Reetdächer sind in Gefahr

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Sarah Denker fürchtet, dass Silvesterknaller das Reetdach des Hauses ihrer Großeltern beschädigen. Fotos: R. Jaeger

Auch Familie Denker bangt an Silvester wieder um ihr Zuhause

Henstedt-Ulzburg. Es klingelt an der Haustür. „Sarah kommt zum Mittagessen“, sagt Renate Denker zu ihrem Ehemann Dieter. Regelmäßig stattet ihnen die 18-jährige Enkeltochter einen Besuch ab.
Heute, wenige Tage vor dem Jahreswechsel, gibt es in ihrem gemütlichen Wohnzimmer nur ein Thema: die Silvesternacht und das Abfeuern von Böllern und Raketen. Dieter und Renate Denker sind erst vor vier Wochen in ihr neues Reetdachhaus in Henstedt-Ulzburg gezogen. Enkeltochter Sarah, eine gelernte Köchin, fürchtet: „Die Leute sind total unvernünftig. Es wird geballert, was das Zeug hält. Und im Frühjahr holt man dann die Reste der Feuerwerksköper vom Dach herunter. Kein Mensch kann sich die Ausmaße vorstellen, wenn ein Strohdachhaus Feuer fängt.“

Nie an Silvester in Urlaub

Sarahs Großeltern, die viele Jahre nebenan auf dem Grundstück in einem alten Reetdachhaus wohnten, sind in der Vergangenheit nie über Silvester verreist. „Die Angst war zu groß“, bekennen sie. Dennoch möchte auch Sarah irgendwann einmal in einem solchen Gebäude wohnen. Immerhin: Im Umkreis von 200 Meter um reetgedeckte Häuser dürfen Feuerwerksraketen und Abschussbecher aus Gas- oder Schreckschusswaffen auch am 31. Dezember und 1. Januar nicht abgefeuert werden. Verstöße dagegen werden als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße geahndet. Das hat die Gemeinde angeordnet. Feuerwerkskörper bringen nicht nur freudvolle Erlebnisse, sondern können auch gefährlich sein. Immer wieder müssen Menschen in der Silvesternacht mit Verletzungen die Zentrale Notfallambulanz der Paracelsus-Klinik Hensted-Ulzburg aufsuchen. „Betroffen sind vor allem Augen, Ohren, Gesicht und Hände“, sagt Chefarzt Dr. Thomas Bonitz.

Geprüfte Ware verwenden

Der erfahrene Mediziner rät, keine Feuerwerkskörper selber herzustellen, nur geprüfte Qualitätsware zu verwenden, sie nicht in Innenräumen zu halten oder zu werfen. Böller, so Dr. Bonitz, sollte man ganz liegen lassen. Denn sie könnten mit Verzögerung explodieren. „Wer zu viel getrunken hat, sollte die Finger von Böllern, Raketen und Knallfröschen lassen.“ (rj)
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