser Umgebung, weit ab vom Lärm der Großstadt, hat ein junger Hamburger seinen Arbeitsmittelpunkt gefunden - Bildhauer Sören Engel (36). „Als ich die Möglichkeit bekam, hier in einer einer ehemaligen Gärtnerei Räume anzumieten“ so Engel „war für mich die Entscheidung sofort klar“. Das Atelier im ehemaligen Gewächshaus entspricht den Vorstellungen vom Künstlerleben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem Montmartre.

Atelier ohne Heizung

Die fehlende Heizung verstärkt den Eindruck noch – hier könnte der erste Akt von Puccinis „La Bohéme“ spielen. Doch vor der Tür tobt kein Großstadtleben und selbst das „Wilde Moor“ ist kein bisschen wild, sondern lädt zu beschaulichen Spaziergängen ein. Sören Engel liebt diese Umgebung. Der „Kunstbetrieb“ ist seine Welt nicht. In der ländlichsten Ecke von Langenhorn ist er in vieler Hinsicht frei. Tischler hat er gelernt, den genormten Strukturen von Türen und Fensterrahmen aber schnell „Adieu“ gesagt. Dem Holz hingegen ist er treu geblieben. Beim Umgang mit diesem Material ist ihm wichtig, die dem Holz innewohnende Lebendigkeit in seine Arbeit mit einzubeziehen; das „sprechen“ zu lassen, was im Holz steckt. Holz und Kunstwerke aus Holz haben eine eigene Sprache – auch die der Trauer. So gestaltet Engel im engen Kontakt mit seinen Auftraggebern auch Grabarbeiten. „Holz unterliegt veränderlichen Prozessen. Witterungseinflüsse können auf Dauer die Farbgebung des Holzes wandeln“ berichtet Engel. „Gerade das wird von Hinterbliebenen, die zu mir kommen bewusst als stimmig empfunden. Auch das Leben hinterlässt Spuren. Warum also darf sich ein Symbol der Zuneigung zu einem ganz besonderen Menschen – nicht verändern? Hölzerne Grabarbeiten und Skulpturen auf Gräbern sind für mich eine echte Alternative zu klassischen Grabsteinen.“

Maserung berücksichtigen

Engel fasst seine novemberlichen Überlegungen so zusammen:
„Es liegen schon genug schwere Steine auf Hamburgs Gräbern.“ Eine weniger witterungsbeständige Seite seines Schaffens sind „Schichtschnitte“. Engel trägt
dabei dutzende, abwechselnd weiße und farbige Farbschichten
auf Platten auf. Anschließend arbeitet er mit verschiedenen Schleifwerkzeugen in die Schichten hinein, trägt sie partiell wieder ab. Dabei entstehen Bilder, die die Phantasie des Betrachters anregen sollen, ihn in den Schaffungsprozess mit einbeziehen. Ähnlich wie bei seinen Holzarbeiten bezieht Engel den Anschnitt der sich überlagernden Farben wie die Maserung des Holzes in seine Arbeit ein. Engel ist kein weltabgewandter Künstler. Sein Schaffen lebt aus dem Kontakt mit Menschen. Deshalb freut er sich über Besucher, die Interesse an seiner Arbeit haben, die vielleicht ein von Sören Engel gestaltetes Stück besitzen möchten. Kunst aus dem „Wilden Moor“.

Tel.: 163 45 99 762 (fjk)
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