Streik in der Kita

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Kita-Leiterin Irene Lesniewski versucht auch in Arbeitskampfzeiten allen gerecht zu werden: Kindern, Eltern und Kollegen. Foto: Barth
Barmbek. „Wir sind es wert“, bekräftigte Ina Kleuckling am Sonnabendmorgen, als bekannt wurde, dass es eine Einigung bei den Tarifverhandlungen auf Lohnsteigerung von insgesamt 6,3 Prozent zwischen der Gewerkschaft ver.di und den Arbeitgebern im öffentlichen Dienst gegeben hatte. Ina Kleuckling, Erzieherin mit Zusatzausbildung zur Heilerzieherin in der Kita Rübenkamp 15 und Gewerkschaftsmitglied seit 40 Jahren ist „ein bisschen zufrieden“. Was sie stört, ist die gestaffelte Lohnerhöhung über zwei Jahre.
Das Streiken habe sich dennoch gelohnt: Über 4.000 Beschäftigte und Auszubildende unter anderem von den Kitas der Vereinigung, aber auch der Hamburger Stadtreinigung, den Öffentlichen Bücherhallen, vom Wasser- und Schifffahrtsamt und dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie, den Theatern, dem Flughafen und der Bundesagentur für Arbeit beteiligten sich am vergangenen Dienstag am zweiten Warnstreik, den ver.di ausgerufen hatte. Es habe in den vergangenen Monaten viele Neueintritte in die Gewerkschaft gegeben, weiß Ina Kleuckling.
Irene Lesniewski ist nicht in der Gewerkschaft. Doch die Kita-Leiterin im Rübenkamp 15 war „total dafür“, dass sich 15 der 33 Erzieher am Warnstreik beteiligten. Sie organisierte eine Notgruppen-Betreuung, appellierte an die Eltern. Sicherlich: Sie habe sich als Kita-Leitung in einem Zwiespalt befunden, gibt die 49-Jährige zu: „Ich will, dass es den Eltern und Kindern auch gut geht.“ Immerhin böten die Kitas der Vereinigung eine Dienstleistung an.
Andererseits habe sie aber größtes Verständnis für ihre Kolleginnen und Kollegen. Irene Lesniewski, die aus Polen stammt und dort schon als Pädagogin tätig war, sei in ihren 22 Jahren, die sie in Deutschland lebt und arbeitet, durchaus nicht entgangen, wie wenig der Erzieher-Beruf hier wertgeschätzt werde. In ihrem Heimatland war das ganz anders: „Dort sind Erzieher generell hoch angesehen und haben viel günstigere Arbeitsbedingungen, damit sie ihren pädagogischen Auftrag gut und gerne erfüllen können.“ Auch sie verdienten „nicht die Welt“, aber zumindest erhielten sie eine gewisse ideelle Anerkennung. Die fehle ihr hier häufig. Ina Kleuckling, seit 30 Jahren in diesem Beruf, weiß darum und bekam es auch von einigen Eltern, die wenig Verständnis für den Streik zeigten, zu hören. „Ich hätte mir insgesamt mehr Solidarität gewünscht“, kommentiert Kleuckling. „Wir haben dafür gekämpft, dass wenigstens die Inflationsrate ausgeglichen wird. Ja, wir haben für mehr Geld gestreikt, weil Erzieher für ihre Leistungen nicht gut genug bezahlt werden.“ Besonders junge Leute – also Auszubildende und Berufsanfänger – beträfe das.
Und trotz allem könne sie guten Gewissens ihren Beruf weiter empfehlen: „Ich bin aus Überzeugung Erzieherin“, sagt sie. Wer „das Kind in sich trage“, der sei in diesem Beruf einfach gut aufgehoben. Und sie werde sich weiterhin für bessere Bedingungen der Erzieher einsetzen, weil sich damit auch die Zufriedenheit aller verbessere. Am Ende, da drehe sich doch alles um die Kinder... (ba)
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