Nichts beschönigen

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Der öffentliche Weg Feuerbergstraße wird von vielen Kindern als Schulweg genutzt. Foto: Barth/hfr

Kinder- und Jugendnotdienst kooperiert mit PK 36

Von Britta Burmeister
Ohlsdorf. Nachbarn des Kinder- und Jugendnotdienstes Feuerbergstraße (KJND) in Alsterdorf fühlen sich durch Jugendliche bedroht, die in der Einrichtung des Landesbetriebs Erziehung und Beratung (LEB) eine vorübergehende Unterkunft gefunden haben. Das Beschwerderegister reicht von derben Beschimpfungen bis zur Erhebung von Straßenzöllen. Eine Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte, macht sich Sorgen um ihren Sohn. „Noch begleite ich ihn ja, aber irgendwann soll er den Weg zur Schule doch allein schaffen – im Moment kommt das gar nicht in Frage. Schlimm genug, dass er Pöbeleien mit anhören muss, die unter die Gürtellinie gehen!“
Ilsabe von der Decken, Leiterin des KJND, nimmt die Beschwerden der Anwohner sehr ernst. „Wir wollen nichts beschönigen oder deckeln!“ sagt sie. „Tatsache ist, dass wir hier seit ein paar Monaten vermehrt Probleme mit einzelnen Jugendlichen haben, die sich ihre Langeweile damit vertreiben, Passanten zu belästigen!“ Die Feuerbergstraße ist zwischen Rübenkamp und Paul-Stritter-Weg ohnehin geeignet, das subjektive Sicherheitsempfinden zu beeinträchtigen. Insbesondere der Abschnitt im Gleisdreieck der U- und S-Bahntrasse gleicht durch die beiden Fußgängerbrücken und den alten Baumbestand einem dunklen Nadelöhr. Um hier Abhilfe zu schaffen hat der LEB bereits die Installation weiterer Lampen in Auftrag gegeben. Außerdem sollen Schilder mit der Telefonnummer des KJND montiert werden. „Ich empfehle Passanten, brenzligen Situationen auszuweichen und im Zweifelsfall lieber einen Umweg in Kauf zu nehmen oder bei uns zu klingeln“ , so Ilsabe von der Decken. „ Wenn etwas passiert ist, sollte auf jeden Fall die Polizei informiert und gegebenenfalls Anzeige erstattet werden!“
Der KJND arbeitet ohnehin sehr eng mit dem Polizeikommissariat 36 und dem zuständigen bürgernahen Beamten zusammen. Um die Sicherheitslage zu verbessern, wurde außerdem ein Sicherheitsdienst beauftragt, Passanten zu schützen und den Schülerinnen und Schülern der benachbarten Bugenhagenschule sicheres Geleit zu geben.
Die Teenager, die in der Feuerbergstraße unterkommen, sind keine Straftäter, sondern Hilfesuchende, die sich in einer akuten Krisen- oder sogar Gefahrensituation befinden. Die Unterbringung beim KJND ist eine Übergangslösung und sollte eigentlich nicht länger als drei Wochen dauern. Ilsabe von der Decken. „Viele Jugendliche bleiben viel zu lange bei uns.“ Die Übergriffe auf Passanten entstehen nach ihrer Einschätzung nicht aus Kalkül, sondern aus Frust und Langeweile. Die Einflussmöglichkeiten des KJND sind begrenzt. Wir sind keine geschlossene Einrichtung und können niemanden wegschließen“, erklärt Ilsabe von der Decken. Schulunterricht in Kleingruppen und Freizeitangebote sollen in der Feuerbergstraße für so etwas wie einen geregelten Alltag sorgen. Zur Teilnahme gezwungen werden kann hier jedoch niemand. „Es gibt Jugendliche, die erreichen wir einfach nicht!“ so die Leiterin des KJND. (hfr)
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