Kinder und Eltern lernen gemeinsam

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Schülerinnen Katja Badrhane (15), Linda Oganyan (15), Sybille Röpel, Vorsitzende der IGL, Yeter Yenmez (44), Furkan (14) und Yasemin Yalcin (23, (hinten von links) sowie Jasmin Lahouar (11) und Nachhilfelehrer Korkut Yalcin (49) vor dem Haus der IGL. Foto: sl

Internationale Gruppe der Interessengemeinschaft Lentersweg

Von Sylvana Lublow
Hummelsbüttel. Vor einem Jahr gründete Korkut Yalcin eine internationale Lerngruppe innerhalb der Interessengemeinschaft rund um den Lentersweg (IGL) in Hummelsbüttel.
Der aus der Türkei stammende Schiffsbauingenieur möchte mit dieser Initiative Kinder und Jugendliche unterstützen, die Probleme in der Schule haben, bei denen ihnen auch die Eltern nicht weiterhelfen können. Den Eltern wiederum zeigt Yalcin, wie sie mit ihren Kindern lernen können. „Wir lernen gemeinsam das Lernen“, beschreibt es der 49-Jährige.

„Jeder sollte die gleichen Chancen haben.“
Ob Hausaufgabenhilfe, Referate, Prüfungsvorbereitung oder Bewerbungsschreiben – die Schüler können mit jedem Anliegen in die Lerngruppe kommen, die sich an den ersten drei Sonntagen im Monat im Vereinshaus der IGL trifft. „Eltern können ihrer Kinder oft nur während der Grundschulzeit unterstützen. Danach wird es für viele schwierig“, erklärt Yalcin, der selber Vater von drei Kindern ist. Seine Tochter Yasemin studiert Lehramt für Gymnasien und gibt in der IGL als Honorarkraft Nachhilfestunden. Ziel ihres Vaters ist es, auch alle Kinder seiner Gruppe zum Studieren zu bewegen.
„Jeder sollte die gleichen Chancen haben“, sagt Yalcin, der mit seiner ehrenamtlichen Arbeit auch die Schwächen des Hamburger Schulsystem ausgleichen möchte. „Wir müssen Hand in Hand arbeiten, um den Kindern viel zu ermöglichen“, sagt der Hobby-Lehrer, dem Bildung sehr am Herzen liegt. „Eltern müssen mit einbezogen werden. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass sie auch etwas dazu lernen.“ Das Lern-Angebot richtet sich an alle Anwohner des Lenterswegs und der Umgebung: Dort leben beispielsweise Menschen aus Ägypten, der Türkei, Russland, Afghanistan und Deutschland.

„Dass wir trotzdem kein Problem-Stadtteil sind, rechnen wir auch uns als Verdienst an.“ „Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund liegt in diesem Viertel bei 40,9 Prozent“, sagt Sybille Röper, erste Vorsitzende der IGL. Etwa 3000 Bewohner gibt es in der Siedlung. „Dass wir trotzdem kein Problem-Stadtteil sind, rechnen wir auch uns als Verdienst an“, sagt sie.
Das Stadtteil-Kultur- und Jugendzentrum IGL gibt es seit 1973. Es hält Angebote rund um Bildung, Sport, Kultur und Begegnung für die Anwohner bereit. Die Kurse und Gruppentreffen sind entweder kostenlos oder sehr günstig. Rund zehn ehrenamtliche Mitarbeiter und viele Honorarkräfte unterstützen die Arbeit der IGL, zu der ein großer Spiel- und Freizeitpark gehört. Korkut Yalcin lebt seit 1973 in Deutschland. Sein Vater gehörte zu den letzten Gastarbeitern, die damals nach Deutschland geholt wurden.
Yalcin hat die türkische und die deutsche Staatsbürgerschaft. Er studierte an der Technischen Universität Hamburg Schiffbau. „Schon während des Studiums habe ich anderen Studenten Nachhilfe gegeben. Mich macht es glücklich, wenn ich anderen helfen kann“, sagt er. Sein Repertoire an Fächern, die er lehren kann, umfasst Mathe, Deutsch, Englisch, Französisch, Physik, höhere Mathematik und viele technische Berufsschulfächer.
Yalcin ist seit 1998 Vorsitzender des Elternbundes türkischer Familien an drei Schulen und seit zwei Monaten zweiter Vorsitzender der IGL. Seine Internationale Lerngruppe besuchen bis zu 30 Teilnehmer. „Leider kommen nicht alle regelmäßig und leider immer noch zu wenig Eltern“, sagt er.
Aber der ehrenamtliche Nachhilfelehrer gibt nicht auf, auch noch die letzten zu erreichen, um den Kindern und Jugendlichen die Bildung zu ermöglichen, die ihnen zusteht. (sl)

Die Internationale Lerngruppe trifft sich an den ersten drei Sonntagen im Monat
von 15 bis 17 Uhr im Haus der IGL in der Flughafenstraße 91. Die Teilnahme ist kostenlos
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