Ein Sabbatjahr im Dienst der Gesellschaft

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Bufdi Carsten Kommer und seine Kollegin, die 19-Jährige Imke, arbeiten gemeinsam im Kinderhaus Blauer Elefant. Dort betreuen sie nachmittags KinderFoto: cs

Bargteheider Carsten Kommer wurde mit 44 Jahren Bundesfreiwilliger

Bargteheide. Es war ein schleichender Prozess. Doch je länger er darüber nachdachte, umso mehr wurde Carsten Kommer klar: „Ich muss mal etwas für mich tun.“
25 Jahre in derselben Firma zu sein, gab ihm zwar große Sicherheit, sorgte aber auch für Routine. Und ein Leben nur am Schreibtisch? Nein, das sollte es auch nicht gewesen sein, sagte sich der 44-Jährige. Eine Weltreise oder nur zu Hause bleiben, kam für den Bargteheider nicht in Frage.
Seit Oktober arbeitet Carsten Kommer als Bundesfreiwilliger (Bufdi) im Kinderhaus Blauer Elefant. Seine Kollegen sind durchschnittlich 25 Jahre jünger, doch das macht dem zweifachen Familienvater nichts aus. Im Herzen jung geblieben, kann er durch seine offene, freundliche Art punkten. Auch wenn die Kinder anfangs verunsichert waren, mittlerweile haben sie sich an den erwachsenen Bufdi gewöhnt und wissen zu schätzen, dass der auch mal mit anpacken, bei den Schularbeiten helfen und Fußball spielen kann.
„Die Lebenserfahrung gibt einem eine gewisse Gelassenheit, die wohl ganz gut ankommt“, so Kommer in seiner bescheidenen Art. Das Sabbatjahr – ein Herzenswunsch – war keine spontane Idee. „Schließlich hat man als 44-jähriger Familienvater Verpflichtungen“. Die galt es im Vorwege zu regeln. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und den zwei fast erwachsenen Söhnen besprach er seine Pläne, regelte die Finanzen wie die Kranken- und Altersvorsorge. Vom Bufdi-Lohn zu leben, der 380 Euro beträgt, wäre sonst wohl schwierig geworden.
Der Alltag im Kinderhaus sieht für Carsten Kommer nun ganz anders aus als am Schreibtisch. Seine Aufgabe ist es, die zahlreichen Kinder von den verschiedenen Schulen abzuholen. Im Kinderhaus wird dann gemeinsam Mittag gegessen, bevor es nach den Schularbeiten zum Sport oder auch mal auf den einen oder anderen Ausflug geht.
„Die Arbeit mit den Kindern ist anspruchsvoll“, so der Bargteheider. „Toll ist, dass man sofort ein Feedback bekommt und weiß, woran man ist.“ Einen Unterschied zwischen Carsten Kommer und den anderen Bufdis macht im Kinderhaus niemand. „Mit einer kleinen Ausnahme“, fügt Andrea Schulz, Leiterin des Kinderhauses an, „er musste seine Fahrkenntnisse nicht noch einmal besonders unter Beweis stellen.“
Etwa 25 Stunden arbeitet Carsten Kommer in der Woche im Kinderhaus. Noch bis Anfang April 2014, dann tauscht er den VW Bus wieder gegen den Schreibtischstuhl. „Bis dahin bleibt noch genügend Zeit, Energie zu schöpfen. Und dem Haus verbunden bleibe ich auf jeden Fall. Vielleicht später einmal in einem Ehrenamt.“ (cs)
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