Investor in Hamburg muss neu planen

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So sollte das neue Wohn- und Geschäftshaus Ecke Stockflethweg aussehenVisualisierung: pmscheel
 
Investor Ulrich Oldehaver

Baugenehmigung Stockflethweg fehlerhaft. Frist läuft ab

Von Bert C. Biehl
Hamburg. Rein äußerlich hat sich die marode Ladenzeile in Ochsenzoll nicht verändert. Das Grundstück Ecke Langenhorner Chaussee und Stockflethweg, auf dem Investor Ulrich Oldehaver ein Wohn- und Geschäftshaus bauen will, sieht trostlos aus wie eh und je - und auch die drei letzten verbliebenen Mieter sind noch drin.
Doch hinter den Kulissen wird jetzt fieberhaft verhandelt. Der Hintergrund: Wenn eine Baugenehmigung erteilt wurde, muss binnen drei Jahren mit den Arbeiten begonnen werden. Die Frist dafür läuft im September dieses Jahres ab. Und just nun stellt sich heraus, dass der seinerzeit erteilten Baugenehmigung ein fehlerhafter Plan zugrunde liegt.

Krisengespräch im Bauamt

Nachbarrechte wurden missachtet - deshalb kann die Frist zum Baubeginn auch nicht, wie sonst üblich, einfach verlängert werden. Zunächst muss ein neuer Plan her. Am vergangenen Mittwoch gab es dazu ein Krisengespräch im Bauamt des Bezirks - Investor Oldehaver muss nun nicht nur versuchen, mit seinen drei verbliebenen Mietern zu einem Auszugs-Agreement zu kommen. Er muss sich zusätzlich mit der Eigentümergemeinschaft der Häuser Stockflethweg 3 bis 9 verständigen. Wer mit Oldehaver dieser Tage über sein Bauprojekt spricht, hört einen leichten Frust in seinen Worten: „Hier ist einfach noch nichts in die richtige Richtung gelaufen“, sagte er dem Wochenblatt auf Nachfrage. Er verhandelt weiter, doch parallel dazu bietet er das rund 2.000 Quadratmeter große Grundstück jetzt zum Verkauf an. Das Problem: Nach dem Bauplan rückt der Neubau bis auf 84 Zentimeter an das benachbarte Rotklinkerhaus aus den 50er-Jahren heran.
Das sei zu dicht, weil es nicht nur Arbeiten an ihrer Fassade unmöglich mache, argumentiert die Eigentümergemeinschaft. Mehr noch: Das große Wohnzimmerfenster der Dachgeschosswohnung würde quasi zugebaut, einmal abgesehen von noch drei weiteren Badezimmerfenstern.

Kompromiss in Aussicht

Hier wird es völlig skurril: Denn nach Informationen des Wochenblatts dürfte es dieses große Wohnzimmerfenster baurechtlich gar nicht geben. Offenbar war das Dachgeschoss zu Beginn der 60er-Jahre nachträglich ausgebaut und mit diesem Fenster versehen worden. Im Bezirksamt kann niemand mehr genau nachvollziehen, wie es vor mehr als 50 Jahren zu dieser Genehmigung kam. Gleichwohl blockiert das vorhandene Fenster den Neubau - vorerst. Denn dem Vernehmen nach sind beide Seiten kompromissbereit. Am 3. April trifft sich die Eigentümergemeinschaft, um mögliche Alternativen zu beschließen. Dies könnte wohl ein größerer Bauabstand sein - oder ein direkter Wandanschluss. Wie auch immer: Vor einem Baubeginn muss ein völlig neuer Plan her.
Und eine Einigung mit den in der Ladenzeile verbliebenen Mietern, die langjährige Verträge haben. Zu diesem Problem gibt es widersprüchliche Informationen.
Im vergangenen September hatte Oldehaver einen bereits unterschriftsreifen Abfindungsvertrag mit den Geschäftsleuten platzen lassen: „Meine Baukosten haben sich inzwischen um 425.000 Euro erhöht, die Zuschüsse der Stadt sind gesunken. Das lohnt sich nicht“, argumentierte Oldehaver auf Nachfrage. Immerhin scheine ein baldiger Auszug der Filiale einer zwischenzeitlich insolventen Friseurkette greifbar zu sein - sofern dieser in der Umgebung einen neuen Geschäftsraum finde.

Sanierung trotz Abriss?

Wohnungsmieter Sinan Duran, der mit seiner Familie oberhalb der Ladenzeile wohnt, bestätigte, vor Weihnachten erneut mit Oldehaver über seinen Auszug verhandelt zu haben.
„Danach haben wir nichts mehr von ihm gehört.“ Nicht einmal Gespräche hat es nach Darstellung von Zejlko Blagojevic, dem Betreiber des Zeitungsladens, mit ihm gegeben. Stattdessen kann er von fortwährenden Wasserrohrbrüchen und feuchten Wänden berichten - und Sanierungsankündigungen durch Oldehavers Hausverwaltung. Sanierung eines Hauses, das eigentlich abgerissen werden soll?
Investor Oldehaver ist unter anderem Aufsichtsrat des Immobilienmaklers Engel&Völkers. In deren Ochsenzoller Filiale lag die Verkaufsofferte bislang im Fenster - rund 2.000 Quadratmeter für 1,8 Millionen Euro. „Wer sich die Situation hier antun will, kann das Gelände gerne haben“, so Oldehaver zum Wochenblatt. (bcb)
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