Schock über Schnecken-Klau

Anzeige
Künstlerin Doris Waschk-Balz hat das Objekt geschaffen Fotos (2): Büh

Besuch bei der Künstlerin, die die Bronzeskulptur geschaffen hatte

Von Florian Büh
Langenhorn. Nach dem Diebstahl einer Schnecken-Skulptur am Iserlohner Stieg nahe dem ella-Kulturhaus (wir berichteten) sucht die Polizei weiter nach den Tätern. Metalldiebe hatten die Plastik in der Zeit zwischen dem 9. und 14. Oktober gestohlen. Die Anwohner sind entsetzt.
Maria Maffenbeier (71) wohnt seit über 20 Jahren in dem Quartier: „Schade, dass die Schnecke nun weg ist. Wer tut so etwas?“ Thies Jöhrendt (39) sagt: „Seit einem Jahr arbeite ich im ella-Kulturhaus als Veranstaltungs-Techniker. Sie gehörte zu meinem täglichen Arbeitsweg. Es ist unglaublich, dass so etwas gestohlen wird.“
Bei der Schnecke handelt es sich um ein etwa 60 Mal 60 Zentimeter großen Hohlguss aus Bronze. Geschaffen hat ihn die Künstlerin Doris Waschk-Balz. Das WochenBlatt besuchte die 70-Jährige in ihrem Heim an der Elbe.
Hier wohnt sie mit ihrem Ehemann, dem Zeichner Klaus Waschk. Auf die Nachricht vom Diebstahl ihrer Bronzeplastik reagierte die ältere Dame mit Fassungslosigkeit.
Werke der freischaffenden Bildhauerin sind in vielen Hamburger Stadtteilen zwischen Wilhelmsburg anzutreffen – der Torbogen in der Ottenser Hauptstraße gehört dazu, der Brunnen auf dem Großneumarkt oder auch die Chateauneuf-Gedenktafel an der Alten Post in der City. „Zwischen 1982 und 1985 habe ich die zwölf Objekte auf dem Marktplatz Käkenhof entworfen“, erinnert sich die gebürtige Berlinerin. Ein Gießer in Düsseldorf hatte die Objekte dann anhand ihrer Gipsmodelle erstellt.
Jedes Objekt war damals doppelt vorhanden: Eines im Figurenensemble auf dem Marktplatz und ein weiteres in der Nähe. Die Modelle gibt es heute nicht mehr. Die Auftragsarbeit der Baugesellschaften hatte damals vermutlich einen Wert von umgerechnet etwa 2.000 Euro. „Zum Materialpreis, der heute um ein vielfaches höher sein dürfte, kommt ja die Arbeitsleistung hinzu“, so die geschockte Künstlerin. Nach Einschätzung der Polizei bringt der Verkauf der etwa 60 Kilo schweren Skulptur bei Händlern für illegal beschafftes Altmetall vermutlich vier Euro pro Kilogramm. Also: Für rund 240 Euro viel Aufwand und ein hohes Risiko für die vermutlich in der Dunkelheit aktiven Diebe. Offenbar wurde der massive Erd-Anker mit einer Flex abgetrennt – das dürfte Geräusche verursacht haben.
Eine Wiederbeschaffung der Skulptur wäre laut Doris Waschk-Balz immerhin möglich: „Man könnte von der verbliebenen Schnecke am Marktplatz einen Abdruck fertigen und aus diesem eine neue Schnecke herstellen - das würde aber wohl so etwa 3000 Euro kosten.“ Sie fürchtet insgeheim, dass das von ihr geschaffene Ensemble demnächst ebenfalls geplündert werden könnte. Schon früher wurde ein Anschlag verübt: „Die Windenknospe der Ackerwinde ist schon seit einigen Jahren verschwunden.“ Hinweise an das PK 34 unter Tel.: 42865-3410.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige