Hamburg: Kindern Schicksale näherbringen

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Mit Begeisterung werden die Stolpersteine auf Hochglanz gebracht Fotos: Krause

Im Gedenken an Opfer der Nazidiktatur: Schüler vom Ratsmühlendamm putzten „Stolpersteine“

Hamburg „Eigentlich ist dieses Thema jetzt noch nicht dran“, so Ulrike Peters, Klassenlehrerin der 4a der Schule Ratsmühlendamm. „Aber in Absprache mit den Eltern haben wir uns entschieden, dennoch der Einladung von Frau Löhr zu folgen.“
Die Psychologin Margot Löhr betreut das Projekt Stolpersteine im Norden Hamburgs. Der Künstler Gunter Demnig hat mit den Stolpersteinen ein europaweites Kunst- und Netzwerk geschaffen, das den Opfern der Nazidiktatur gewidmet ist. Am 27. Oktober 2005 verlegte Demnig in Anwesenheit von Angehörigen der Opfer auf dem Gehweg vor dem Haus Brombeerweg 47 fünf Stolpersteine. Sie tragen die Namen der aus diesem Haus 1941 / 1942 deportierten jüdischen Bewohner. Benno und Ella Friedländer, Paula Marcuse, Edgar Hirsch und Fanny Harrison. Wie einige Kinder berichten, haben sie aus Fernsehdokumentationen oder im Gespräch mit älteren Familienangehörigen schon etwas über Unrechtstaten der Nazis erfahren.

Aus der Anonymität geholt

Im Gespräch mit Margot Löhr, die über die Schicksale von Menschen aus Fuhlsbüttel berichtet, bekommen damals verfolgte Menschen für die Kinder Gesichter, treten aus der Anonymität der Opfer heraus. Einfühlsam stellt die Psychologin die damaligen Hausbewohner im Kontext der historischen Gesamtsituation vor, zeigt Bilder und beantwortet Fragen der Mädchen und Jungen. Die sind mit Putzschwämmchen und Metallputzmittel ausgerüstet, denn das Erfahren soll von konkretem Handeln begleitet werden.
Zuvor aber bittet Löhr die Kinder darum innezuhalten. „Wir denken jetzt an die
Menschen, denen furchtbares Unrecht geschehen ist und daran, dass wir alle mit daran arbeiten müssen, dass sie nicht in Vergessenheit geraten und dass sich dieses Unrecht nie mehr wiederholt!“ Die Kinder verstehen den Appell. Etliche schließen die Augen und werden für einen Moment ganz ruhig.
Dann verlesen fünf von ihnen die Namen auf den
Messingplatten im Pflaster, bevor die Stolpersteine mit Feuereifer geputzt werden. Glänzend können diese kleinen Platten ihren Zweck wieder erfüllen – dass Passanten mit den Augen „stolpern“ und an die Menschen, die hier einst gewohnt haben. Mit den „Stolpersteinen“ wird dauerhaft an das Unrecht erinnert, das ihnen einst geschah. (fjk)
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