Telefonaktion: Herz in Gefahr

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Standen am Lesertelefon Rede und Antwort: Dr. Behrus Subin, Dr. Ralph-Uwe Mletzko und Christoph Richter (v.li.n.re). Foto: Lublow/hfr
Hamburg. „Herz in Gefahr“: Unter diesem Titel hat die Deutsche Herzstiftung die Herzwochen 2012 der koronaren Herzkrankheit gewidmet. Sie gehört zu den häufigsten Herzerkrankungen weltweit. WochenBlatt-Leser fragten Spezialisten – Spezialisten wurden vom WochenBlatt befragt.
„Herr Doktor, was tun Sie für Ihr Herz“? wollte das WochenBlatt von den Ärzten wissen, die sich zum Vorgespräch für die Telefonaktion in der Asklepios Klinik Nord-Heidberg eingefunden hatten. Die Herren im besten Mannesalter – wie man früher wohl formuliert hätte – machen einen außerordentlich fitten Eindruck. Sie predigen offensichtlich nicht nur Wasser, sie trinken es auch. Dr. med. Ralph-Uwe Mletzko (54), Chefarzt Innere Medizin II/ Kardiologie und Internistische Intensivmedizin lacht „Es ist ein Irrtum zu glauben, ich säße überwiegend hinter dem Schreibtisch. Ich bewege mich viel in der Klinik. Zu Hause wartet der Hund darauf, mit mir unterwegs zu sein. Aber“ so der Mediziner weiter, „nur Wasser muss nicht getrunken werden. Es darf, wenn ansonsten keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen, durchaus auch ein Glas Wein sein“. Die Farbe, so war zu erfahren, ist dabei für das Entgegenwirken von Verengungen der Herzkranzgefäße egal.
Bewegung ist wichtig
Und Bewegung. Bewegung, das war zu hören, ist überhaupt die beste Medizin, wenn es gilt, der koronaren Herzkrankheit vorzubeugen. Christoph Richter (58), Langenhorner mit Internistischer hausärztlicher Gemeinschaftspraxis in Norderstedt, hat sich selbst ein ausgefallenes Bewegungsrezept verordnet – eine Praxisbeteiligung für Innere- und Allgemeinmedizin, Ernährungs- und Sportmedizin in der HafenCity. „Wenn immer möglich, fahre ich zweimal in der Woche mit dem Fahrrad zum Kaiserkai. So kommen etliche Kilometer zusammen. Ich spüre deutlich, das tut mit gut“. Dr. med. Behrus Subin (43) Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunktbezeichnung Kardiologie, ist der jüngste Mediziner in der Runde. Sein Arbeitsplatz liegt in Hamburgs guter Stube in einer Kardiologisch-internistischen Gemeinschaftspraxis am Reesendamm / Ecke Jungfernstieg. Was rät er seinen Patienten – was schafft ihm selbst Bewegung? „Zwei Stationen früher aussteigen“ ist sein Rat „es ist oft unrealistisch, auf die ‚zweckfreie‘ Bewegung zu setzten. Aber, wer zum Beispiel vom Norden kommend mit der U-Bahn unsere Praxis ansteuert oder in der Innenstadt einkaufen möchte, könnte schon an der Hallerstraße aussteigen und die restliche Distanz entlang der Alster spazieren gehen“. Und was macht Dr. Subin selbst?
„Als ich 40 wurde, war es ganz besonders meine Frau, die mir Bewegung verordnet hat. Nun jogge ich entlang der Alster. Ich habe spaßeshalber einmal mit einem Schrittzähler gemessen, welche Entfernung ich in der Praxis täglich zurücklege – vier bis fünf Kilometer sind dabei zusammengekommen. Doch das zählt nicht so richtig“.
Fachleute einig
Denn da sind sich die Fachleute einig. Bewegung setzt ihre positive Wirkung erst dann richtig frei, wenn sie ‚am Stück‘, also zusammenhängend von mindestens einer halben Stunde mehrfach in der Woche erfolgt. Mit dem Hund, den Rad oder beim Joggen. Dass Rauchen und Diabetes Risikofaktoren darstellten ist unstrittig; ebenfalls Übergewicht. Das kann viele Ursachen haben; eine weniger im Fokus stehende Gefahrenquelle ist dabei der Schlafmangel. Die Fettverbrennung ist ein Stoffwechselvorgang, der für die Energiezufuhr im Körper unerlässlich ist. Untersuchungen haben gezeigt, dass 70% der Fettverbrennung im Schlaf erfolgt. Wer Schlafstörungen hat oder sonst zu wenig schläft, gibt der Fettverbrennung nicht ausreichend Zeit. Die sollte übrigens auch beim Abnehmen eingeplant werden. Deshalb rät Dr. Behrus Subin seinen Patienten mit Übergewicht von zu hohen Zielvorgaben ab „So wichtig Bewegung auch ist, wenn die Kalorienzufuhr bei der Nahrungsaufnahme nicht gedrosselt wird, schwinden keine Fettpolster. Wer es schafft, jeden Monat nur 1/2 Kilogramm abzunehmen vermeidet so den gefürchteten YoYo-Effekt“.
„Insgesamt ist die koronare Herzkrankheit nicht rückläufig“ so Dr. med. Ralph-Uwe Mletzko, Chefarzt Innere Medizin II/ Kardiologie und Internistische Intensivmedizin im Gespräch mit dem WochenBlatt. „Gelangt aufgrund einer Gefäßverkalkung nicht mehr genug Blut in den Herzmuskel, kommt es zu einer Sauerstoffunterversorgung. Schlimmstenfalls drohen Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder ein sogar Herzinfarkt. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Die Anzahl der Todesfälle ist deutlich gesunken“. Dieser Erfolg ist der modernen Medizin zu verdanken. Schnelle medizinische Hilfe ist bei einem Herzinfarkt lebensnotwendig. „Innerhalb der ersten 120 Minuten nach dem Infarkt sollte ein Patient behandelt werden, damit seine Überlebenschancen optimal sind“.
Gewichtsreduzierung
Nun steht wieder die kalorienreiche Weihnachts- und Vorweihnachtszeit vor der Tür – da haben es die guten Vorsätze bezüglich Gewichtsreduzierung besonders schwer. Christoph Richter, Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzqualifikationen für Ernährungsmedizin, hausärztliche Diabetologie und psychosomatische Grundversorgung macht in diesem Zusammenhang auf einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Risikofaktor aufmerksam „Auch das psychische Gleichgewicht dient der Herzgesundheit. Depressionen belasten das Herz. Schokolade kann Menschen glücklich machen. In Maßen genossen, hat dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil (80 - 90%) einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Denn Kakao enthält sogenannte Flavonoide, die die Gefäße stärken und das Herz-Kreislauf-System schützen. Dazu passt dann durchaus auch ein Glas Rotwein“. (fjk)
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