Sportanlage soll legalisiert werden

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Die Dirtland-Initiatoren Jan Biedler (li.) und Sven Evers baten den Langenhorner Bezirksabgeordneten Gulfam Malik um Hilfe – und bekamen sie auch. Foto: Biehl
 
Die Gesetze der Schwerkraft scheinen aufgehoben, wenn Profi-Biker abheben .Foto: Biehl

Politik und Verwaltung unterstützen Biker-Projekt am Wittekopsweg

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Böser Start, gutes Ende: Mit der Hilfe von Politik und Verwaltung soll es jetzt gelingen, ein eigentlich illegales Sportprojekt in Langenhorn in geordnete Bahnen zu lenken und damit zu legalisieren. Denn die Idee, die dahinter steckt, ist genauso kühn wie faszinierend. Das meinen zumindest viele, die damit zu tun haben. Konkret geht es um eine Sporthalle für eine besondere Spezies von Mountainbike-Fahrern: die adrenalingeladenen, weil action-verliebten „Dirtbiker“. Für sie soll eine große Anlage am Wittekopsweg entstehen. Im Hamburger Umland sind sie der Schrecken der Ordnungsämter. In Internet-Foren verabredet sich die harte Szene der Dirt-Biker zu Treffs auf Baustellen, in Kiesgruben, auch schon mal im Naturschutzgebiet.
Dann werden halsbrecherische Parcours eingerichtet und gefahren – je steiler und rasanter, desto cooler. Es geht um Sprünge, Salti und immer neue Tricks auf dem modifizierten Drahtesel. Wer den Dirt-Bikern bei ihren abenteuerlichen Sprüngen zusieht, muss vermuten, dass für sie die Gesetze der Schwerkraft nicht gelten. Und auch mit anderen Gesetzen gehen die tollkühnen Männer auf ihren fliegenden Drahteseln bisweilen eher unkonventionell um. Nicht nur, weil ihre Räder in den seltensten Fällen für öffentliche Straßen zugelassen sind. In Langenhorn gab es vor einiger Zeit jenen Vorfall, über den die Verantwortlichen heute nicht mehr sprechen mögen. Er ist ihnen unangenehm. Zu Recht. Wenn Sven Evers aus seiner Haustür tritt, kann er quasi zum Wittekopsweg 41a hinspucken. Dort liegt ein Grundstück, das seit langem verlassen ist. Früher, zur Blütezeit der Tennisvereine, hatte der heutige Sportverein SCALA dort eine riesige Tennisanlage. Zehn Felder, zwei baufällige Hallen. Eine laut Vermessungsamt knapp 14.000 Quadratmeter große Brache, zuzüglich knapp 4000 Quadratmeter mit Parkplatz und Vereinshaus. Nach dem Sportverein trainierte hier mal drei Jahre lang die Polizei, dann war die Rettungshundestaffel der Johanniter hier untergebracht, doch die sind auch schon seit mehr als einem Jahr dort raus. Der Langenhorner Sven Evers ist Biker. Er kam auf eine geniale Idee. Er fand das Gelände ideal für eine Dirtbiker-Anlage.
Eines Tages kamen, so erinnern sich Nachbarn, immer mehr junge Leute mit seltsamen Fahrrädern und verschwanden in einer der Hallen. Eines weiteren Tages, vielleicht so Ende 2010, kamen Lastwagen mit Sand, der ebenfalls in einer der Hallen verschwand. Und eines noch weiteren Tages im Frühjahr 2011 kam die Polizei. Denn leider war der Grundeigentümer nicht eingeweiht worden.
Das Gelände gehört der Stadt. Verwalterin ist die Sprinkenhof-AG. Deren Regionalbeauftragter staunte nicht schlecht, als er die Halle betrat. Die Biker hatten den angelieferten Sand zu Erdhügeln, Sprungschanzen und Rampen verarbeitet und übten dort fröhlich ihre Sprünge und Tricks. Als „Dirtland-Hamburg“ firmiert diese Anlage im Internet und zeigt, welche Dimensionen die Idee hat.
Henning Tants ist Vorstandssprecher der Sprinkenhof AG. Nein, es habe keinen Mietvertrag, keine Absprache oder gar Erlaubnis gegeben, bestätigt Tants die illegale „Hausbesetzung“: „Einfach so etwas zu machen – das geht nicht. Wir haben die Verkehrssicherungspflicht. Wenn dort jemand zu Schaden kommt, müssen wir haften.“ Die Sprinkenhof AG fackelte nicht lange: Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.
Dabei war die Idee eigentlich gut. In den Hallen eine Indoor-Anlage, auf dem Außengelände eine Schönwetter-Landschaft: Am Wittekopsweg könnte, so Evers, Norddeutschlands größte, vereinsgetragene Biking-Anlage entstehen. Im Oktober 2011 gewann er den Fahrradhändler Jan Biedler für die Idee. Ein Anziehungspunkt auch für Langenhorner Jugendliche – und natürlich für jene, die bisher noch ordnungswidrig im Umland durch die Kieskuhlen heizen müssen. Aber auch Trainingsmöglichkeiten für „normale“ Radler, Kinder, Familien gehören zum Konzept.
Dies Potenzial erkannte Gulfam Malik sofort. Im Büro des SPD-Bezirksabgeordneten in der Tangstedter Landstraße hatten einige „Dirtland“-Aktive recht kleinlaut eingefunden, frisch beschwert mit einer Anzeige, Strafe: bis zu einem Jahr Haft. „Ich habe dann Gespräche mit dem Bezirksamt Nord vermittelt und diese Gespräche seither begleitet“, berichtete Malik, der schon seit längerem immer wieder ein nachhaltiges Nutzungskonzept für die verkommene Sportanlage angemahnt hatte. „Die Idee eines Fahrradfreizeitparks ist sicher ein großer Gewinn für den Stadtteil“, sagt Malik. Die Anlage könne zu einem wichtigen Baustein im ansonsten eher spärlichen Freizeit-Angebot für Jugendliche werden. Auch Sprinkenhof und die Bezirksamtsleitung stehen dem Projekt grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. „Wir bereiten eine gemeinsame Absichtserklärung vor mit dem Ziel, dass ein Nutzungskonzept als Radsportanlage auf dem Gelände entwickelt werden kann“, sagt der kommissarische Bezirksamtsleiter Harald Rösler, der die Fäden zwischen den zuständigen Ämtern knüpft.
Alles steht und fällt wie immer mit der Finanzierung. An einem – diesmal sogar amtlich genehmigten - Schautag am 30. März durften die „Dirtland“-Initiatoren ihr Projekt offiziell präsentieren. Profisportler und rund 25 jugendliche Besucher testeten die professionell verdichteten Erdhügel und fachmännisch gezimmerten Rampen. Auch Malik und Rösler überzeugten sich vor Ort vom Potenzial des Projekts. „Aktuell haben wir hier 10.000 Euro investiert“, sagte Sven Evers, „aber das ganze Gelände umzugestalten, das kostet Millionen.“ Jetzt werden Sponsoren gesucht. (bcb)
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