Sicher an der Bahn vorbei

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Polizist Florian Born mit einer Schülergruppe am Bahnsteig Quickborn-Süd Foto: Fuchs

Unternehmen und Polizei warnen Jugendliche vor Risiken auf dem Schulweg

Von Burkhard Fuchs
Quickborn/Norderstedt. Wie gefährlich Bahnübergänge sein können, zeigte sich vor zehn Jahren am Bahnhof Tanneneck zwischen Quickborn und Ellerau. Ein zehn Jahre altes Mädchen saß auf ihrem Fahrrad, hielt sich an der Bahnschranke fest und hörte dabei Musik aus ihren Kopfhörern. Plötzlich raste ein Zug vorbei, erfasste das Fahrrad und riss das Mädchen mit. Die Kleine überlebte schwer verletzt. Von 118 Bahnübergängen auf den drei Strecken des Kaltenkirchener Bahnunternehmens AKN gibt es 36 ohne Schranken. Bei dreien fehlt jegliche technische Sicherung. Dort warnt nur ein Andreaskreuz die Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer vor der Bahnstrecke. 1996 gab es bei der AKN noch 37 komplett ungesicherte Bahnübergänge. Das Unternehmen hat seitdem kräftig in die Sicherung ihrer Bahngleise investiert.
Aber Blinklichter, Halbschranken und Lichtzeichenanlagen an den Bahnübergängen allein schaffen keine hundertprozentige Sicherheit, wenn sich die Menschen nicht vernünftig und vorschriftsmäßig verhalten. Viel zu oft überwinden Übermütige trotz Blinklicht oder geschlossener Schranke das Bahngleis. Vor allem Kinder sind gefährdet. Darum geht das Bahnunternehmen AKN jetzt von sich aus in die Offensive und will in Schulen zusammen mit der örtlichen Polizei vor diesen Gefahren warnen. Den Anfang machte das Elsenseegymnasium in Quickborn. Ein Großteil der 800 Schüler kommt mit der Bahn zum Unterricht, da das Schulgebäude ganz in der Nähe des Bahnhofes Quickborn-Süd liegt.

Drastische Filme sollten Gefahren zeigen

AKN-Sicherheitsbeauftragte Monika Busch, Lokführer Jürgen Schweim und Polizeioberkommissar Florian Born informierten einen Vormittag lang 150 Schüler der fünften und sechsten Klassen über Gefahren und Sicherheitsbelange rund um das Bahnfahren. Zunächst befragten die drei Experten die Schüler nach eigenen Erfahrungen, stellten die verschiedenen Arten von Sicherungssystemen an den Bahnübergängen vor, um dann vor Ort am Bahnhof Quickborn-Süd das richtige Verhalten in der Gruppe zu üben. Dabei schreckten sie nicht vor drastischen Darstellungen zurück, um die Schüler auch emotional anzusprechen. So wurde ein Film gezeigt, in dem Schüler auf dem Bahnsteig tobten. Urplötzlich fiel eines der Kinder ins Gleisbett. Schnitt. Das Ende des Filmes blieb offen. Auch eine höchst traurige Todesanzeige ersparte der Polizeibeamte Born den Kindern nicht. Die Schüler waren offensichtlich beeindruckt und erinnerten sich sofort an eigene Erlebnisse und Beobachtungen. In denen wurden Mitschüler beinahe aufs Gleis geschubst, Mutproben unter dem wartenden Zug veranstaltet, Schranken nicht beachtet oder zur falschen Seite aus dem Zug gestiegen.
Manche Mitschüler hätten Angst, zu spät zum Unterricht zu kommen, sagte ein Mädchen. „Dann kommt lieber eine Minute zu spät zur Schule, als dass ihr hinterher ins Krankenhaus müsst“, riet AKN-Mitarbeiterin Busch den Kindern.

Auch andere Schulen sollen sich beteiligen

„Ich denke, wir haben die Kinder erreicht“, ist Oberkommissar Born mit dem Ergebnis dieser Schulung zufrieden. „Wir werden mit dem Thema auch in Zukunft offensiv umgehen und in den Bahnen mit Plakaten vor diesen Gefahren warnen“, kündigte Monika Busch an.
Am Elsenseegymnasium sollen jedes Jahr grundsätzlich alle Fünftklässler geschult werden. Weitere Schulen sind eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen.
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