In 54 Minuten am Hauptbahnhof

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Peter Lehnert (v.l.), Klaus H. Hensel und Volker Dornquast stehen am Bahnübergang in Ellerau, der zur AKN-Strecke gehört Foto: Fuchs

Politiker kämpfen für Direktverbindung in die Hansestadt

Kreis Segeberg. Die Bürgermeister der an der AKN-Strecke liegenden Kommunen fordern es seit Jahren. Nun hat der Wunsch nach einer elektrifizierten Bahnstrecke zwischen Kaltenkirchen und Hamburg-Eidelstedt als S-Bahn-Linie 21 eine sachliche Grundlage.
Bislang fährt die AKN mit Diesel-Triebwagen und die Fahrgäste müssen in Eidelstedt in die S-Bahn umsteigen, um weiter zum Hamburger Hauptbahnhof zu kommen. Ein 160.000 Euro teures Gutachten, das die Landesweite Verkehrs-Servicegesellschaft (LVS) in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Ergebnis, dass sich eine solche S-Bahn-Verbindung volkswirtschaftlich lohnt. Zwischen 65 und 90 Millionen Euro müssten der Bund, Hamburg und Schleswig-Holstein zahlen.
„Wir haben es ja schon immer gewusst, dass dies Sinn macht. Aber nun haben wir schwarz auf weiß die Grundlage, endlich den elektrischen Anschluss zu schaffen, den es auf anderen Bahnstrecken schon lange gibt“, sagt Claudius Mozer von der Südholstein-Verkehrsservice-Gesellschaft (SVG), die den öffentlichen Nahverkehr für die Kreise Pinneberg und Segeberg organisiert und der an diesem Gutachten mitgewirkt war.
Das Gutachten hat drei Fälle dieser geplanten Verlängerung der S 21 aus Richtung Aumühle um 30 Kilometer nach Norden bis nach Kaltenkirchen untersucht. Allen drei gemeinsam ist die Verschwenkung bei Hamburg-Eidelstedt über Quickborn und Ulzburg nach Kaltenkirchen und dass ihr Nutzen höher wäre als die Kosten.
Am attraktivsten ist demnach die Variante drei, die aber 25 Millionen Euro teurer wäre als das Basis-Modell. Hierfür müssten die letzten beiden eingleisigen Abschnitte am Bahnhof Eidelstedt sowie zwischen Ellerau-Tanneneck und Quickborn noch zweigleisig ausgebaut werden. Dadurch würde sich die Fahrtzeit zwischen Kaltenkirchen und Eidelstedt auf 39 Minuten um fünf Minuten verkürzen. Aus Kaltenkirchen wäre man ohne umzusteigen in 54 Minuten am Hauptbahnhof. Für Mozer wäre das eine „riesige Verbesserung“. Die Züge führen je nach Verkehrszeit alle zehn bis 20 Minuten. Die Zahl der Fahrgäste, die im Vergleich zum jetzigen AKN-Aufkommen dann zusätzlich in diese S-Bahn einstiegen, wüchse, je näher man nach Hamburg käme.

Mehr Fahrgäste

Zwischen Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg wären es knapp 20 Prozent mehr bei dann 8800 Fahrgästen am Tag. Zwischen Quickborn und Eidelstedt würden die zurzeit 12.200 Fahrgäste am Tag um mehr als 30 Prozent auf 16.000 am Tag ansteigen. „Unsere Erfahrung besagt, dass diese Prognosen am Ende immer übertroffen werden“, sagt Benjamin Werner, der dieses Projekt bei der LVS leitet.
Für Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl und die CDU-Landtagsabgeordneten Volker Dornquast aus Henstedt-Ulzburg und Peter Lehnert aus Bilsen ist es deshalb keine Frage, dass die Landesregierung die teuerste dritte Variante mit dem durchgehenden zweispurigen Ausbau dem Nachbarland Hamburg vorschlagen sollte.
„Die Situation ist günstig, weil die S4 nach Bad Oldesloe erst ab 2020 gebaut werden kann und mit 630 Millionen Euro um ein Vielfaches teurer wird“, sagt Dornquast. Der Bund müsste an reinen Baukosten etwa 45 Millionen, Schleswig-Holstein 18 und Hamburg zwölf Millionen Euro für die Elektrifizierung tragen.
Aber auch die Hamburger Vertreter in dem Arbeitskreis hätten sich für die Komfortlösung drei ausgesprochen, sagt LVS-Projektleiter Werner.
Allerdings müsste als Ausgleich für Hamburg zeitgleich der Ausbau der S 32 von Harburg zur Elbgaustraße erfolgen, weil sonst dieser dicht besiedelte Stadtteil im Nordwesten Hamburgs weitgehend abgekoppelt und nur noch über die S 3 nach Pinneberg angebunden wäre. Werner: „Die S32 ist eine Bedingung für die S21-Verschwenkung.“
Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske ist begeistert von der Aussicht auf die S21. „Es ist wichtig, möglichst viele Menschen von der Straße auf die Schiene zu bringen.“ Auch Köppl plädiert für die große Lösung: Aus Quickborner Sicht böte sich an, die Eisenbahnkreuzung, die zurzeit regelmäßig den Verkehr auf der Bahnstraße lahmlegt, so umzugestalten, dass sich Auto- und Bahnverkehr nicht mehr in die Quere kämen. (bf)
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