Die „Wäscherei“ wird nach Ostern abgerissen

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Abriss ab April: das Möbelhaus „Wäscherei“ im Innenhof des denkmalgeschützten Gebäude-Ensembles Großheidestraße /Jarrestraße.
Barmbek. Dies ist gewiss nicht nicht die einzige Baustelle zur Altlastensanierung in Hamburg. Ein Kataster der Behörde für Umwelt und Stadtentwicklung (BSU) weist unzählige Flächen aus, unter denen Böden und Grundwasser verseucht sind: Umweltsünden meist aus den 1980er Jahren und früher. „Aber die Baustelle an der Jarrestraße wird die größte, auch diejenige, über die wir am ausführlichsten informieren.“ sagt Dr. Ralf Kilger, Leiter des BSU-Amtes für Umweltschutz. Im Internet, per Flyer und an Info-Abenden werden betroffene Anwohner über die am 10. April startende Altlastensanierung auf dem „Wäscherei“-Gelände auf dem Laufenden gehalten. Die groß angelegte Maßnahme soll über 15 Monate dauern und kostet rund 5,6 Millionen Euro, großteils finanziert von der Stadt.
Das Möbelhaus „Die Wäscherei“ schloss am vergangenen Sonnabend seine Türen, zieht um in die City Nord und öffnet wieder am kommenden Donnerstag im Mexikoring. Mit dem dann folgenden Abriss des Wäschereigebäudes im Innenhof der Jarrestraße 52-58 können endlich massive Umweltschäden in Angriff genommen werden. Die „Altlasten“ entstanden während des Betriebes der Wäscherei und Chemischen Reinigung Wilhelm Wulff zwischen 1937 bis 1988) an der Jarrestraße 52-58. Durch unsachgemäßen und grob fahrlässigen Umgang mit chemischen Reinigungsmitteln über Jahrzehnte wurde nicht nur der Boden stark verunreinigt. Erhebliche Mengen gesundheitsgefährdender Stoffe sickerten auch ins Grundwasser.
Eine „Schadstofffahne“ breitet sich deshalb über 500 Meter weit aus: in Fließrichtung des Grundwassers unter dem Osterbekkanal bis hin zur Weidestraße. Schon seit 2004 wurden Brunnen diesseits und jenseits der Osterbek installiert, die das kontaminierte Wasser auffangen und zu einer Aufbereitungsanlage am Kämmererufer leiten. Doch die Chance, diese Maßnahme schon Jahrzehnte früher beenden zu können, besteht darin, die Schadstoffquelle zu beheben: durch den Aushub von rund 16.000 Kubikmeter belasteten Bodens auf dem Wäschereigelände. Nur weil Investoren dort ihre Bereitschaft für einen Neubau von Wohnungen signalisiert hatten und erst durch eine 2011 vom Bezirk Nord beschlossene Änderung des Bebauungsplans gibt es jetzt eine Rechtsgrundlage für die Bodensanierung. Das erklärte Hans-Peter Boltres, Leiter der Stadtentwicklung im Bezirk Nord. Auch das Denkmalamt habe dem Abriss der Innenhofgebäude zugestimmt. Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble an der Großheidestraße, Ecke Jarrestraße bleibt erhalten.
„Was auf die Anwohner zukommt, wenn der belastete Boden bis zu 5,5 Metern Tiefe ausgehoben wird, werden sie – leider – sehen, hören und auch riechen“, bedauerte Klaus Marg am Info-Abend für die Anlieger. Der Diplom-Ingenieur wurde von der BSU mit der Baustellenaufsicht betraut. Wenngleich die bis zum Juli 2013 angesetzten Sanierungsarbeiten mit größtmöglicher Rücksicht auf Anwohner und Baupersonal ausgeführt werden sollen, lassen sich Unannehmlichkeiten nicht vermeiden. Nach dem Rückbau der Gebäudeteile folgen ab Juli aufwändige Bodensondierungen. Danach wird das Gelände mit Betonwänden und einer Stahlspundwand zum Osterbekkanal gesichert. Um dann bis zu 2000 Kubikmeter hochbelastetes Wasser abpumpen und vor Ort reinigen zu können. Erst ab 2013 könne schließlich der verseuchte Boden ausgehoben und abgefahren werden. Auch die Sorge der Anwohner wegen zurückliegender sowie akuter Gesundheitsgefährdungen werden ernst genommen. Diplom-Ingenieurin Marion Großcurth steht den Anwohnern als Ansprechpartnerin zur Verfügung: ab dem 10. April im Baubüro an der Jarrestraße 52. (wh)
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