„Herr Körner, Du bist nett!“

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Gustav Adolf Körner spricht mit seiner Tochter Ingeborg Picker häufiger über die Zeit im kleinen Laden in Fuhlsbüttel.

100 Jahre heiter und neugierig aufs Leben

Von Franz-Josef Krause
Fuhlsbüttel. Als Gustav Adolf Körner am 1. August in Buer, einem heutigen Stadtteil von Melle in der Nähe von Osnabrück als jüngstes von sechs Geschwistern das Licht der Welt erblickte, hätte wohl niemand in der Familie vermutet, dass er einmal nach Hamburg aufbrechen und dort bleiben würde.
Bei Körner hieß der Grund nach Hamburg zu gehen, Hilde oder genauer Hildegard Luise. Sie wohnte in Fuhlsbüttel und war ein munteres kleines Mädchen, das häufig seine Ferien bei Verwandten in Buer verbrachte. Der Junge ‚vom Lande‘ und das Mädchen aus der Großstadt spielten häufig zusammen – über Jahre behielt man brieflich Kontakt. Als der abebbte, beschloss Adolf Körner, in Hamburg einmal nach dem Rechten zu sehen. Mit Erfolg. Das war 1935. Da hat es – wie Klaus Lage es 1984 in seinem Song formulierte – bei beiden „zoom gemacht“. Nach der Heirat machte es in der Weltpolitik leider nicht „zoom“ sondern „Bumm“. Der inzwischen junge Vater fand sich als Soldat wieder. Erst bei der Flak und dann, als der Wahnsinn sich dem Ende näherte, bei der Infanterie. Mit Armdurchschüssen rechts und links erlebte er das Kriegsende in amerikanischer Gefangenschaft. Frau und Tochter traf er nach Kriegsende im Emsland. Hier fand der gelernte Gärtner auf einem Gut Arbeit. Arbeit, fast zu viel Arbeit hatten Körners Schwiegereltern im fernen Hamburg. Also forderten sie die jungen Leute auf, ihnen in ihrem Kolonialwarenladen in Fuhlsbüttel zu helfen. Der 30 Quadratmeter große Laden am Heinrich-Traun-Platz Nr. 8 war fortan der Mittelpunkt der Familie. Eigentlich gab es bei Körners fast alles: Mehl, Salz, Zucker galt es aus großen Säcken in Schubladen und von dort in Tüten abzufüllen. Tochter Ingeborg füllte mit ab, zählte Backpulverbeutel und machte sich auch sonst im ‚Unternehmen‘ nützlich. Geöffnet wurde um 7 Uhr in der Frühe; davor hatte Körner schon an Stammkunden Brötchen ausgetragen. „Mein Frühsport“, sagt heute lächelnd der Hundertjährige, „Bewegung, das ist bis heute mein bestes Rezept. Und Heiterkeit. Bei uns im kleinen Laden wurde viel gelacht. Viele Lebensgeschichten wurden da zwischen den hohen Regalen aufgeblättert.“ Am Wochenende war der kleine Laden häufig so etwas wie die Rettung in letzter Not. Die Tankstellen verkauften damals noch überwiegend Kraft- und Schmierstoffe. 1975 war Schluss. Die Konkurrenz der großen Lebensmittler war zu groß.
Im Schröderstift in Langenhorn begann für die Körners ein neues, wie die 2006 verstorbene Hilde Körner es formulierte, ‚schöneres Leben‘. Hier spielt der Jubilar bis heute jede Woche Skat, hier pflegt er mit Hingabe seine Blumen. Gibt es etwas aus der Zeit am Heinrich-Traun-Platz, das bis heute trägt? „Ja, “ Adolf Körner geht zur Tür, um das Geschehen von damals plastisch zu machen „ich erinnere mich gern an das kleine Mädchen, das öfter bei uns für die Mutter einkaufte. Einmal, da war es schon fast aus der Tür, machte die Kleine nochmal kehrt, strahlte mich an und sagte ‚Herr Körner, Du bist nett! ‘ “
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