Vierfaltigkeit – 40 Jahre ohne Namen

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Der markante Kapellenbau fällt aus dem Rahmen – und in der Gruft ruht Johann Heinrich Schröder gemeinsam mit seiner Frau Henriette. Beide sind die ‚Guten Geister‘ der Stiftung.Fotos: Krause

Johann Heinrich Schröders mildtätige Stiftung feierte ihre Kapelle

Langenhorn. Der Mann hatte ein Haus an der Elbchaussee, eine eigene Privatbank, ein stattliches Gut nur 300 Meter vom Ostseestrand entfernt und er handelte mit Zucker, Baumwolle, Kaffee und Indigo weit über Hamburg hinaus bis hin nach St. Petersburg. Ihm gelang es sogar, erstmalig eine japanische Staatsanleihe im Westen unterzubringen.
Der Stiftungs-Gründer
Mit anderen Worten – Johann Heinrich Schröder war erfolgreich. Und er war keineswegs kinderlos. Mit seiner Frau, Tochter des preußischen Generalkonsuls in Hamburg, hatte er zwölf Kinder. Dennoch sorgte er sich auch um weniger begünstigte Mitbürger.1853 rief er die ‚Johann Heinrich Schröders mildtätige Stiftung‘ ins Leben und stattete sie mit einem Vermögen von eine Million Mark aus. Daraus entstand das Schröderstift an der Sternschanze als Wohnanlage für bedürftige Frauen höherer Stände.
Das Stift, heute eine Seniorenwohnanlage, zog 1971 an einen neuen Standort am U-Bahnhof Kiwittsmoor. Schröder war ein Vorzeigehanseat. Doch dass er sich 1868 in den erblichen preußischen Freiherrnstand erheben ließ, nahm man ihm in der Stadt etwas übel. Das tut ein ordentlicher Hanseat nicht – da war man ganz eigen. Noch heute werden angeblich hanseatische Würdenträgern bei offiziellen Anlässen mit dem Servicepersonal verwechselt, wenn sie keine Orden tragen. Solchen Tand braucht ein Hanseat nicht.
Unverwechselbar in Langenhorn ist dagegen ein Gebäude auf dem Gelände des Schröderstiftes, das in diesen Tagen vierzigjähriges Jubiläum feiert. Es ist die Kapelle – zwar namenlos, aber mit einem vier-zackigem Kupferdach ausgestattet, dass die ‚Dreifaltigkeit‘ um eine Dimension erweitert. Das markante Dach hat dem Bau den Spitznamen ‚Vierfaltigkeit‘ eingebracht hat. Die Kapelle dient den 270 Bewohnern der Stiftsanlage nicht nur als Sakralbau. Hier treffen sich Sport- und Gymnastikgruppen, hier wird Musik gemacht, gegessen, gespielt und gefeiert. Ganz besonders gefeiert wurde in diesen Tagen, zum 40. Geburtstag der Kapelle. Das Fest begann mit einem Gottesdienst; danach schloss sich ein buntes Sommerfest an. Langenhorner Bürger waren eingeladen, das Stift und die Kapelle in Augenschein nehmen.
Jeder bringt sich ein
Denn hier gibt es viel zu entdecken. Ganz vorne an das partnerschaftliche Miteinander und Mittragen der Menschen, die hier wie in einem kleinen Dorf zusammenleben. Das sind nicht nur ältere Mitbürger von 52 bis 100 Jahren, sondern auch 20 Studenten, die zu einer lebendigen Gemeinschaft mit beitragen. Hier kann sich jeder einbringen – muss es aber nicht.
Darauf legt Gabriele Jacobsen, die Geschäftsführerin, Wert. Denn nur in Freiheit, so ihre Philosophie, gedeiht Kreativität. Vom Sonntagsfrühstück, der Donnerstagssuppe über den Bastelkreis bis zur Skatrunde, um nur einige Angebote der ‚Stiftler‘ an ‚Stiftler‘ zu nennen, spannt sich der Bogen.
Immer im Sinne des Stifters. Zwei seiner Nachkommen arbeiten noch heute im Stiftungsvorstand mit. (fjk)
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