Hamburg: Gefahr durch Giftpflanze

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Kleingärtner Jörn Huch vor den meterhohen Stauden, die sich bereits in den benachbarten Gärten ausbreiten. Das verwilderte Grundstück gehört der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Biehl

Kleingärtner am Twisselwisch kämpfen gegen wuchernden Riesen-Bärenklau

Von Bert C. Biehl
Hamburg. Früher Zierde, heute Fluch: Einst holten ambitionierte Hobbybotaniker die imposante Staude aus dem Kaukasus in heimische Gärten. Heute breitet sich der „Riesen-Bärenklau“, wie die Herkulesstaude im Volksmund auch genannt wird, wie eine Seuche übers Land aus.
Jedes Jahr aufs Neue schauen die Gartenfreunde vom Kleingartenverein am Twisselwisch über die Grenze ihres Geländes auf das Nachbargrundstück, wo sich der Bärenklau ungehindert ausbreiten kann - und den Grenzgraben längst überschritten hat: „Wer seine Parzelle direkt an der Grenze hat, der hat auch Bärenklau im Garten“, klagt der Vereinsvorsitzende Jörn Huch. Bereits seit mehreren Jahren hatte der Vereinsvorstand auf den Zustand des Nachbargrundstücks hingewiesen - im vergangenen Jahr gelang es endlich, einen Ansprechpartner des Eigentümers ausfindig zu machen.

Wer ist zuständig?

Das Kernproblem sind die Besitzverhältnisse auf der anderen Seite des Grenzgrabens. Das Bärenklau-Feld gehört zu einem rund 28.000 Quadratmeter großen, naturbelassenen Areal, das im Besitz der Bundesrepublik ist. Die hatte es dem Hamburger Staat 2004 als Ausgleichsfläche für den Bau der Ortsumgehung Fuhlsbüttel abgekauft.
Zuständig für die Unterhaltung des Geländes ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Bis Ende 2013 war die Filiale in Schwerin zuständig. Der Befall mit der tückischen Pflanze war dort zunächst gar nicht bekannt. Nachdem Jörn Huch sich bis zur zuständigen Sachbearbeiterin durchgefragt hatte, wurde immerhin sofort reagiert. Eine Gartenbaufirma rückte den Pflanzen zu Leibe. Die BIMA versprach damals, die Bestände über fünf Jahre hinweg zweimal jährlich zu kontrollieren und zurückzuschneiden.

Rodung steht weiter aus

Aktuell stehen die Stauden wieder in voller Blüte, die weißen Dolden sind weithin sichtbar. Wurde da womöglich etwas versäumt?
Fest steht: In diesem Jahr wechselte die Zuständigkeit innerhalb der BIMA. Jetzt ist nicht mehr die Filiale in Schwerin, sondern die in Mölln zuständig. Nach Informationen des Wochenblatts sind mit dem Wechsel auch Rahmenverträge der BIMA mit Gartenbaufirmen ausgelaufen, die die befallenen Grundstücke regelmäßig pflegen würden. Immerhin hat die zuständige Bundesförsterin ihren Dienstort in Pinneberg. Sie sagte auf Nachfrage des Wochenblattes zu, dass eine Firma unverzüglich mit der Staudenbekämpfung beginnen werde. Das war am 4. Juli. Bis Redaktionsschluss der aktuellen Ausgabe stand die Rodung allerdings noch aus.

Info: Der Botanische Sondergarten in Wandsbek verlieh dem Bärenklau 2008 das Prädikat „Giftpflanze des Jahres“. Unter Sonnenlicht kann der Pflanzensaft auf der Haut Verbrennungen verursachen
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