Gedenkfeier am Tor zur Hölle

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Jana Schiedeck, die 38-jährige Senatorin für Justiz und Gleichstellung, legte einen Kranz an der Gedenkstätte in Fuhlsbüttel nieder. Foto: Krause

Vor 25 Jahren wurde das Tor der JVA Fuhlsbüttel zur Gedenkstätte umgewandelt

Von Franz-Josef Krause
Fuhlsbüttel. Eigentlich ist es ganz hübsch, das Tor der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel am Suhrenkamp. Roter Backstein, zwei kleine Türmchen und weiße Fensterbögen. Doch der Eindruck täuscht. In der Zeit der Nazi-Diktatur war das Bauwerk für politische Gegner, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, viele Ausländer die zur Zwangsarbeit nach Hamburg verschleppt worden waren und für die sogenannten „Swing Boys“, Jugendliche, die sich am amerikanischen Lebensstil orientierten, das Tor zur Hölle. Die Hölle, das war das von der Hamburger Staatspolizei Anfang 1933 eingerichtete Konzentrationslager Fuhlsbüttel, eines der ersten seiner Art in Deutschland. Wer hier landete, durfte nicht damit rechnen, nach dem an der Stirnseite des Hamburgischen Oberlandesgerichtes angebrachten Spruchs behandelt zu werden „JUS EST ARS BONI ET AEQUI - Das Recht ist das Handwerk des Billigen und Gerechtem“ prangt dort in großen Lettern.

Franz Heitgres

Im KZ Fuhlsbüttel herrschte das Handwerk der Brutalität und Gewalt – Gerecht war, was der Unterdrückung diente. Das musste – um exemplarisch einen Namen herauszugreifen – auch der 1906 geborene Langenhorner Franz Heitgres erfahren. Beim Arbeitersportverein ‚FTSV Fichte Langenhorn‘ spielte er Fußball, war Mitherausgeber der Zeitung „Roter Nordsport“. Als die Nazis alle Arbeitersportvereine verboten, wechselte Heitgres mit vielen politisch Gleichgesinnten zum ‚Sport-Club Paloma Uhlenhorst‘. Im Mai 1943 wurde er verhaftet und in Fuhlsbüttel eingeliefert. Kontakt zum Widerstand lautete der Vorwurf. Ein Jahr später folgte das KZ Neuengamme. Heitgres überlebte. Er wurde erster Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes in der britischen Zone, KPD-Abgeordneter in der Bürgerschaft und Senator mit dem Geschäftsbereich „Wiedergutmachung und Flüchtlingshilfe“. Er war Kommunist mit wachen Augen. Als er nach dem 17. Juni Missstände in der DDR rügte, flog er 1954 aus der Partei. Willi Bredel, der bekannte Arbeiterdichter aus Hamburg, sagte nichts und brachte es in der DDR bis ins ZK der SED. Franz Heitgres trat später der SPD bei. Jana Schiedeck, mit 38 Jahren kaum älter als es Heitgres war, als er in Fuhlsbüttel das Tor zur Hölle durchschritt, legte anlässlich des 25 jährigen Bestehens der Gedenkstätte dort einen Kranz nieder. Sie tat es im Namen von Senat und Bürgerschaft.

Das Erinnern wach halten

Die SPD-Senatorin für Justiz und Gleichstellung hat mit Wolfgang Hoffmann-Riem einen Vorgänger, der vor genau 15 Jahren ein Mahnmal inmitten der Paläste des Rechtes errichten ließ. Es soll das Erinnern wach halten an „die Opfer, die von 1933 – 1945 durch Richter und Staatsanwälte der Hamburger Justiz entrechtet, missachtet, gequält, ihrer Freiheit beraubt und zu Tode gebracht worden sind.“ Menschen, die ihren Leidensweg nicht selten in Fuhlsbüttel antraten. Am Sievekingsplatz, umgeben von vor Pracht strotzenden Rechtspalästen aus der Zeit von 1879 – 1912, fristet der ‚Stachel im Fleisch‘ der Hamburger Rechtsprechung sein Dasein. Er existiert – mehr nicht. ‚Hier + Jetzt‘ nannte die Künstlerin Gloria Friedmann ihre Installation. Täglich eilen heute und jetzt Richter, Staatsanwälte und Justizmitarbeiter an ihr vorbei. Sie sehen – oder sehen weg – und gehen vorüber. Fast symbolisch erinnert der Zustand dieser Erinnerungsstätte daran, dass Rechtspflege ganz direkt etwas mit Pflege zu tun hat. Daran erinnert die Gedenkstätte in Fuhlsbüttel, darauf weist mahnend die Installation bei den Justizpalästen hin.
Hier + Jetzt.

Sonntag 10-17 Uhr und nach Vereinbarung. Eintritt frei. Suhrenkamp 98, Tel.: 4 28 13 10
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