Sorge um Langenhorner Markt

Anzeige
Das Einkaufszentrum am Langenhorner Markt muss „dringend revitalisiert“ werden, sagen Vertreter der KaufleuteFotos: Krause (4), wb
 
Peter Nyholm (65) schätzt den Wochenmarkt sehr – vom EKZ würde er sich eine größere Vielfalt und mehr Kommunikationsangebote wie Cafés wünschen. Etwas sehr nüchtern findet er das augenblickliche Ambiente

Erneut Laden dicht. Das Wochenblatt nennt Hintergründe zur Entwicklung

Von Franz-Josef Krause
Hamburg. Was ist los im Einkaufszentrum Langenhorner Markt? Das fragen sich immer mehr Menschen im Stadtteil angesichts der jüngsten Entwicklung. Vor wenigen Tagen hat Stefan Putz seine Spielzeugladen geschlossen, wenige Meter entfernt macht die Filiale der Parfümerie Kaland seit Wochen Ausverkauf.
„Der Umsatz hat sich in den letzten Jahren halbiert“, bedauert Stefan Putz „das ist der Grund, warum ich hier schließen muss.“ Der Niedergang habe 2011 mit dem Weggang der Schlachterei und des Fitness-Centers begonnen.
Dem Kaufmann ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. „Es waren emotionsgeladene Tage, als sich die Kunden von mir verabschiedeten. Eine ganze Grundschulklasse hat mir Briefe geschrieben und bedauert, dass es Spielzeug Putz nicht mehr geben wird.“
Wer sind die Akteure im Einkaufszentrum? Eigentümer der Immobilien – mit Ausnahme des Haspa-Gebäudes und des ehemaligen Karstadt-Komplexes – ist die SEB Immobilien-Investment GmbH Frankfurt, die in der Vergangenheit Teile ihres Gesamt-Portfolios veräußert hat. „Betroffen ist aber nicht die Anlage Langenhorner Markt“, sagt Jan Henker, Center Manager der MultiSec Mall Management GmbH, die die Immobilie seit 2006 für die SEB verwaltet.
Auf der Internetseite seines Unternehmens wird das EKZ Langenhorner Markt so charakterisiert: „Einzugsgebiet ca. 120.000 Personen. Profil: Offenes Stadtteilcenter mit ca. 7.500 qm Handelsbesatz, zzgl. 5.000 qm Büro. Center-Struktur: Einzelhandel 6.800 qm, Dienstleistung 200 qm Gastronomie 800 qm, Büro 5.000 qm.“
Das behauptete Kundenpotenzial des Einzugsgebietes lässt aufmerken. Selbst wenn man alle Bewohner von Langenhorn, Hummelsbüttel, Fuhlsbüttel und Niendorf zusammenrechnete, wäre die Zahl noch nicht erreicht. Realistisch betrachtet dürfte sich das Kerneinzugsgebiet des EKZ eher auf das Gebiet zwischen Flughafenstraße und Foorthkamp beschränken, vielleicht 30- bis 40.000 Personen. Geschäftsführer Bernd Langmaack und Vorsitzender Hans-Gerhard Kaland von der Interessengemeinschaft EKZ Langenhorner Markt, dem Zusammenschluss der dortigen Gewerbetreibenden, halten sich mit offiziellen Äußerungen zurück. Man wisse um die Probleme des Einkaufzentrums. Das gilt auch für Oliver Ohm von der BBE Handelsberatung, die beauftragt ist, die ansässigen Kaufleute strategisch zu beraten. Einig sind sich alle in der Einschätzung, „dass es so nicht weitergehen darf, dass dringender Revitalisierungsbedarf besteht.“
Offensichtlich ist, dass Dreh- und Angelpunkt ein möglicher neuer Investor und dessen Pläne sind. Die SEB ImmoInvest befindet sich seit dem 7. Mai 2012 in Auflösung. Das gesamte Immobilienportfolio soll bis zum 30. April 2017 verkauft werden. Dass die SEB noch etwas unternimmt, scheint keiner zu erwarten. Gibt es kurzfristig einen neuen Besitzer – es wird auf März 2014 spekuliert – kommt es darauf an, wie dieser glaubt, für seine Investition eine langfristig optimale Rendite erzielen zu können.
Gedankenspiele sind da erlaubt. Sie reichen von einer behutsamen Vergrößerung der Verkaufsflächen je Geschäft, um größere Sortimenter in das EKZ zu holen, bis zur sukzessiven Entmietung um dann in einem „großen Wurf“ alles abzureißen und neu und modern wieder aufzubauen.
Apotheker Mark Heudorfer ist vom Standort und der Zukunft des Nahversorgerzentrums überzeugt „Hier kreuzen sich zwei Hauptverkehrsstraßen, der U-Bahnhof und Busstationen liegen vor der Tür – auch die Rückverlegung des Wochenmarktes wird neue Impulse geben“, so der Inhaber der Apotheke im EKZ. Allerdings räumt auch er ein, dass „Handlungsbedarf besteht, um das vorhandene Standortpotenzial besser zu nutzen.“
Wer auch immer letztlich die Immobilien übernimmt – mehr Geld als für ein paar Eimer Farbe wird er in die Hand nehmen müssen. Wenn die Langenhorner durch ihr Kaufverhalten dann noch mit dazu beitragen, dass diese Investitionen sich rechnen, dann steht einer Renaissance des Einkaufzentrums Langenhorner Markt nichts im Wege. (fjk)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige