Der Unvollendete

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Der Langenhorn-Archivar Erwin Möller hat den historischen Bahndamm wiederentdeckt. Foto: Biehl
 
Rund 20 Meter lang und drei Meter hoch: das jetzt wiederentdeckte Teilstück eines geplanten Bahndamms auf dem Gelände des Krankenhauses Ochsenzoll. Fotos: Biehl

Bahndamm wiederentdeckt. Abzweiger ins AK Ochsenzoll nie gebaut

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Für die meisten ist es nur ein Erdhügel, der sich da plötzlich aus der Ebene erhebt. Und wohl niemand ahnt, welches Stück Geschichte sich mit diesem rund 20 Meter langen und drei Meter hohen, schnurgeraden Wall verbindet. Erwin Möller weiß es. Der Langenhorn-Archivar hat ihn wiederentdeckt: „Beim Bau der Langenhorn-Bahn auf der heutigen Linie U1 hatte man geplant, einen Abzweiger für Güterverkehr zum Krankenhaus zu führen“, sagt Möller. Doch das Projekt war offenbar eine Fehlplanung – es wurde begonnen, aber nie vollendet. Nach und nach wurde die Baustelle von Gestrüpp und Bäumen überwuchert.
Rodungen förderten den Bahndamm zutage
Rund 100 Jahre nach Baubeginn kam das auf dem Krankenhausgelände begonnene Teilstück wieder zum Vorschein, weil der alte Waldbestand gerodet wurde: Hier sollen Wohnhäuser gebaut werden. „Es ist Rücksicht darauf genommen, dass von Ochsenzoll aus ein Güteranschlussgleis für die Irrenanstalt Langenhorn unter die dreigleisige Bahn hindurchgeführt werden kann.“ So steht es im „Antrag, betreffend die Herstellung einer elektrischen Schnellbahn nach Langenhorn“ vom 14. Oktober 1912.
Der Plan: „Von Ochsenzoll kommend sollte kurz vor der viel später eingerichteten Haltestelle Kiwittsmoor ein Abzweiger zum südlich gelegenen Klinikgelände geführt werden“, sagt Erwin Möller. Aus heutiger Sicht mutet die Planung durchaus aufwändig an.
Denn der Bahndamm mit dem Hauptgleis liegt an dieser Stelle schon gut fünf Meter über Gelände. Man wollte die Güterbahn daher zunächst per zusätzlicher Brücke über die Straße Fossberger Moor führen. Auf der anderen Seite hätte es dann hinab gehen müssen, um das Hauptgleis mit einem Tunnel zu unterqueren. Diesem Plan widerspricht jedoch, dass auf dem Grund der damaligen „Irrenanstalt“ bereits mit der Aufschüttung jenes nun wiederentdeckten Bahndamms begonnen wurde, auf den der Zug dann wieder hätte hinauffahren müssen, natürlich nicht ohne zuvor die Straße Am
Fossberg (die heutige Fibigerstraße) zu überqueren – vermutlich ebenfalls mit einer Brücke. Hatte man hier versehentlich eine Berg- und Talbahn geplant? Wohl kaum – die Weiterführung des Haupt-Damms und ein Weichen-Kreuz wäre naheliegender gewesen. Mit einem solchen Bau wurde auf öffentlichem Grund allerdings nie begonnen.
Langenhorn-Archivar Erwin Möller vermutet, dass die Paradoxie des Plans – und die möglichen Kosten - irgendwann auch den Verantwortlichen aufgefallen sind. Das Projekt des Gleisanschlusses für das Krankenhaus wurde Mitte der 20er-Jahre aufgegeben. Nicht zuletzt, weil eine andere Technik Einzug gehalten hatte. Der Gedanke war nämlich ursprünglich gewesen, die Kohlen für das Heizhaus der Klinik per Bahn statt mit Pferd und Wagen anzuliefern. Das wurde insbesondere während des
I. Weltkrieges wichtig, als die Gespanne für den Waffentransport an die Front benötigt wurden. Mitte der 20er-Jahre hatte sich allerdings schon der motorisierte Verkehr durchgesetzt, sodass es für billiger befunden wurde, Güter per Lkw herbeizuschaffen.
Der alte Bahndamm ist heute noch auf Höhe der Häuser
Fibigerstraße 139/141 zu sehen. Wie lange allerdings, steht nicht fest: Die ehemalige Fläche des früheren AK Ochsenzoll ist mittlerweile Bauland. Daher könnte der Wall demnächst eingeebnet werden. (bcb)
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