Verdacht erhärtet sich

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Der Angeklagte meldete sich erneut vor Gericht zu Wort. Foto: Hanke

Ex-Freundin des Unfallfahrers sagte vor Gericht aus

Vom Prozess berichtet
Dr. Christian Hanke
Eppendorf. Es wird immer enger für Cesar S., den Verursacher des schweren Verkehrsunfalls vom 12. März 2011 an der Kreuzung Eppendorfer Baum / Eppendorfer Landstraße, bei dem vier Menschen ums Leben kamen. Am Freitag sagte eine Ex-Freundin von ihm aus, die bereits angekündigt hatte, im Jahr 2000 epileptische Anfälle von Cesar S. miterlebt zu haben.
Der Angeklagte hatte Anfälle in dieser Zeit bislang bestritten.
Die 35-jährige Sabine K., die jetzt verheiratet in London lebt, hatte mit Cesar S. im Sommer 2000 eine mehrwöchige Affäre. Während dieser Zeit erlitt Cesar S. im Bett der Zeugin mitten in der Nacht einen Krampfanfall, der, so Sabine K. „relativ stark“ war. Er sei regelrecht „aus dem Bett geflogen“, berichtete sie, die danach nicht mehr weiterschlafen konnte. Am nächsten Morgen habe sie ihm geraten, einen Arzt aufzusuchen. Cesar S. hätte geantwortet, seine Freundin Nina würde seine Arzttermine koordinieren. Sabine K. räumte zwar ein, vorher noch nie epileptische Anfälle gesehen zu haben, glaubte aber aufgrund Erzählungen einer Cousine, dass Cesar S. einen solchen Anfall erlitten habe. Auch im Büro, Sabine K. war damals Arbeitskollegin von Cesar S., habe dieser einmal auf eine Frage „kein normales Verhalten“ gezeigt, so dass Sabine K. dachte: „Jetzt hat er gleich wieder einen Krampfanfall und fällt vom Stuhl.“ Sie habe lange überlegt, ob sie in dem Verfahren gegen den Unfallverursacher aussagen solle und sei schließlich von ihrem Mann dazu überredet worden. „Ich wollte nicht, dass er freigesprochen wird, nur weil ich nicht ausgesagt habe“, begründete die Zeugin ihren Entschluss, in dem Prozess aufzutreten.
Nachdem Sabine K. den Gerichtssaal verlassen hatte, bat Cesar S. zum zweiten Mal während des bisherigen Prozesses um das Wort.
Er räumte ein, dass er an diesen Anfall im Jahre 2000 „leider nicht mehr gedacht“ hatte. Er habe das kurze Verhältnis mit Sabine K. ganz aus seinem Gedächtnis gestrichen und begründete den von ihr geschilderten Anfall mit „chronischem Schlafentzug“ an den Tagen zuvor, mit Alkoholkonsum und einem Filmbesuch am Abend vorher mit „starkem Flatterlicht“. Mit dieser letzten Bemerkung belastete er sich, ohne es zu ahnen. Denn nun meldete sich Rechtsmediziner Professor Klaus Püschel zu Wort, der darauf verwies, dass das Flatterlicht, das Cesar S. schilderte, ganz typisch für Epileptiker sei. Püschel und sein Kollege, der Neurologe Günther Thayssen, die als Gutachter in dem Prozess fungieren, hatten wiederholt betont, dass Cesar S. eindeutig Epileptiker sei.
Wenn das Gericht es als bewiesen ansehen sollte, dass sich der Angeklagte, um seine Erkrankung wissend, am Unfalltag ans Steuer gesetzt hatte, wird Cesar S. sicherlich zu einer Haftstrafe verurteilt werden. Deshalb versuchen S. und sein Verteidiger für jeden der vielfach bezeugten Anfälle verschiedene äußere Gründe anzuführen. Die Aussagen der Ex-Freundin Sabine K. erhärteten aber den Verdacht, dass Cesar S. Epileptiker ist. Die beiden haben sich während des Auftritts von Sabine K. übrigens nicht angesehen. Zwei weitere Verhandlungstage sind angesetzt: 31. Mai und 5. Juni, jeweils ab 9 Uhr. Am 5. Juni soll das Urteil verkündet werden (ch)
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