Gäste und Gastgeber: Das bleibt vom Kirchentag

Anzeige
Yurdanur, Luisa und Cigdem (v. li.) waren mit ihrer 11. Klasse aus Lünen in Westfalen angereist
 
Thorsten Schulz vom Hospital zum Heiligen Geist in Poppenbüttel

Fünf Tage lang war Hamburg Ort des Christentreffens. Persönliche Bilanzen – die für viele stehen können

Von Franz Josef Krause
Hamburg. „Soviel du brauchst“ war das Motto des Kirchentages vom 1. bis 5. Mai. Dazu zählten auch die 60 Mitarbeiter der Stadtreinigung, die auf Kirchentagskosten zusätzlich in der Stadt unterwegs waren. „Besonders auffällig war, dass die Kirchentagsbesucher die aufgestellten Entsorgungsbehälter benutzten“, sagt André Möller von der Stadtreinigung. „Das klappt bei anderen Anlässen oft nicht so gut.“ Müll bleibt also nicht – aber was bleibt in den Köpfen und Herzen der Kirchentagsbesucher und der Hamburger? Dr. Werner Thissen, der katholische Erzbischof von Hamburg, sagte gegenüber dem WochenBlatt: „Der Evangelische Kirchentag stärkt die christliche Tradition in Hamburg. Er war für mich vor allem ein facettenreiches Fest. Menschen haben erfahren, welche Lebensqualität aus dem Glauben erwachsen kann. Ich bin überzeugt, dass der Glaube vieler Menschen gefördert worden ist, auch wenn dies nicht immer sofort und offen zutage liegt.“ Was aber sagen Besucher, Helfer und Gastgeber – was bleibt vom Kirchentag? Einhellig begeistert waren die Gäste von Hamburg. Das zarte Grün, die Wasserflächen und Kaiserwetter. Die Hamburger als Gastgeber waren einfach Spitze! Da wird sich Stuttgart beim Kirchentag 2015 anstrengen müssen.

Die Stimme der Jugend: Auch wenn sie in den Kirchen vor Ort eher selten anzutreffen sind – beim Kirchentag dominierten die jungen Leute das Bild. Yurdanur, Luisa und Cigdem (v. li.) waren mit ihrer 11. Klasse aus Lünen in Westfalen angereist, um den Kirchentag und Hamburg zu erleben. „Toll war die Offenheit, mit der uns begegnet wurde, die neuen Kontakte und die Gemeinschaft untereinander. Hamburg war klasse – auch dank der vielen Helfer auf den U-Bahnhöfen haben wir uns in der Großstadt nie verloren gefühlt. Und etwas geflirtet haben wir auch!“

Thorsten Schulz vom Hospital zum Heiligen Geist in Poppenbüttel: „Vom Kirchentag in Hamburg bleiben neue Kontakte mit Christen aus ganz Deutschland und die Hoffnung, dass wir uns im Umgang miteinander auf mehr Respekt, Achtung und Würde besinnen. Am Sonntag konnten unsere Bewohner und Besucher den Abschlussgottesdienst als Live-Übertragung aus dem Stadtpark miterleben und so Teil eines unvergesslichen Ereignisses werden.“

Horst von Ahn ist Miteigner der ‚Repsold‘. Das 1941 gebaute ‚Feuerlöschboot IX‘ wäre nicht mehr auf dem Wasser, hätten sich nicht begeisterte Männer seiner angenommen. Heute liegt das schmucke Boot in der HafenCity im Traditionshafen. Er sagt: „Besonders die jungen Kirchentagsgäste strahlten große Freude aus, das erleben wir hier nicht bei jeder Großveranstaltung.“ Ihm gefiel die Musik, die in der HafenCity zu hören war. Fazit des Zuhörers: „Glaube, so scheint es, macht richtig gute Laune.“

Bushra Rasheed (v.l.) , Sana Khan, Simone Khan und Asifa Saleem, die Gastgeberinnen in der Moschee. Die Fazle-Omar Moschee in der Wieckstraße in Stellingen ist die älteste Moschee Hamburgs. Auch hier hatten Gäste eine ‚Koje‘ gefunden. „Sieben evangelische und eine katholische Dame, angereist aus Bayern, Hessen und Vorpommern, übernachteten bei uns in der Moschee“ berichtete Sana Khan, Vorsitzende der Frauenorganisation Lajna Imaillah Hamburg City, der Ahmadiyya Muslim Jamaat. „Trotz verschiedener Religionen haben wir gemeinsame Werte entdeckt und entwickelten übereinstimmend ein Bestreben, mehr voneinander zu lernen. Durch gemeinschaftlichen Ausklang der Abende und mannigfaltige Gespräche beim Frühstück entstand im Keim eine Freundschaft, die es wert ist, zu pflegen.“

‚Terence B. Bloor hat 21 Jahre lang als Diplomingenieur gearbeitet. Erst danach studierte der Junggeselle Theologie. Heute ist der 51jährige Priester und ‚Rural Dean of Newcastle‘ – also Propst der Anglikanischen Kirche in Newcastle in Mittelengland. Bloor hat unter anderem einen anglikanischen Gottesdienst mitgestaltet und viele alte und neue Kontakte gepflegt. Was bleibt für ihn nach fünf Tagen rund um die Kirche? „Bleibend ist für mich das Glücksgefühl und die Freude dieser Tage, der hier gelebte vertraute ökumenische Umgang der Christen miteinander, auch über Nationalitätsgrenzen hinweg, ist für mich ein Vorgeschmack des Himmels!“

Die Helfer: Gerda und Peter Schulte, die Frühaufsteher, bereiteten zusammen mit anderen Senioren für Jugendliche in einer Gemeinschaftsunterkunft das Frühstück: „Noch nie haben wir Ökumene so intensiv erlebt. Schön war die gute Gemeinschaft der Helfer und das positive Echo von Seiten unserer Gäste. Eine Erfahrung, die trägt.“ Am Sonntag sind die Schultes übrigens nicht so früh aufgestanden: Da feierten sie Goldene Hochzeit.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige