Streit um Ortskern

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Im idyllischen Grützmühlenweg könnte es mit der Ruhe und dem historisch-dörflichen Charakter bald vorbei sein. Foto: sl

Bauantrag kurz vor der Genehmigung. Bürger sprechen von „Bausünde“

Von Sylvana Lublow
Hummelsbüttel. Bezahlbarer Wohnraum in ökologischer Bauweise für junge Familien – damit wirbt die Hamburger Baufirma Accentis, die in naher Zukunft 16 Reihenhäuser im historischen Ortskern Hummelsbüttels errichten will.
Doch die Anwohner wehren sich dagegen. „16 Häuser zuzüglich 16 Stellplätze für die Autos auf 2900 Quadratmetern, das ist doch verrückt und wäre eine weitere Bausünde hier in Hummelsbüttel“ sagt Frauke Risser, die zusammen mit ihrem Mann Klaus im Grützmühlenweg wohnt, in unmittelbarer Nachbarschaft zum besagten Grundstück. Das Ehepaar sieht den dörflichen Charakter und das denkmalgeschützte Reetdachhaus, das ebenfalls neben dem Grundstück steht, in Gefahr. „Hier leben auch so viele Tiere. Die Idylle und der Lebensraum würden durch den Bau zerstört“, sagt Frauke
Risser. Seit Wochen läuft sie von Tür zu Tür und sammelt Unterschriften gegen das Bauvorhaben: „Das war ein großes Stück Arbeit, jedem zu erklären, um was es geht. Aber wir haben mittlerweile 241 Unterschriften von Hummelsbüttlern zusammen“, sagt die engagierte Hamburgerin. Ihr Mann Klaus Risser betont: „Wir wollen nicht verhindern, dass gebaut wird. Aber wir sind gegen diese Massivität und gegen den hässlichen Baustil hier im historischen Ortskern.“ Acht Häuser würden genügen. Der Baustil der sechs Meter hohen weißgetünchten Pultdach-Reihenhäuser passe nicht in den Ort.
Das Baugrundstück, welches an Rissers grenzt, gehörte bis vor drei Monaten einer alteingesessenen Hummelsbüttler Familie. Zwei Einfamilienhäuser, gebaut in den 70er-Jahren stehen dort. „Wir verstehen nicht, warum diese Familie das Grundstück verkauft hat, gerade weil sie alte Hummelsbüttler sind“, sagt Frauke Risser.

Mit den ersten 160 Unterschriften hat das Ehepaar eine Eingabe an die Hamburgische Bürgerschaft eingereicht. Daraufhin kamen Politiker aller Fraktionen zu Ortsterminen um sich persönlich ein Bild zu machen. „Sie zeigten sich alle bestürzt und auf unserer Seite“, so Frauke Risser. Doch auf der Bezirksversammlung Wandsbek hätten die Fraktionsmitglieder ihre Worte nicht wiederholt. Lediglich Die Linke habe sich gegen die Baumaßnahmen ausgesprochen. Die Pläne der Firma Accentis seien vom Bebauungsplan abgedeckt. Außerdem sei bezahlbarer Wohnraum in Hamburg politischer Mehrheitswille. „Da fehlt doch der gesunde Menschenverstand“, regt sich Klaus Risser auf: „Der Bebauungsplan Hummelsbüttel 26 erlaubt für das Grundstück (Liegenschaft 3552 und 3554) eine eingeschossige Bauweise. Geplant sind zwar eingeschossige Reihenhäuser, jedoch mit Staffelgeschoss. Diese Variante ist eine extreme Ausnutzung der Bauordnung. Das äußere Erscheinungsbild einer Reihenhauszeile gleicht dem eines zweigeschossigen Wohnkomplexes.“ Risser verweist auf den Paragrafen 15 der Baunutzungsverordnung, der besagt, dass bauliche Anlagen dann unzulässig sind, „wenn davon Belästigungen oder Störungen ausgehen können, die nach der Eigenart des Baugebiets im Baugebiet selbst oder in dessen Umgebung unzumutbar sind, oder wenn sie solchen Belästigungen oder Störungen ausgesetzt werden.“
Familie Risser und viele andere Nachbarn wollen weiter kämpfen und hoffen auf eine Einigung mit dem Bauträger Accentis und auf die Unterstützung der Politiker. (sl)

Accentis wird am
22. Oktober ab 19 Uhr sein Bauvorhaben „Parkvillage“ allen Interessierten vorstellen – im NH Hotel Hamburg Horn in der Rennbahnstraße. Frauke Risser: „Wir hoffen, dass viele Hummelsbüttler zu diesem Termin erscheinen, auch wenn der nicht gerade um die Ecke ist.“
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