„Mich hat es richtig zerlegt“

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Bohumil Nedorostek auf „Glad Royal“ am 7. Juli in Horn. Kurz danach geschah der Unfall, der Hengst starb Fotos: Kl.-J. Tuchel
 
Der Jockey (hier vor dem Unfall): „Ich will wieder in den Sattel“

So leidet Jockey Bohumil Nedorostek nach dem Unfalldrama von Horn

Hamburg. Es war einer der schlimmsten Unfälle in der 144 Jahre währenden Geschichte des Horner Rennderbys: Bei einem Hindernisrennen am 7. Juli starben zwei Pferde nach einem dramatischen Zusammenstoß mit dem Rennfeld, Jockey Bohumil Nedorostek wurde schwer verletzt. Knapp zwei Monate nach dem Drama leidet der 40-Jährige noch immer sehr unter den Folgen.

„Horror-Unfall“, „Todes-Drama beim Horner Derby“, „Hindernisrennen vor dem Aus?“: So und ähnlich lauteten die Schlagzeilen nach den Ereignissen, die die erfolgreiche Rennwoche 2013 trübten. Beim 3.400-Meter-Hürdenrennen waren zunächst drei Reiter gestürzt; als ihre Pferde eingefangen werden sollten, machten die Tiere kehrt und rasten dem Feld im gestreckten Galopp entgegen. „Ich habe mit so etwas überhaupt nicht gerechnet“, erinnert sich Bohumil Nedorostek, der mit „Glad Royal“ zu diesem Zeitpunkt gut im Rennen lag. „Ich wollte gerade überholen und sah die Chance, zu gewinnen.“

Problem durch Hecken

Durch hohe Hecken der Hindernisse war die Sicht auf die beiden herannahenden Pferde verwehrt, eines war bereits seitlich durch die Absperrung ausgebrochen. Die Zuschauer verfolgten auf Groß-Bildschirmen die sich anbahnende Katastrophe: Ein Pferd prallte auf Nedorosteks Hengst „Glad Royal“, beide Tiere waren sofort tot. Der Reiter erlitt etliche Brüche an der linken Hand und am linken Arm, außerdem am Fuß, „da ist ein Pferd drübergaloppiert“.
Zweieinhalb Wochen lag Nedorostek im Boberger Unfallkrankenhaus. „Meiner Lebensgefährtin Mariola, den Ärzten und den Schwestern im Krankenhaus möchte ich sehr herzlich danken“, sagt Nedorostek im Rückblick. „Sie haben mir unendlich geholfen.“ Noch immer hat er Arm und Bein im Gips, erst in der vorigen Woche wurde er erneut operiert. Er weiß, dass alles noch hätte viel schlimmer sein können: „Ich kann von Glück sagen, dass es nur gebrochene Knochen sind.“ Als Jockey habe er schon Stürze erlebt, „aber in Horn habe ich mich richtig zerlegt“. Ob er wieder ganz gesund wird, weiß Nedorostek, der hauptberuflich bei der Polizei in Hannover arbeitet, nicht: „Mal sehen, wie das ausgeht.“ Er habe sich das Video des Unfalls mehrfach angesehen. Das Problem sei nicht gewesen, dass die reiterlosen Pferde mit dem Feld mitgelaufen seien. Auslöser des Unfalldramas sei der missglückte Versuch gewesen, die Pferde einzufangen.

Versicherungen und Ermittlungsbehörden sind weiterhin mit dem Horner Rennbahn-Unfall beschäftigt. Jan Antony Vogel vom Direktorium für Vollblutzucht und Rennen in Köln, das die Rennleitungsmitglieder stellte, rechnet „frühestens im Oktober“ mit Ergebnissen, wie er dem WochenBlatt sagte. Vogel zeigte sich betroffen von dem „schrecklichen Unfall“, hält ihn jedoch für einen Einzelfall: „So etwas gibt es einmal in 100 Jahren.“ Ein Verschulden Einzelner sieht er nicht. Als Konsequenz von Horn sollen nicht nur an den Hindernissen, sondern auch an schwer einsehbaren Streckenabschnitten Helfer stehen.

Der Hamburger Rennclub entscheidet laut Präsident Eugen-Andreas Wahler Ende 2013 über das Programm 2014 - und damit ob es in Horn weiter Hürdenrennen geben soll. (sta)
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