Jubiläum zwischen Kraut und Rüben

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Dirk Sielmann (l.), Vorsitzender des Hamburger Landesbundes der Gartenfreunde, überreichte dem Vereinsvorsitzenden Horst Thiel als Geburtstagsgeschenk eine funkgesteuerte Uhr für das Vereinsheim Fotos: Biehl

50 Jahre Kleingärten am Twisselwisch. Umbruchstimmung zwischen Bornbach und Tarpenbek

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Sein weitest entfernter Pächter kommt aus dem westfälischen Herne. „Der ist aber fast nie da“, wundert sich Horst Thiel. Mit den anderen Parzellenbesitzern hat der Vorsitzende des Kleingartenvereins Twisselwisch häufiger Kontakt. Vor allem am vergangenen Wochenende war das so. Da nämlich beging der Verein sein 50-jähriges Bestehen mit mehr als 300 Gästen. Die genossen bis in den späten Abend das unterhaltsame Programm aus Live-Musik, Spiel, Showeinlagen und Tanz. Mit dabei war auch Dirk Sielmann, Vorsitzender des Hamburger Landesbundes der Gartenfreunde.
Er überreichte Thiel als Geburtstagsgeschenk eine funkgesteuerte Uhr für das Vereinsheim. Mit 184 Parzellen auf 16.000 Quadratmetern Fläche sei der Verein mit der Nummer 453 durchaus „einer der größeren“, sagt dessen Vorsitzender, aber nur halb so alt wie zum Beispiel der Verein Birkenhain an der Alsterdorfer Bebelallee, der in diesem Jahr immerhin schon 100 wird. Allerdings geht auch am Twisselwisch der Strukturwandel nicht vorüber, wie Thiel deutlich machte: „Viele Ältere geben auf.“ Bei der beschwerlichen Gartenarbeit könne man nicht mehr so wie früher auf die Hilfsbereitschaft der Nachbarn setzen. „Der Gemeinschaftssinn hat nachgelassen“, bedauert Thiel.
Gestiegen sind dagegen die Anforderungen an den Umweltschutz, zum Beispiel bei der Wasserversorgung und beim Toilettengebrauch. Die Umweltbehörde hat bereits angekündigt, alle Lauben auf ordnungswidrige Einbauten prüfen zu wollen. Dazu gehören zum Beispiel Wasseranschlüsse im Haus oder Versickerungsanlagen. Auch der Wegfall gewisser, in Jahrzehnten geduldeter Bequemlichkeiten begünstige die Aufgabe, sinniert Thiel.
Aktuell stehen im Verein vier Lauben zum Verkauf. Wer einen Platz im Grünen sucht – hier kann er ihn noch bekommen. Der große Traum vom kleinen Stück Land geht in Langenhorn schneller in Erfüllung als zum Beispiel in Citynähe, wo die Vereine teils Wartelisten führen. Ein paar Hundert Meter entfernt steht sogar ein ganzer Kleingarten mit 24 Parzellen leer. Die erforderliche Zahl von sieben Mitgliedern zur Vereinsgründung wurde noch nicht erreicht. „Kleingärten, die schlecht per Nahverkehr erreichbar sind und in Nachbarschaft zu Einzelhäusern stehen, haben es schwerer“, sagt Landesbund-Chef Dirk Sielmann. Aber vermutlich nicht mehr lange. Denn immer wieder müssen Kleingärten auch dem Wohnungsbau weichen, wie in Kürze im Barmbeker Pergolenviertel. Etliche der Pächter orientieren sich hin zu anderen Anlagen. Sielmann ist optimistisch, dass er das neue Gelände noch in diesem Jahr voll bekommt und auch am Twisselwisch der Leerstand zügig wieder vermietet wird.
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