Hamburg: Architekten sind am Zug

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Das Idyll der Gartenstadt trügt: Viele der teils mehr als 70 Jahre alten Bauten sind marode. Fotos: Biehl

Senat verabschiedet Bebauungsplan „Langenhorn 73“

Hamburg. Der Schlussstrich unter einen jahrelangen Streit ist gezogen: Die Wulffsche Siedlung kann langfristig neu gebaut werden. Der Senat hat jetzt einen entsprechenden Beschluss gefasst. Nach Einschätzung eines Sprechers der Baubehörde wird der Senatsbeschluss innerhalb der kommenden drei Wochen im Gesetz- und Verordnungsblatt verkündet. Damit kann der Bebauungsplan „Langenhorn 73“ verwirklicht werden.
Um diesen Plan hatte es jahrelang erbitterte Auseinandersetzungen auch innerhalb der Siedlung gegeben. Kernpunkt ist, wie mehrfach berichtet, der schrittweise Abriss der teils mehr als 70 Jahre alten Wohnhäuser. Die mit durchschnittlich 48 Quadratmetern eher kleinen, wenig familiengerechten Wohnungen sind weder barrierefrei noch entsprechen sie modernen Anforderungen an die Energie-Effizienz.
Um den Erhalt der Siedlung langfristig zu sichern, holten die damaligen Alleineigentümer, die Familien Pisani und Haas-Rickertsen, im Jahr 2010 die Stuttgarter GWG-Gruppe mit ins Boot. Nach Auffassung der Eigentümer wäre eine Sanierung des Altbestandes für die Mieter teurer als Neues zu bauen. Doch einem wirtschaftlich sinnvollen Neubau stand der alte Bebauungsplan entgegen. Gegen den neuen Entwurf, den B-Plan „Langenhorn 73“, hatte sich scharfer Bürgerprotest entwickelt. Eine Bürgerinitiative organisierte und gewann Ende 2011 sogar einen Bürgerentscheid, doch den evozierte der Senat Anfang 2012. Hintergrund ist, dass mit den Neubauten nicht nur bessere, sondern auch mehr Wohnungen entstehen. Geplant sind rund 700 statt der bisherigen 550.
Mit-Eigentümer Thomas Haas-Rickertsen trat gegenüber dem Wochenblatt noch einmal Befürchtungen eines sofortigen Totalabrisses entgegen, wie ihn die Bürgerinitiative suggeriert hatte: „Wir haben einen Zeithorizont für den Neubau von zehn bis 15 Jahren. Wir haben allerdings einen Architekten-Wettbewerb vorbereitet. Der sollte noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.“ Den Mietern sei bereits schriftlich zugesichert worden, dass niemand wegen des Neubaus aus seiner Wohnung vertrieben werde.
Der B-Plan-Entwurf und eine Änderung des Landschaftsprogramms hatten Ende 2013 öffentlich ausgelegen. Dagegen hatte es laut Angaben eines Behördensprechers rund 80 Einwendungen gegeben. Einige seien in der Endfassung des B-Planes berücksichtigt worden, etwa wegen des Schattenwurfes auf Häuser, die im Umfeld der Siedlung stehen. (bcb)
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