„Die Experten vor Ort sind wir!“

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Stadtteilbeiräte aus ganz Hamburg vor dem Veranstaltungsplakat Foto: Jenssen

Stadtteilbeiräte fordern mehr Geld und Unterstützung von der Politik

Von Martin Jenssen
Hamburg. Sie kämpfen für ein gerechteres Hamburg, setzen sich ein für mehr Grünflächen, treten an gegen Mietwucher, unterstützen Menschen in Not. Aber auch das Organisieren fröhlicher Feste gehört zum Aufgabengebiet der über 2000 ehrenamtlich tätigen Stadtteilbeiräte. In 56 Gebieten arbeiten sie für ihre Mitbürger. Der Vorteil der Stadtteilbeiräte gegenüber Politikern: Sie sind immer vor Ort und stehen ständig als Ansprechpartner zur Verfügung, während Politiker oft mehr auf Wahlplakaten zu sehen sind als im direkten Gespräch.
Am Wochenende fand der erste große Aktionstag des Netzwerks der Hamburger Stadtteilbeirate in der Martin Luther King-Kirche in Steilshoop statt. Das Netzwerk, 2009 gegründet, will mit Aktionstagen das Miteinander der Stadtteilbeiräte fördern. Im Gemeindesaal der Kirche diskutierten über 100 Teilnehmer. Motto der Veranstaltung: „Demokratie im Stadtteil – Nur mit uns!“

Stadtteilleben fördern

Dr. Martin Kersting vom Stadtteilbeirat Steilshoop beklagte die „Arroganz der Macht von Verwaltungsbeamten und Politikern, die die Stadtteilbeiräte manchmal als Störenfriede“ empfinden würden. Was in den Stadtteilen wirklich abgehe, bekämen die Politiker jedoch häufig zu spät mit. Kersting: „Die Experten vor Ort, das sind wir!“
Den Hamburger Senat erinnerten die Stadteilbeiräte an sein Bekenntnis zur Stadtteilförderung, das da lautet: „Zentrales Anliegen ist es, ein eigenständiges Stadtteilleben zu befördern, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, und die Bewohner zu motivieren, in Initiativen mitzuwirken.“
Doch um mehr bewirken zu können, benötige man auch mehr Geld. So fehlten in vielen Fördergebieten allein schon Räume für Versammlungen und Veranstaltungen. Um solche und andere Missstände abzuschaffen, solle der Senat mehr Geld herausrücken. Etwa zwölf Millionen Euro meinen die Stadtteilbeiräte.
Die bisher gezahlten Fördergelder werden unterschiedlich verteilt, je nach Größe des Quartiers oder Stadtteils. Durchschnittlich sind es etwa 10.000 Euro im Jahr. Zum Leidwesen der Stadtteilbeiräte ist die finanzielle Förderung der Problemgebiete zeitlich gebunden. Ist die Zeit abgelaufen, werde der Stadtteil von den Politikern fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Das darf nicht sein, finden die Beiräte. Die bisher geleistete Arbeit gerate dadurch in Gefahr.
Wie wichtig ist die ehrenamtliche Arbeit vor Ort? Aus dem Quartier Appelhoff (Alt-Steilshoop) berichtet Anastasia Kiloglou-Dora: „Unser Stadtteilbeirat wurde 2007 gegründet und hat seitdem viel bewirkt. Wir haben unter anderem aktiv an der Gestaltung des Platzes ‚Jung und Alt‘, einem Treffpunkt für alle Bewohner mitgewirkt. Darauf sind wir stolz.“
Michael Joho spricht für St. Georg, ein Stadtteil mit vielen sozialen Problemen. Jetzt ist der exorbitante Anstieg der Mieten dazugekommen. Joho: „Wir haben mit Erfolg für den Verbleib der Buchhandlung Wohlers in der Langen Reihe gekämpft und setzen uns jetzt für den Verbleib der Obdachlosen am Hauptbahnhof ein.“ Der Stadtteil Großlohe ist aus der Förderung geflogen. „Wir machen trotzdem weiter, finanzieren viele Projekte mit Spendengeldern “, sagt Thomas Falensky. Was früher der Stadteilbeirat war, ist jetzt die Stadtteilversammlung. Falensky: „Eines wichtiges Projekte ist die Samstags-Suppenküche, die vor allem von hungrigen Kindern und Jugendlichen besucht wird.“

Mehr Bürger gewinnen


Rixa Gohde-Ahrens aus dem Organisationsteam des Netzwerks zieht das Fazit der Veranstaltung: „Die bessere finanzielle Ausstattung der Stadteilbeiräte wäre kleines Geld, was viel bewirkt. Die Beschlüsse der Stadtteilbeiräte sollten künftig mehr politisches Gewicht bekommen. Wir möchten viele junge Leute und mehr Bewohner mit Migrationshintergrund für die Arbeit in den Stadtteilbeiräten gewinnen.“
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