Einst blühte sie in Langenhorn

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Die Blume von Hawaii bei den Eutiner Festspielen

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn. Hamburg hat zwar ein Operettenhaus – doch seit über 40 Jahren erklingen in dem 1841 als ‚Circus Gymnasticus‘ mit 3000 Sitzplätzen eröffneten Haus keine Operetten mehr.
Nicht einmal Kompositionen von Paul Abraham, dem einzigen Operettenkomponisten mit direktem Hamburg-Bezug. 13 Jahre hat er in Hamburg Langenhorn gelebt. Begraben ist der 1892 in Apatin in Südungarn geborene Komponist auf dem Friedhof Ohlsdorf. Mit ‚Viktoria und ihr Husar‘, ‚Die Blume von Hawaii‘, ‚Ball im Savoy‘ und anderen Operetten konnte er zwischen den Weltkriegen in Europa riesige Erfolge feiern.

Gefeierter Komponist

Als Jude von den Nazis aus Deutschland und später auch aus Europa vertrieben, gelangte er über Casablanca und Havanna in die USA. Hier musste der bisher gefeierte Komponist feststellen, dass für seine Musik kein Bedarf bestand. Wie für viele Emigranten begann für Abraham im Land der unbegrenzten Möglichkeiten der Kampf ums Überleben. Tantiemen aus Europa erreichten ihn hier nicht.
Zu den wirtschaftlichen gesellten sich massive Gesundheitsprobleme. Viele Jahre verbrachte der Komponist in der Psychiatrie auf Long Island – an Arbeiten war nicht zu denken. In der Nachkriegszeit formierte sich in Hamburg ein ‚Paul-Abraham-Komitee‘, das sich für die Heimkehr des Komponisten einsetzte.
Wortführer war unter anderen der junge Verleger Andreas J. Meyer, der dem Zeichner und Schriftsteller Janosch später zu Weltruhm verhelfen sollte. Im April 1956 betrat Abraham wieder Deutschen Boden.
Ironie des Schicksals: In der Psychiatrie in Eppendorf erklärte ihn der wegen seiner Karriere in der NS-Zeit umstrittene Chefarzt Prof. Hans Bürger-Prinz für unmündig. In seinem Haus in der Straße Höpen in der Langenhorner Siedlung Siemershöhe wurde Abraham nun von seiner Frau Charlotte betreut; immer wieder von Klinikaufenthalten unterbrochen.

Er liegt auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Im Mai 1960 starb der einst gefeierte Komponist in Hamburg. Bis zu Letzt der Überzeugung, in New York zu leben und bald wieder große Kompositionserfolge landen zu können.
Nur wenige Meter von Abraham entfernt lebte Jahrzehnte lang Hedi Höpfner. 1910 in Berlin geboren, feierte sie auf der Bühne und in Filmen Erfolge, bis sie Ende der 1950er Jahre das ‚Bühnenstudio Hedi Höpfner‘ eröffnete. Heute namhafte Künstler waren ihre Schüler. So Klaus J. Behrendt, Thomas Fritsch, Maria Happel, Maja Maranow, Christoph M. Ohrt und Hardy Rudolz. Der ist in Hamburg besonders aus dem ‚Phantom der Oper‘ und ‚Cats‘ als Darsteller bekannt. Aber auch als Regisseur hat der vielseitige Künstler sich einen Namen gemacht.
Und Rudolz, der sein Handwerk bei der Langenhornerin Hedi Höpfner gelernt hat, führt bei den diesjährigen Eutiner Festspielen in der turbulenten Paul Abraham-Operette ‚Die Blume von Hawaii‘ Regie. Was seit Jahrzehnten in Hamburg leider nicht zu erleben war – die ‚Blume von Hawaii‘ blüht.
Ganz in der Nähe, auf der Freilichtbühne am Eutiner See. Der ist keine 80 Kilometer vom Langenhorn entfernt und in einer guten Stunde zu erreichen.

Weitere Informationen unter: http://www.eutiner-festspiele.de
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