Hamburg: Teilen statt wegwerfen

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Marlene Hoffmann tauscht schnell verderbliche Lebensmittel Foto: tj

Marlene Hoffmann (24) wirft Essen nicht weg, sie verschenkt es im Internet

Von Tina Jordan
Hamburg. Jeder Deutsche wirft pro Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Dies ergab eine Studie im Auftrag des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Besonders Obst und Gemüse und an zweiter Stelle Fleisch und Milchprodukte werden nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums oder wenn sie nicht mehr ganz frisch aussehen entsorgt. Dabei sind sie noch genießbar.
Marlene Hoffmann will der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenwirken und engagiert sich in einer lokalen Online-Foodsharing-Gruppe. Auf dieser Plattform bieten die Aktiven Lebensmittel an, die sie übrig haben und tauschen diese gegen Dinge, die ihnen im Kühlschrank fehlen. Die 24-Jährige glaubt, dass manche Lebensmittel gar kein Ablaufdatum brauchen.
„Es ist doch ein Witz, dass beispielsweise 2000 Jahre altes Himalaya-Salz eine Mindesthaltbarkeit hat“, sagt sie. Durch Foodsharing sei sie achtsamer im Umgang mit Lebensmitteln geworden. Bevor sie Einkaufen geht, schaut Marlene Hoffmann lieber erstmal, was ihre Mitstreiter in der Foodsharing-Gruppe übrig haben.
„So kann man sich austauschen, persönlich Kontakt zum Anbieter aufnehmen und sich einfach schnell um die Ecke mal ein paar Eier oder eine Gemüsekiste besorgen“, argumentiert die Kisdorferin.
Bislang war Marlene in einer Foodsharing-Gruppe für Hamburg und Kiel aktiv. Über die soziale Plattform „facebook“ tauschen 3.000 Mitglieder Lebensmittel aus, die bei ihnen zu Hause überflüssig sind. Da aber Anfahrtswege für ein paar Lebensmittel bis nach Kiel nun doch zu weit sind, hat Marlene eine eigene Gruppe in ihrer Gegend ins Leben gerufen. Angesprochen sind Menschen aus dem Kreis Segeberg. Bereits nach kurzer Zeit erlebte die Kisdorferin eine hohe Resonanz.
„Innerhalb weniger Tage hatten sich schon über 100 Mitglieder registriert“, sagt sie. Zudem habe sie viel positives Feedback für ihr Engagement erhalten. Mittlerweile hat ihre Plattform 411 Mitstreiter. Marlene Hoffmann freut sich auf weitere Lebensmittel-Bewahrer, die mitmachen. Das Tauschen von Lebensmitteln sind für die Kisdorferin normale Alltagsbegebenheiten, die in der immer anoymeren Gesellschaft ausgestorben zu sein scheinen.
„Früher hätte man doch auch einfach nur beim Nachbarn nach Eiern oder Butter gefragt“, sagt sie. Heute gebe es das kaum noch, was sie bedauert.
„Mir geht es um den Austausch zwischen Privatpersonen“, erklärt Marlene Hoffmann. „Es gibt doch genug Menschen, die einfach zu viel im Kühlschrank lagern. Dazu kommt, dass Lebensmittel in den Geschäften oft in Großpackungen preiswerter sind als so genannte Singlepackungen. „Ich kann doch aber nicht eine Riesenpackung Toast oder Brot allein essen, oft wird es dann schimmelig“. Sie selbst sieht sich nicht als Umweltaktivistin. In den Hamburger und Kieler Gruppen gibt es auch Menschen, die nachts regelmäßig zu Supermärkten fahren und in den Müllbehältern nach weggeworfenen, aber genießbaren Lebensmitteln suchen. Diese Art der Lebensmittelbeschaffung sei aber nichts für sie.
u Infos gibt es unter www.facebook.de, Stichwort Foodscharing Norderstedt/Kaltenkirchen und Bad Bramstedt.
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