Hamburg – Vom Glück, beim Einkaufen Erfolg zu haben

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Symbolfoto: thinkstock

Lokales Shopping: Hamburgs Einzelhandel setzt elf Milliarden Euro um. Was in Zukunft wichtig wird

Von Mathias Sichting

Hamburg. Einkaufen im Jahr 2014: Ohne Internet geht nichts – ohne die Vielfalt der Einzelhändler vor Ort aber auch nicht. Bundesweit berichten in diesen Tagen auf Initiative des Bundesverbandes Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) Medien mit einer Auflage von über 13 Millionen unter dem Stichwort „Das geht uns alle an“ über das Thema „Lokal einkaufen“. Das Hamburger Wochenblatt ist dabei - und nimmt den Einzelhandel in der Hansestadt unter die Lupe.

Die Bedeutung des Einzelhandels für Hamburg ist enorm. Laut Handelskammer ist die Hansestadt mit mehr als 32.000 Handelsunternehmen und über 125.000 Beschäftigten neben Berlin der größte deutsche Handelsplatz. Auf den 2.675.000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche wurden laut GfK Geomarketing (2012) rund
elf Milliarden Euro umgesetzt. Dabei ist die Bandbreite enorm, bei Sortiment und Standort.

Michael Kuhlmann, Experte für Unternehmensförderung in der Handelskammer, erläutert: „Die City ist für gesamt Hamburg, aber auch für den Tourismus, relevant. 40 Prozent des Umsatzes in der City werden durch Touristen erzielt. Dann folgen die Bezirkszentren, sprich Osterstraße, Wandsbeker Markt, Altona, Ottensen und so weiter. Dazu haben wir die Nahversorgung in den Stadtteilzentren und Sonderstandorte auf der grünen Wiese.“

Die Vorteile und Stärken des lokalen Einzelhandels liegen auf der Hand: Der Kunde kann sehen, fühlen, riechen. Er bekommt gegebenenfalls einen Service, setzt hier auf kompetente Beratung und verlässliche Ansprechpartner. Referent Kuhlmann: „Ich kann dem Händler mit Worten, aber auch mit Händen und Füßen zeigen, was ich suche. Die Wertschätzung ist eine klare Abgrenzung vom Onlinehandel.“ Gerade vor dem Hintergrund des „regionalen Denkens“ sei der Einzelhandel dabei, vermeintliche Defizite gegenüber dem Onlinehandel abzubauen. Denn auf Kundenseite ist dieser Gedanke ausgeprägt und werde immer stärker.

Bewusster einkaufen

Das Thema Wertschätzung spielt vor allem im Bereich Lebensmittel eine beachtliche Rolle. „Das Stichwort lautet Bio plus. Das ist nicht nur biologischer Anbau. Das Plus heißt, die Ware kommt auch aus der Region. Immer mehr Kunden fragen gezielt bei den Händlern nach, wo die Ware herkommt. Es wird bewusster eingekauft“, sagt Kuhlmann. Bewusst und am liebsten lokal. Wo einkaufen, Spaß macht. Und wo Service ein gutes Gefühl gibt. Shopping ist ein Erlebnis. Und vor allem lässt sich dieses Erlebnis nicht durch das Angebot im Internet ersetzen. „In der Praxis funktioniert Einkaufen immer noch so: Ich habe eine Liste und gehe los. Ich suche aber nicht nur Einzelhandelsangebote, sondern trinke noch einen Kaffee und esse etwas. Ich bin Teil von gesellschaftlichen Prozessen und kulturellen Angeboten“, so Kuhlmann.

Als er selbst kürzlich eine Lampenfassung brauchte, fand er 350 Meter von seiner Wohnung entfernt ein kleines Elektrofachgeschäft. „Bis dahin war ich allerdings schon sechs Kilometer unterwegs. Bevor ich losgefahren bin, habe ich im Internet vergeblich nach einer Firma, die den Artikel führt, gesucht.“ Chance und Zukunft lokaler Geschäfte liegen seiner Meinung nach in der Kombination aus kundenfreundlicher Nähe und gleichzeitiger Präsenz im Internet.

"Inventurlisten ins Netz“

„Da stehen wir vor einem Strukturwandel. Der Wandel geht von der angebotsgetriebenen zur technik- und kundengetriebenen Nachfrage. Showrooms sind in erster Linie nicht mehr die Einzelhändler am Standort“, prophezeit Kuhlmann. Die jüngere Generation schaue sich erstmal im Internet um, bevor sie einen Laden aufsucht. „Findet man im Netz ein schickes Gerät, sucht man sich einen Laden raus, der das in der Nähe führt. Man gibt also den Artikel, die Marke, vielleicht noch den Stadtteil in die Suchmaske ein. Oft ist es dann allerdings so, dass man gar nichts findet“, beklagt Michael Kuhlmann. Das Problem: Die Geschäfte sind aufgelistet, allerdings nicht die Artikel.
Der Handelskammer-Experte blickt in die Zukunft: „Die Produkte im Facheinzelhandel müssen auffindbar gemacht werden. Es macht wenig Sinn zu sagen, wir sind 100 Facheinzelhändler an einem Standort. Der Kunde will keine Einzelhandelsgeschäfte kaufen. Er will auch keine Standorte kaufen. Er will Artikel.“ Laut Kuhlmann gehört es zu den schönsten Kundenerlebnissen, wenn man in ein Geschäft geht und dort das findet, was man sucht. Finde die Generation Smartphone etwas in ihrem Gerät nicht, existiere dies für sie schlichtweg nicht.
„Der Einzelhändler muss schauen, wie er sein Angebot in die digitale Welt bekommt. Wenn man es überspitzt darstellt, müssten die Inventurlisten ins Netz. Dazu die Geschäftsadresse, eine Telefonnummer oder eine Emailadresse, um die Verfügbarkeit abzufragen.“ Und bis dahin?

Sollte mancher Ladenbesitzer vielleicht auch die Erfahrung von Wochenblattleserin Ursula L. aus Barmbek-Süd beherzigen: Sie hatte eine „Hammer-Odyssee“ hinter sich, bis sie das gesuchte Werkzeug endlich in einem Geschäft in der Fuhlsbütteler Straße fand. Trotz aller Freude fiel ihr bei ihrer Suche auf, dass der Laden nicht nur versteckt liegt, sondern auch nicht für sich wirbt. Sie rät ihm und anderen Ladenbesitzern: „Es wäre wichtig, dass solche Geschäfte Reklame machen.“ Ursula L. muss es wissen: Sie gehört zu den Kunden und die sind bekanntlich die Könige.


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Stichwort: Lokal einkaufen.
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1 Kommentar
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Laksman Cham aus Uhlenhorst | 29.03.2014 | 16:49  
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